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Die Terranauten: ''Big Brother'' im Namen der Wissenschaft

Die Terranauten: ''Big Brother'' im Namen der Wissenschaft © Carl Hanser Verlag

Ein Öko-Experiment gerät im neuen Roman von T. C. Boyle außer Kontrolle.

In den 1990ern wollte die NASA eine Gruppe von Wissenschaftlern zwei Jahre lang unter einer abgeschotteten Glaskuppel leben lassen. So sollte ein eigenständiges Ökosystem erprobt werden, das in Zukunft möglicherweise ein Leben auf den Mars ermöglichen könnte. Doch schon nach kurzer Zeit musste das Projekt "BioSphere 2" abgebrochen werden, weil es zu lebensbedrohlichen Problemen kam.

Öko-Experiment als Medienspektakel

US-Autor T. C. Boyle ließ sich von diesem Experiment für seinen neuen Roman "Die Terranauten" inspirieren. Er nimmt das Ausnahmeszenario unter der Glaskuppel einmal mehr zum Anlass, das ewige Scheitern der Menschen und der Gesellschaft aufzuzeigen. Seine Protagonisten werden von Ehrgeiz und Selbstsucht angetrieben.

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Die attraktive Dawn, ihre vermeintlich beste Freundin Linda und der der selbstverliebte Draufgänger Ramsey bewerben sich um einen Platz im "Ecosphere 2"-Programm. Ihre Ambitionen als Wissenschaftler bezüglich des Öko-Versuchs halten sich in Grenzen. Ihnen geht es bei einer möglichen Teilnahme vor allem darum, sich zu profilieren. Schließlich verfolgen die Medien alle Geschehnisse innerhalb der Kuppel mit aufmerksamen Kameraaugen.

Explosive Gruppendynamik

Dawn und Ramsey schaffen es unter die Crew, die ins überdimensionale Gewächshaus einziehen darf. Linda tobt vor Eifersucht, versucht aber als Teil des betreuenden Teams außerhalb der Glaswelt, Einfluss zu nehmen und Intrigen zu spinnen. Die zunehmenden Konflikte zwischen den Wissenschaftlern im Inneren spielen ihr dabei in die Hände.

Es kommt dort aber nicht nur zu einer hochexplosiven Gruppendymnamik, begleitet von Affären, einer ungewollten Schwangerschaft und ständigen Streitereien. Auch der Sauerstoff wird knapp und die menschlichen Versuchskaninchen geraten in tödliche Gefahr.  

Die Spannung, die sich aus dieser knappen Inhaltsangabe herausliest, will tatsächlich erst in der zweiten Buchhälfte aufkommen. Boyle lässt sich in seinem über 600-seitigen Werk zunächst viel Zeit für detaillierte wissenschaftliche Erklärungen und die Vorstellung seiner drei Hauptfiguren. Diese berichten wechselnd aus der Ich-Perspektive und sprechen den Leser direkt an. Das Ganze liest sich damit wie eine zum Roman gewordene Reality-Doku.

Eine Geschichte mit Längen

Das passt sehr gut, den Boyle prangert mit seiner Geschichte die Sensationsgier der Medien an. Gleichzeitig entlarvt er den krankhaften Wunsch der Spielfiguren nach Aufmerksamkeit und Ruhm. Entsprechend oberflächlich legt er Linda, Dawn und Ramsey an. Das mag realistisch sein. Charaktere, die sich in einem Roman wenig bis gar nicht weiterentwickeln, werden allerdings sehr schnell uninteressant.

Der 68-jährige Autor steuert clever dagegen: Wie in einer Soap überschlagen sich die Ereignisse mit fortlaufender Handlung. Die Situation spitzt sich zu. Trotzdem hätte Boyle noch viel mehr Dynamik erreichen können: 300 Seiten wären wohl ausreichend gewesen, um seine Geschichte auf den Punkt zu bringen. Erst nach dem zähen Einstieg will "Die Terranauten" gut unterhalten.

Mehr Infos zum Autor: www.tc-boyle.de

"Die Terranauten" von T. C. Boyle ist am 09. Januar 2017 im Carl Hanser Verlag erschienen.

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    T. C. Boyle: Die Terranauten
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