Agnes Obel hat sich in den vergangenen zwei Jahren über längere Zeiträume in ihrem Heimstudio in Berlin verschanzt. Die dänische Sängerin und Songwriterin braucht die Isolation und den Tunnelblick, um kreativ zu sein. Ihr neues Album „Myopia“ setzt auf Atmosphäre und Soundexperimente. Mehr...

Musikalischer Tauchgang mit Agnes Obel
© Deutsche Grammophon

Atmosphäre und Kopfkino heißen die Stärken von Agnes Obel. Mit ihren Klangexperimenten auf „Myopia“ verzettelt sich die Dänin aber auch ein bisschen.

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Agnes Obel hat sich in den vergangenen zwei Jahren über längere Zeiträume in ihrem Heimstudio in Berlin verschanzt. Die dänische Sängerin und Songwriterin braucht die Isolation und den Tunnelblick, um kreativ zu sein.

Der Titel ihres nunmehr vierten Albums spielt genau auf diesen Rückzug in eine eigene, ganz intime Blase an: „Myopia“, also Kurzsichtigkeit, steht für Obel in Verbindung mit einer geistigen Verfassung, in der sie gefangen ist. Der eingegrenzte Überblick machen die Dinge, die sie noch sehen kann, zu einem intensiveren Erlebnis.

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Genau dieses braucht die 39-Jährige, um ihre Geschichten zu erzählen. Die Kurzsichtigkeit verschärft ihre Wahrnehmung fürs Wesentliche. Sie birgt aber gleichzeitig auch die Gefahr, sich in der eingeschränkten Sicht zu verlieren. Als entsprechend unsicher und auch unheimlich offenbart sich die musikalische Welt, in der Obel ihr Publikum entführt.

Entfremdet und verzerrt

Es ist sicher keine, zu der jeder einen Zugang findet. Obel polarisiert mit ihrer Introvertiertheit. Die breite Masse schreckt sie damit ab: Für diese geht sie keinen Kompromiss ein, etwa in Form einer griffigen, kommerziellen Single. „Myopia“ ist durch und durch ein eigenwilliges Kunstwerk, mit dem sich die Musikerin zum Ausdruck bringt.

Solch ein Album muss man allein und vielleicht unter der Bettdecke hören, um in die einsamen Gedanken und in das atmosphärische Sounduniversum der Schöpferin eintauchen zu können. Diesmal experimentiert Obel mit Verzerrungen und Variationen der Tonhöhe: Fast schon exzessiv bearbeitet sie ihren Gesang, aber auch Instrumente wie Streicher, Klavier, Mellotron und Celesta. Das verleiht den meisten Songs eine unheimliche, fast schon gespenstische Stimmung.

Wie ein hoffnungsvoller Lichtschimmer erheben sich subtile Melodien aus bedrohlich-dunklen Songkonstrukten. Das wäre der perfekte Soundtrack für einen Horrorfilm oder ein düsteres Drama! Obel beweist sich als Meisterin darin, ein Kribbeln im Bauch auszulösen, das man nicht so richtig einzuordnen weiß. Einerseits wühlt es auf, andererseits fühlt es sich auch verlockend an.

Obel, die Kopfkino-Expertin

Ähnlich verhält es sich mit den Bildern im Kopf, die entstehen, wenn die Künstlerin vom Auseinanderfallen („Can't Be“), von Schlaflosigkeit („Broken Sleep“), Schockstarre („Camera's Rolling“) oder tröstenden Erinnerungen an einen verlorenen Menschen („Island Of Doom“) singt. Es ist ein Hin und Her zwischen Faszination und Albtraum. Oftmals braucht es viel Konzentration, um die Songtexte auch wirklich im Detail zu verstehen. Die vielen Effekte und überlagerten Soundflächen verschlucken die poetischen Zeilen.

Obels Hang zum Entfremden von Gesang und Instrumenten strengt von Song zu Song ein bisschen mehr an. Tatsächlich verliert sich die Skandinavierin an dieser Stelle zu sehr in ihrer eigenen, surrealen Welt. Vielleicht gerade weil eine Komponente wegfällt, wissen die fokussierteren Instrumentalstücke auf „Myopia“ besonders in ihren Bann zu ziehen („Parliament Of Owls“, „Roscian“, „Drosera“).

Es stellt stets eine große Herausforderung für Agnes Obel dar, ihre in sich gekehrte Musik live auf die Bühne zu bringen. Sie muss mit ihren intimen Songs die Konzertbesucher erreichen und packen. Dies scheint ihr allerdings hervorragend zu gelingen: Viele Termine ihrer aktuellen Europa-TourAnzeige sind bereits ausverkauft.

Mehr Infos zur Künstlerin: www.agnesobel.com

Veröffentlichung am 21.02.2020 (Deutsche Grammophon / Universal Music)

„Myopia“ zu gewinnen

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Wenn ihr auch in Zukunft keine Gewinnspiele auf hitchecker.de verpassen wollt, folgt uns am besten auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest! Teilnahmeschluss ist der 8. April 2020.

Hinweis: Nach dem erfolgreichen Versand des Gewinnspielformulars erfolgt eine Empfehlung für einen anderen redaktionellen Beitrag.

Das Gewinnspiel ist beendet. Gewonnen hat Anna M. aus Villingen-Schwenningen.

  • Rezension zu: Agnes Obel: Myopia
  • Redaktionswertung:

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