Leslie Clio hatte keine Lust mehr auf Kompromisse und ist jetzt ihre eigene Labelchefin. Eine hervorragende Entscheidung, wie sie mit ihrem neuen Album „Brave New Woman“ beweist.

Leslie Clio gelingt starker Neuanfang auf eigenem Label
© House of Clio / Sarah Köster

Ein Hoch auf die Unabhängigkeit! Als „Brave New Woman“ liefert Leslie Clio ihr bis dato facettenreichstes Album ab.

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Die Künstlerinnen und Künstler einfach mal machen lassen – ganz ohne Vorgaben und Nachbesserungswünsche: Das fällt Plattenfirmen oft schwer. Schließlich denken sie weniger kreativ, sondern vor allem wirtschaftlich, heutzutage noch mehr als früher. Allein mit Tonträgerverkäufen lässt sich eben kaum mehr viel Geld verdienen.

Wenn es nicht gerade um einen internationalen Weltstar geht, sind Budgets knapp bemessen. Gleiches gilt für die Geduld der Entscheider: Was sich nicht rechnet, wird für diese schnell wieder uninteressant. Kurzum: Das Musikgeschäft ist härter denn je und für Acts oft mit vielen Kompromissen verbunden. Mitspielen darf nur, wer bereit ist, diese einzugehen.

Doch es gibt auch einen alternativen Weg, wie es Sängerin und Songwriterin Leslie Clio nun vormacht. Die gebürtige Hamburgerin hat mit House Of Clio ihr eigenes Label gegründet, um ihre musikalischen Visionen künftig in Eigenregie zu verwirklichen. Jetzt hat die 35-Jährige in allen Belangen das letzte Wort.

Neue Freiheit, konsequente Entscheidungen

„Ich wollte einfach selbst entscheiden, welche Songs in welcher Reihenfolge aufs Album kommen, mit wem ich zusammenarbeiten möchte und wie die Songs produziert werden sollen“, erklärt sie den wichtigen Schritt. Für den Neuanfang hat sich Leslie ein komplett weibliches Kernteam für die Bereiche Management, Vermarktung und Promotion ins Boot geholt: „Es ärgert mich, dass Frauen in unserem Business immer noch so unterrepräsentiert sind. Der einzige Weg aus dieser patriarchalischen Sackgasse besteht darin, Frauen einzustellen, simple as that.“

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Clio ist konsequent und weiß genau, was sie will. Genau das hört man ihrem vierten, selbst produzierten Longplayer „Brave New Woman“ auch an. Die Freude über die neu gewonnene künstlerische Freiheit äußert sich in Stücken, die gelöster, unbeschwerter und deutlich verspielter klingen als zuletzt das Songmaterial auf „Purple“.

Eine musikalische Wundertüte

„No one's gonna tell you how to move on – except the girl with a gun“, stellt sie im Opener gleich mal selbstbewusst klar, wer jetzt das Sagen hat. Beats treffen auf Sprechgesang, dazu zieht sich ein übersteuert-verzerrtes „Bambam bi di di“ wie ein roter Faden durch den Song. Doch zwischendurch blitzt da auch eine süße Melodie durch und irgendwo im Hintergrund wird fröhlich geträllert. Das mag beim ersten Hören vielleicht ein bisschen überfordern. Doch die kleine Reizüberflutung versteht sich vielleicht auch als eine Art Preview all der vielen Facetten, die in Clio stecken.

Die großen Überraschungen der 33-minütigen „Brave New Woman“-Wundertüte offenbaren sich aber erst nach dem ebenfalls noch recht elektronischen und tanzbaren Track „Good Trouble“. Wer sich nicht mit der schräg gepfiffenen Hookline anfreunden kann, sollte trotzdem durchhalten. Denn es folgt das wunderbar chansoneske, akustische gehaltene „Comment Allez-Vous“, das mit simpler Melodie und zarten Gitarrenklängen direkt auf einen Kopfkino-Trip nach Paris entführt. Dort liegt definitiv ein Hauch von Nostalgie in der Luft. Der soll auch bei „Feel It In My Bones“ verweilen. Spannend: In der zeitlosen Soul-Popnummer sind sogar dezente Country-Referenzen auszumachen.

„Love Is A Shield“ im frischen Gewand

Für „Tenderly“ kehrt noch einmal kurzzeitig der Dance-Beat zurück, bevor es zu einer richtig gelungenen Coverversion kommt. Den 80er-Klassiker „Love Is A Shield“ der Synthiepop-Formation Camouflage zelebriert Leslie als atmosphärische Klavierballade. Wenn sich zum Songfinale die Streicher dazugesellen, ist das ohne Zweifel einer der emotionalen Höhepunkte des Albums.

Nach dem melancholischen Herzschmerz-Moment braucht es dringend eine Aufmunterung. Auf die gilt es aber zum Glück nicht lange zu warten: Das griffige „Abcdef*ck Off“ legt den Ex mit deutlichen Worten ad acta und bringt den frechen Schalk in Clios markanter Stimme zurück. Der Weg ist wieder frei für eine neue Liebe und im fröhlichen „Millionare“ scheint Amors Pfeil voll ins Schwarze getroffen zu haben.

Eine romantische Liebeserklärung

„Fortune and fame fade away and looks do the same. At the end of the day I would trade anything for the love in your eyes“, findet Leslie beim pianesken „Back To You“ überaus romantische Worte, um ihre großen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Der hymnische Refrain der Ballade hallt noch lange nach. Clio beweist ein tolles Gespür für einfache, aber dennoch packende Melodien – auch bei den zwei finalen Songs des Albums.

Mit dem Titeltrack „Brave New Woman“ feiert die Musikerin noch einmal im bewährten Retro-Soul-Stil ihre erlangte Unabhängigkeit. Beim unerwartet folkigen „To Be Human“ wandert sie gar auf den Spuren einer Joni Mitchell und zeigt, wie vielseitig sie sich als ihre eigene Bossin austoben darf. Chapeau!

Veröffentlichung am 4. Februar 2022 (House Of Clio / Sony Music)

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Quelle: YouTube / Leslie Clio

„Brave New Woman“ zu gewinnen

hitchecker.de verlost einmal die neue Scheibe von Leslie Clio. Um mitzumachen, müsst ihr das untere Formular ausfüllen und abschicken. Der Gewinnspiel-Code lautet: #GS-cliobnw

Wenn ihr in Zukunft keine Gewinnspiele auf hitchecker.de verpassen wollt, folgt uns am besten auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest! Teilnahmeschluss ist der 29. März 2022.

Das Gewinnspiel ist beendet. Aktuelle Gewinnerbekanntgaben und eine Übersicht mit bald endenden Gewinnspielen findet ihr hier.

  • Rezension zu: Leslie Clio: Brave New Woman
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

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