Den US-Kassenerfolg "I, Tonya" von Regisseur Craig Gillespie gibt es neu fürs Heimkino. "Mockumentary"-Fans, die es gerne bissig mögen, dürften bei dem etwas anderen Biopic voll auf ihre Kosten kommen. Nicht immer wird der Film seinen ernsten Themen gerecht, weiß aber dennoch zu unterhalten. Mehr...

I, Tonya: Rehabilitation der bösen Eishexe
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Den US-Kassenerfolg "I, Tonya" gibt es neu fürs Heimkino. "Mockumentary"-Fans, die es gerne bissig mögen, dürften bei dem etwas anderen Biopic voll auf ihre Kosten kommen.

Ein Sportskandal erschütterte das Jahr 1994 und ist bis heute in Erinnerung geblieben: Die US-amerikanische Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan wurde Opfer eines Anschlags, der von keinem Geringeren als dem Ehemann ihrer Konkurrentin Tonya Harding in Auftrag gegeben wurde.

Der Vorfall bestimmt monatelange die internationale Presse. Harding wurde von den Medien als böse Eishexe abgestempelt, Kerrigan schließlich als Star gefeiert: Da sie lediglich leicht verletzt wurde, konnte sie nur sieben Wochen nach dem Angriff bei den Olympischen Spielen in Lillehammer antreten und gewann dort Silber.

Eine Frage der Perspektive

Doch eine Medaille hat immer zwei Seiten, genau wie eine Geschichte: Das satirisch inszenierte Biopic "I, Tonya" zeigt sich völlig desinteressiert an der gefeierten Eisprinzessin Kerrigan und nimmt sich der unbeliebten Außenseiterin Harding an. Drehbuchautor Steven Rogers schafft es, diese ebenfalls zum Opfer zu machen, in dem er das soziale Umfeld der ehemaligen Leistungssportlerin beleuchtet.

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Harding (Margot Robbie) wächst in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer alleinerziehenden Mutter (Allison Janney) auf. Diese zerrt sie schon in ganz jungen Jahren aufs Eis, striezt sie kaltherzig zum Erfolg. Statt Lob steckt Tonya Schläge ein und schafft es später zunächst nie, die Wertungsrichter vollends zu überzeugen – trotz herausragender Leistungen. Harding fehlt es einfach an Eleganz. Mit ihren eigenwillig-schrägen Outfits, ihrer Musikauswahl und aufgrund ihrer Herkunft entspricht die Rebellin nicht den Vorstellungen einer Vorzeige-Eiskunstläuferin.

Ein Opfer häuslicher Gewalt

Als sich die junge Frau von ihrer Rabenmutter emanzipieren kann, gerät sie vom Regen in die Traufe: Ihr Mann Jeff Gillooly (Sebsatian Stan) erhebt schon kurz nach der Hochzeit ebenfalls die Hand gegen sie. Zwar lernt Tonya, sich immer mehr zur Wehr zu setzen. Doch ihre chaotische Achterbahn-Beziehung raubt ihr die Kraft und Konzentration, die sie eigentlich für den Sport braucht. Am Ende wird sie ihr zum Verhängnis.

In diesem Stoff liegt viel Drama und Tragik. Doch "I, Tonya" präsentiert sich als augenzwinkernde "Mockumentary". Die Handlung wird immer wieder von Interview-Situationen unterbrochen, in der die Figuren die Geschehnisse rückblickend aus ihrer Sicht kommentieren.

Auch in den regulären Szenen richtet sich die Protagonistin immer wieder direkt ans Publikum. So erhält der Film von Regisseur Craig Gillespie einen zynisch-komödiantischen Charakter, der ohne Frage einen großen Unterhaltungswert besitzt.

Oscar für Allison Janney

Angesichts der ernsten Themen ist das Stilmittel aber auch ein heikler Drahtseilakt: In vielen Momenten werden diese zu lapidar und oberflächlich behandelt. Die gewalttätigen Episoden zwischen Tonya und Jeff verkommen mit zunehmender Laufzeit gar zur Farce.

Doch die nie so richtig eindeutigen Schuldzuweisungen und der anfängliche Hinweis auf „widersprüchliche Interviews“, die dem Drehbuch zugrunde liegen, stellen wohl auch eine rechtliche Absicherung dar. Bekanntlich wird in den USA gerne mal geklagt.

Viele der Figuren in "I, Tonya" wirken schrecklich überzeichnet, allen voran LaVona Golden. Die Interviews mit Hardings leibhaftiger Mutter, die überall im Netz zu finden sind, beweisen allerdings, wie gut Allison Janney das Original trifft. Völlig zu Recht hat die 58-jährige Schauspielerin einen Oscar für ihre Rolle eingeheimst.

Nur eine Version der Wahrheit

Auch Hauptdarstellerin Margot Robbie war für die begehrte Auszeichnung nominiert, ging bei der Verleihung dann aber leer aus. Dabei ist es ihr meisterhaft und überaus glaubwürdig gelungen, aus einer einst verhassten Sportlerin eine coole Titelheldin zum Mitfiebern zu machen.

Die echte Tonya Harding bestreitet bis heute, im Vorfeld nichts Konkretes von den Anschlagplänen ihres Mannes und seinen Handlangern gewusst zu haben. Sollte dem doch nicht so sein, hätte der Streifen natürlich einen besonders üblen Beigeschmack. Die ganze Wahrheit über den Skandal von damals wird aber wohl nie ans Licht kommen.

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  • Rezension zu: I, Tonya
  • Redaktionswertung:

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