Wenn selbst bekannte Schlager-Magazine im Internet groß über das neue Album von Revolverheld berichten, sagt das eigentlich schon viel. Doch mit einer Textzeile wie „Und jeder wird zum Hobbyphilosophen“ bringt die Hamburger Band es selbst am besten auf den Punkt. Mehr...

Revolverheld: Generation Rock war gestern
© Benedikt Schnermann

Im „Zimmer mit Blick“ bieten Revolverheld nur eine stark begrenzte Aussicht. Vor dem Fenster hängt einfach zu viel Pathos-Nebel.

Wenn selbst bekannte Schlager-Magazine im Internet groß über das neue Album von Revolverheld berichten, sagt das eigentlich schon viel. Doch mit einer eigenen Textzeile aus dem neuen Song „Du kannst auf mich zählen“ bringt es die Hamburger Band noch besser auf den Punkt: „Und jeder wird zum Hobbyphilosophen“, heißt es da und man fragt sich: Meinen die das selbstironisch?

Gereimte Plattitüden

Ihre Leidenschaft für banale Lebensweisheiten scheinen Sänger Johannes Strate, die Gitarristen Kristoffer Hünecke und Niels Kristian Hansen sowie Schlagzeuger Jakob Sinn für ihr fünftes Studio-Album „Zimmer mit Blick“ zum regelrechten Fetisch weiterentwickelt zu haben. Mit extra viel Pathos suhlen sie sich in gereimten Plattitüden.

Diese feiern das Leben („Immer noch fühlen“), blicken sehnsüchtig zurück („Ich kann nicht aufhören unser Leben zu lieben“) oder hoffnungsvoll nach vorne („Du kannst auf mich zählen“). Selbst vor schmalziger Romantik („Immer geliebt“) und Holzhammer-Melancholie („Unsere Geschichte ist erzählt“) schrecken Revolverheld nicht zurück. In anderen Worten: Alles wie gehabt... nur noch um ein Vielfaches schlimmer. Das fällt beinahe schon in die Kategorie „Parodie auf sich selbst“.

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Doch Strate trägt die Songs wieder in jenem bekannt monoton-nüchternen und absolut ernsten Tonfall vor, der nur zwischen leise und laut unterscheidet. Dieser und auch die vertrauten Akkorde und Melodieverläufe lassen die Songs allesamt sehr ähnlich klingen. Das Album wirkt wie eine einzige, kitschige Nummer, die einfach nicht zu Ende gehen will.

Ein bisschen 80er-Nostalgie

Zumindest ein bisschen Abwechslung bescheren die elektronischen Akzente: Dezente Beats und Synthies sorgen mal für einen Hauch 80er-Nostalgie, mal für zeitgemäße, aber seichte Pop-Momente. Am erträglichsten biedern sich Revolverheld bei den deutschen Formatradios an, wenn rockige Riffs auszumachen sind („Unsichtbar“, „Das Herz schlägt bis zum Hals“). Produzent Philipp Steinke hat aber natürlich auch hier das Bügeleisen ausgepackt und sämtliche interessanten Falten verschwinden lassen.

Revolverheld zelebrierten auf ihrem Debüt anno 2005 noch die „Generation Rock“ mit brachialen Gitarren. 13 Jahre später sind die gealterten Jungs definitiv näher dran an der „Generation Schlager-Pop“ und dürften damit mehr denn je polarisieren.

Mehr Infos zur Band: www.revolverheld.de

Veröffentlichung: 13.04.2018 (Columbia / Sony Music)

  • Rezension zu: Revolverheld: Zimmer mit Blick
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