Harte Schale, poppiger Kern: Beyond The Black könnten mit ihren neuen Songs vom Album „Hørizøns“ glatt beim Eurovision Song Contest antreten. Die Symphonic-Metal-Band versteht es bestens, alle Holzhammer-Hit-Register zu ziehen – inklusive hymnischer Refrains und Floskel-Lyrics voller Pathos. Mehr...
Harte Schale, poppiger Kern: Beyond The Black könnten sich mit ihren Songs vom neuen Album „Hørizøns“ glatt um eine Teilnahme beim Eurovision Song Contest bewerben.
Mit ihrem griffigen Symphonic Metal erspielten sich Beyond The Black innerhalb kürzester Zeit ein großes Publikum. Bereits das Debüt „Songs Of Love And Death“ bescherte der Gruppe um Frontfrau Jennifer Haben den kommerziellen Durchbruch – gerade mal ein Jahr nach der Bandgründung 2014. Inzwischen ist mit „Hørizøns“ der nunmehr vierte Longplayer des Quintetts erhältlich. Dieser könnte das Genre nicht massenkompatibler präsentieren.
Die kommerzielle Ausrichtung kommt nicht sonderlich überraschend: Haben nahm im vergangenen Jahr an der populären Vox-Musikreihe „Sing meinen Song“ teil. Die Hits von Beyond The Black erfuhren durch Wincent Weiss, Johannes Oerding, Milow und Alvaro Soler seicht-entlärmte Interpretationen.
Die neue Scheibe setzt genau dort an: Beyond The Black haben diesmal selber astreine Popsongs nach dem Strophe-Refrain-Bridge-Schema geschrieben, die sie allerdings im gewohnt wuchtigen Metal-Gewand servieren. Die eingängigen Melodien machen nahezu jede Nummer singletauglich.
Als besonders hartnäckige Ohrwürmer erweisen sich „Misery“, „Some Kind Of Monster“ und „Human“. Das Mitgrölen ist bereits beim ersten Hördurchgang möglich. Das Holzhammer-Konzept funktioniert mit zunehmender Albumlaufzeit weniger gut, weil sich die Titel in ihrem Aufbau und ihrer Dynamik kaum unterscheiden.
Beyond The Black nehmen von allem gerne ein bisschen mehr. Die mit brachialen Gitarren, mächtigen Synthies und dramatischen Streichern zugekleisterten Arrangements lassen schließlich die Ohren klingeln. Immerhin ein paar reduziertere Strophen und Breaks bieten minimale Verschnaufpausen zwischendurch. Entschleunigt und ruhig gibt sich auch die Ballade „I Won't Surrender“, die wie ein kitschiges Castingshow-Gewinnerlied anmutet.
Abgenutzte Floskeln und Metaphern ziehen sich leider durch das gesamte Songmaterial. Ganz besonders austauschbar sind die Zeilen zu „Out Of The Ashes“ geraten. Dabei handelt es sich quasi um das „Rise Like A Phoenix“ von Beyond The Black.
Inhaltliche Originalität zählt definitiv nicht zu den Stärken der Band. Aber apropos Conchita Wurst: Vielleicht wäre es gar keine so dumme Idee, Beyond The Black beim nächsten Eurovision Song Contest antreten zu lassen. Schließlich verstehen es Jennifer, Bassist Stefan Herkenhoff, Drummer Kai Tschierschky und die beiden Gitarristen Chris Hermsdörfer und Tobias Lodes bestens, innerhalb von drei Minuten ordentlich Stimmung zu machen – mit lautstarkem Sound, treffsicheren Refrains und ganz viel Guilty-Pleasure-Pathos. Das sind beste Voraussetzungen, um beim Musikwettbewerb zu punkten.
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Hinzu kommt die beeindruckende Stimmgewalt Habens. Selbst in den überladensten Momenten geht die 24-jährige Sängerin nicht unter. Für das opulent rockende „Wounded Healer“ hat sie sich mit ihrer schwedischen Kollegin Elize Ryd von der Formation Amaranthe dennoch Verstärkung ans Mikro geholt. Das Duett gehört neben dem elektronisch stampfenden „Golden Pariahs“ noch zu den solideren Tracks der Scheibe.
Mehr Infos zur Band: beyond-the-black.com
Veröffentlichung am 19. Juni 2020 (We Love Music / Universal Music)
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