The Weeknd hängt auf „Dawn FM“ noch immer in den 1980ern fest. Der Unterschied zum Vorgänger: Es fehlen die großen Hits. Wer auf ein neues „Blinding Lights“ hofft, wird bitter enttäuscht.

Neue Scheibe von The Weeknd: Tunnelblick gen 80er
© Universal Music, Brian Ziff

Superstar The Weeknd hängt auf „Dawn FM“ noch immer in den 1980ern fest. Diesmal fehlen jedoch die zündenden Ideen.

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Sänger The Weeknd ist mit „Blinding Lights“ der erfolgreichste Song aller Zeiten gelungen. Nach so einem Überhit dürfte ein enormer Druck auf den Schultern des Kanadiers gelegen haben. Knapp zwei Jahre nach dem dazugehörigen Album „After Hours“ ist nun sein fünfter Longplayer „Dawn FM“ erschienen. Dieser entstand wieder in Zusammenarbeit mit den Produzenten Max Martin und Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never.

Ein Appetithäppchen servierte Abel Makkonen Tesfaye, wie The Weeknd mit bürgerlichem Namen heißt, bereits im Sommer 2021 mit der Single „Take My Breath“. Der Track knüpft nahtlos an den 80er-Sound von „After Hours“ an – wie nun auch der Rest von „Dawn FM“. Analoge Synthies sorgen wie gehabt für reichlich Retro-Feeling. Dazu gesellen sich sterile Beats und Tesfayes geschmeidiger R'n'B-Gesang. Dieser erinnert gerade in den ganz hohen Tonlagen an Michael Jackson, wird mitunter aber auch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet („Gasoline“).

Wie eine Szenario aus „Stranger Things“

Vom Vorgängerwerk versucht sich „Dawn FM“ vor allem durch ein neues thematisches Konzept abzuheben, das dem frischen Songmaterial einen Rahmen gibt. The Weeknd entführt in ein Szenario, das sich so ähnlich auch in der Netflix-Serie „Stranger Things“ abspielen könnte: Der Verkehr gerät in einem düsteren Tunnel ins Stocken. Man sieht schon das erlösende Licht am Horizont. Doch erst einmal kommt es zum Stillstand. Immerhin ist der titelgebende Radiosender übers Autoradio zu empfangen, um die Wartezeit zu verkürzen.

Schon das von Schauspieler Jim Carrey gesprochene Intro prophezeit ein bedeutungsschwangeres Hörerlebnis: „You've been in the dark for way too long. It's time to walk into the light and accept your fate with open arms. Scared? Don't worry, we'll be there to hold your hand and guide you through this painless transition...“

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Im Laufe des Albums kommt es zu zwei weiteren kurzen Unterbrechungen – in Form einer fiktiven Radiowerbung für einen Film mit dem Titel „Afterlife“ und einem Wortbeitrag von Produzentenlegende Quincy Jones, der aus seiner schwierigen Kindheit erzählt. Im Outro „Phantom Regret“ meldet sich noch einmal Carrey mit einem Gedicht zurück, das den besagten Tunnel endgültig als Übergang vom Leben in den Tod offenbart. Nun ergibt auch das Cover des Lonplayers Sinn, das den Künstler als Greis zeigt.

Die Zeichen stehen auf Hoffnung

Mit der vermeintlichen Weisheit des Alters vor Augen scheint sich The Weeknd diesmal deutlich gelassener mit seinen altbekannten Dämonen auseinanderzusetzen. Unerfüllte Liebe, toxische Beziehungen, Depressionen, Ängste und gefährliche Abhängigkeiten motivieren ihn noch immer zum Leiden. Doch während dies in der Vergangenheit mit einem gewissen Zynismus verbunden war, verknüpft Tesfaye seinen Seelenballast diesmal mit Hoffnung.

Das Problem bei der Sache: Aus musikalischer Sicht bleibt das Licht am Ende des Tunnels in unerreichbarer Ferne. „After Hours“ konnte im Falle von „Blinding Lights“, „In Your Eyes“ und „Save Your Tears“ mit treffsicheren Ohrwürmern aufwarten. „Dawn FM“ lässt diesen Pop-Appeal auf weiten Strecken vermissen, obwohl griffige Melodien sehr gut zum positiven Blick nach vorne gepasst hätten.

Neben „Take My Breath“ beißen sich allenfalls noch das mit markanten Synthie-Riffs ausgestattete „How Do I Make You Love Me?“ und das verträumte „Less Than Zero“ im Gedächtnis fest. Die Kollaborationen mit den Rappern Tyler, The Creator („Here We Go... Again“) und Lil Wayne („I Heard You're Married“) gehen regelrecht unter, ganz einfach weil die Titel es nicht schaffen, irgendwie aufzufallen.

Tunnelfahrt mit angezogener Handbremse

Abels samtweiche Stimme und ein netter Groove genügen auch beim funkigen „Sacrifice“ nicht, um die Handbremse zu lösen, die der dreifache Grammy-Preisträger in seinem Tunnel angezogen zu haben scheint. Besonders schläfrig wird es bei „Out Of Time“ und „Don't Break My Heart“. Ob er den zurückliegenden Erfolg damit wohl wiederholen kann?

Fazit: „Dawn FM“ verliert sich leider in spannungsarmer Synthie-Langweile und lässt zündende Songideen vermissen. Wer auf ein neues „Blinding Lights“ hofft, wird bitter enttäuscht.

Veröffentlichung am 7. Januar 2021 (Republic / Universal Music)

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Quelle: YouTube / The Weeknd

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Hinweis: Nach dem erfolgreichen Versand des Gewinnspielformulars erfolgt eine Empfehlung für einen anderen redaktionellen Beitrag.

Das Gewinnspiel ist beendet. Aktuelle Gewinnerbekanntgaben und eine Übersicht mit bald endenden Gewinnspielen findet ihr hier.

  • Rezension zu: The Weeknd: Dawn FM
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

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