Der vermeintliche Virenthriller „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ entpuppt sich als Mogelpackung. In der Serie geht es nur am Rande um eine drohende Pandemie. Die deutsch-finnische Koproduktion hält sich viel zu sehr mit den persönlichen Dramen der Protagonisten auf. Mehr...

Arctic Circle: Virenalarm in Lappland
© Yellow Film & TV

Der vermeintliche Virenthriller „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ entpuppt sich als Mogelpackung. In der Serie geht es nur am Rande um eine drohende Pandemie.

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Vielleicht ist es nicht sonderlich ratsam, sich momentan eine Serie über ein tödliches Virus anzusehen. Doch trotz der aktuellen Corona-Krise hat das ZDF in den letzten Wochen die deutsch-finnische Koproduktion „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ am späten Sonntagabend ausgestrahlt.

Der Mainzer Sender, der für den Krimi mit dem finnischen Streaming-Dienst Elisa Viihde zusammenarbeitete, zeigte zu TV-Filmen zusammengeschnittene Doppelfolgen. Auf DVD wurden nun die zehn Einzelepisoden veröffentlicht, die auch noch in der ZDFmediathek zum Abruf bereitstehen.

Morde an russischen Prostituierten

Es macht auf jeden Fall Sinn, „Ivalo“, so der finnische Originaltitel, in kleinen TV-Happen zu konsumieren. Der zähe „Nordic Noir“-Versuch erfordert nämlich viel Durchhaltevermögen. Dabei klingt die Prämisse gar nicht mal so unspannend:

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Die Polizistin Nina Kautsalo (Iina Kuustonen) und ihr Kollege Niilo Aikio (Janne Kataja) entdecken bei einem Einsatz eine bewusstlose Frau, die gefangen gehalten wurde. Noch in derselben Nacht stoßen sie auf zwei im Schnee verscharrte Leichen. Es handelt sich bei den Opfern um russische Prostituierte.

Eine Bedrohung für die ganze Welt

Diese tragen einen unbekannten Erreger in sich, weshalb der deutsche Virologe Dr. Thomas Lorenz (Maximilian Brückner) vom ECDC-Institut in Helsinki zum Fall hinzugezogen wird. Er stellt den heimtückischen Jemen-Virus fest, der via Herpes übertragen wird und zu Fehlgeburten, Missbildungen sowie zum Tod von Mutter und Kind führt. Schnell warnt der Experte vor einer drohenden Pandemie.

Doch seine deutlichen Worte stoßen bei den zwei Beamten der finnischen Polizeibehörde KRP, die ins abgelegene Städtchen Ivalo entsandt wurden, auf taube Ohren. Gemeinsam mit Nina soll sich Lorenz möglichst diskret auf die Suche nach Patient Null machen, der für die Entwicklung eines Gegenmittels gebraucht wird.

Bei ihren Nachforschungen kommen die beiden ungeahnten kriminellen Machenschaften auf die Spur. Am Ende müssen sie sich gar mit dem zwielichtigen Pharmaunternehmer Marcus Eiben (Clemens Schick) einlassen, um Leben zu retten. Vor allem Nina ist persönlich betroffen: Ihre Schwester Marita (Pihla Viitala) und auch ihre kleine Tochter Venla (Venla Ronkainen) sind bereits infiziert.

Die obligatorische Romanze

Doch nicht täuschen lassen: „Arctic Circle“ dreht sich nur vordergründig um die Bedrohung durch ein tödliches Virus. Die meiste Zeit geht es mit den Protagonisten auf Fahrten durch unendliche Schneelandschaften. Die Naturaufnahmen haben ohne Frage das Prädikat „atmosphärisch“ verdient. Doch über sieben Stunden im finnischen Nirgendwo werden zur Geduldsprobe, wenn die Geschichte einfach nicht vorankommen will.

Die obligatorische und absehbare Romanze zwischen der Polizistin und dem Virologen erweist sich noch als das geringste Problem. Seichte Nebenhandlungen wie Thomas' Eheprobleme und der Sorgerechtsstreit um seine Tochter dienen nur dem einen Zweck: Der Showdown soll möglichst lange hinausgezögert werden.

Natürlich hat auch Nina neben den Ermittlungen mit allerhand persönlichen Dramen zu kämpfen: Sie muss um ihre Schwester, ihr behindertes Kind und ihre krebskranke Mutter bangen. Das Dilemma: Ihren Lieben kann sie kaum beistehen. Die ganze Zeit ist sie damit beschäftigt, stereotypen Bösewichten hinterherzujagen, mit Thomas zu turteln oder sich mit ihrem Ex herumzuärgern.

Option für eine zweite Staffel

Die rebellische Marita nimmt das Leben dagegen leichter und lässt sich trotz Virusinfektion den Spaß nicht verderben: Ihre etliche Seiten lange Liste mit Sex-Partnern der letzten Jahre wird damit noch länger. Ist jetzt also die ganze Menschheit dem Untergang geweiht?

Aber nicht doch: Die meisten Leichen kommen in „Arctic Circle“ durch klassischen Mord oder Schusswechsel zustande. Die vielfach beschworene Pandemie bleibt aus. Die Sache mit dem Virus fungiert also nur als Aufhänger für eine in die Länge gezogene Krimi-Soap. Immerhin lässt sich diese ein Hintertürchen offen, um in einer potenziellen Staffel 2 vielleicht doch noch eine weitreichende Ausbreitung zu thematisieren.

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Quelle: YouTube / KrimiKollegen

Die Frage ist nur: Wer will das nach diesem zähen Auftakt noch sehen? Selbst das Personal macht keine Lust auf eine Fortsetzung: Maximilian Brückner und Clemens Schick fallen mit ihrem theatralischen Spiel gegenüber den finnischen Darstellern deutlich ab. Doch selbst Hauptdarstellerin Iina Kuustonen kann die Serie als taffe, aber sonst blasse Polizistin nicht tragen.

Die dünne Story und die eindimensionalen Figuren von „Arctic Circle“ hätten locker auch in einem 80-minütigen Film Platz gefunden. Aufgebläht als Serie ermüdet beides extrem. Fazit: Es gibt definitiv bessere TV-Produktionen, um sich daheim vom Corona-Albtraum abzulenken!

„Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“: Veröffentlichung am 20.03.2020 auf DVD (Edel Germany GmbH)

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  • Rezension zu: Arctic Circle – Der unsichtbare Tod / Staffel 1
  • Redaktionswertung:

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