Lily Allen findet auf „No Shame“ zu ihrem alten Biss zurück – zumindest was die Lyrics angeht. Die elektronische Inszenierung vieler Songs lenkt allerdings in vielen Momenten zu sehr von diesen ab. Erst wenn die britische Sängerin bei den Balladen die Beats weglässt, wird es richtig emotional. Mehr...

Lily Allen singt sich aus der frühen Midlife-Crisis
© Bella Howard

Lily Allen findet auf „No Shame“ zu ihrem alten Biss zurück – zumindest was die Lyrics angeht.

Mit dem überraschend angepassten Pop auf ihrem 2014 veröffentlichten Album „Sheezus“ enttäuschte die Sängerin Lily Allen zuletzt Kritiker und auch viele ihrer Fans. Wie sich nun vier Jahre später herausstellt, war die Künstlerin damals selbst nicht überzeugt von der Scheibe.

In aktuellen Interviews räumt sie ein, Entscheidungen bezüglich des Longplayers abgenickt zu haben, obwohl sich diese so gar nicht richtig angefühlt hatten. Doch zu dieser Zeit beschäftigten Allen zu viele andere Dinge. Heute spricht die 33-Jährige gar von einer frühen Midlife-Crisis, die sie jedoch mit der Arbeit an ihrem neuen Werk „No Shame“ überwinden konnte.

Jetzt wird abgerechnet

Es ist eine einzige Abrechnung geworden – mit anderen, sich selbst, gescheiterten Beziehungen und den vielen Negativ-Schlagzeilen in den vergangenen Jahren. Mit all den vermeintlichen Skandalen um ihre Person und den ganzen Anfeindungen gegen sie im Netz beschäftigt sich Allen gleich im Opener „Come On Then“.

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Dieser gibt die Richtung vor: Es wird auf weiten Strecken sehr elektronisch und beat-lastig. Mit bekannten Produzenten wie Fryars, Mark Ronson und Ezra Koenig entstanden moderne, aber oft mit Effekten überfrachtete Tracks. Vor allem wenn Lilys zwitscherndes Stimmchen mit künstlichem Auto-Tune versehen wird, will das nicht so recht zu den persönlichen, direkten und sehr ehrlichen Lyrics passen („Everything To Feel Something“, „Lost My Mind“).

Ernste Lyrics, heitere Verpackung

Auch eine gute Laune vortäuschende, sommerlich-tanzbare Reggae-Pop-Nummer wie „What You Waiting For?“ widerspricht den eigentlich traurigen Zeilen über eine Trennung. Mit dem nigerianischen Dancehall-Star Burna Boy widmet sich Allen hüftekreisend einer verkorksten Beziehung. Eine Überdosis „Na na na“ gibt es inklusive.

Stimmiger wirkt ihre Kollaboration mit dem Londoner Rapper Giggs bei „Trigger Bang“. Hier singt sie zu einem groovenden Hip-Hop-Beat über ihre Probleme mit Alkohol und Drogen sowie nächtliche Eskapaden. Gemeinsam mit Kollegin Lady Chann geht es später bei „Waste“ zurück auf die Tanzfläche – erneut im sonnigen Reggae-Dancehall-Sound.

Bevor Lily mit „My One“, „Pushing Up Daisies“ und „Cake“ frisch verliebt und mit neu getankten Kräften einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft wirft, fallen inmitten von „No Shame“ zwei bewegende Balladen auf und aus der Reihe.

Balladen fallen aus der Reihe

„Family Man“ erinnert an Christina Aguileras Klassiker „Beautiful“. Wie im pianesken „Three“ sinniert Allen in dem Song über ihre Mutterrolle. Es plagt sie ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre beiden Töchter wegen ihres Jobs oft alleine lassen muss. Hinzu kommt ihre zerbrochene Ehe mit Sam Cooper, dem Vater der Kinder.

Wenn es um Familienangelegenheiten geht, wird es endlich richtig emotional auf „No Shame“. Hier bleibt der ganze elektronische Schnickschnack aus, der einen Großteil des Albums trotz gelungener Lyrics in die Durchschnittlichkeit abgleiten lässt.

Mehr Infos zur Künstlerin: www.lilyallenmusic.com

Veröffentlichung: 08.06.2018 (Parlaphone / Warner Music)

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  • Rezension zu: Lily Allen: No Shame
  • Redaktionswertung:

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