Regisseur Gus Van Sant hat sich der Geschichte des US-Karikaturisten John Callahan angenommen. Als Vorlage für "Don't worry, weglaufen geht nicht" dienten die gleichnamige Autobiografie des 2010 verstorbenen Künstlers sowie das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker. Mehr...

Eine zähe Therapiesitzung mit ernüchterndem Fazit
© Scott Patrick Green / 2018 Amazon Content Services LLC.

Das Biopic "Don't worry, weglaufen geht nicht" macht es sich als Quasi-Werbefilm für das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker etwas zu einfach.

Regisseur Gus Van Sant ("Good Will Hunting", "My Private Idaho") hat sich der Geschichte des Karikaturisten John Callahan angenommen. Als Vorlage für "Don't worry, weglaufen geht nicht" diente die gleichnamige Autobiografie des 2010 im Alter von 59 Jahren verstorbenen Künstlers.

Diese birgt gleich mehrfaches Drama-Potenzial: Callahan (Joaquin Phoenix) gerät schon in frühen Jugendtagen in die Alkoholabhängigkeit, nachdem ihn seine Mutter als Kind verlassen hat. Mit 21 Jahren wird er bei einer Sauftour Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Sein anschließendes Leben im Rollstuhl hindert ihn aber nicht daran, zunächst unbeirrt weiter zu trinken.

Alles wendet sich zum Guten

Die Wende kommt, als sich John der Therapiegruppe um Sponsor und Guru Donnie (Jonah Hill) anschließt. Dort arbeitet er sich durch die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker. Während dieser Zeit entdeckt er trotz eingeschränkter Bewegungsfähigkeit seine Leidenschaft fürs Zeichnen.

Mit seinen provokativen, politisch wenig korrekten, aber auch stark selbstironischen Cartoons kämpft sich Callahan aus seiner Sucht und Verzweiflung in ein neues Leben. Schließlich stellt sich auch der kommerzielle Erfolg seiner Werke ein.

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Diesen positiven Ausgang nimmt Gus Van Sant mit einem kleinen Vorausblick gleich zu Beginn seines Films vorweg. Im Anschluss springt er immer wieder zwischen unterschiedlichen Lebensabschnitten seines Protagonisten hin und her. Das irritiert durchaus, weil sowohl der junge als auch der alte Callahan von Joaquin Phoenix gespielt wird. Dieser wirkt dabei, von den wechselnden Perücken abgesehen, optisch unverändert und gleich alt.

Beth Ditto und Udo Kier als Stichwortgeber

Durch die ständigen Zeitsprünge kommt zwar etwas Tempo ins insgesamt ereignisarme Geschehen. Allerdings wirkt der Film so auch wie ein überlanger Trailer, der sich eine Handvoll plakativer Szenen herauspickt, aneinanderreiht und nur an der Oberfläche kratzt.

Die plötzliche Motivation Johns, dem Trinken abzuschwören, bleibt für das Kinopublikum genauso ein Rätsel wie all die prominent besetzten Nebenfiguren: Beth Ditto und Udo Kier spielen etwa grob gezeichnete Charakterköpfe im Alkoholiker-Sitzkreis, die lediglich als Stichwortgeber fungieren.

Ein Jonah Hill im Jesus-Look verbreitet als Donnie esoterische Weisheiten und betet gleichzeitig die Regeln der Anonymen Alkoholiker floskelmäßig herunter. Rooney Mara übernimmt als Johns Angebetete die Rolle des bezaubernden, aber völlig profillosen Engels.

One-Man-Show für Joaquin Phoenix

Der Fokus liegt klar auf Joaquin Phoenix, der die Selbstironie und den Sarkasmus des echten John Callahan gut umsetzen kann. Beides spiegelt sich auch in der Einbindung zahlreicher Karikaturen wider, die zum Teil nachgestellt und auch animiert wurden. Sie halten die Episoden aus dem Leben des außergewöhnlichen Zeichners zusammen, dienen Gus Van Sant als roter Faden.

Ein wirklich runde Sache ist "Don't worry, weglaufen geht nicht" dennoch nicht geworden. Nach knapp zwei Stunden Laufzeit fühlt man sich wie nach einer skurril-zähen Therapiestunde mit dem ernüchternden Fazit "Wenn du nur fest an dich glaubst und auch bereit dazu bist, Hilfe anzunehmen, kannst du alles schaffen!".

Mehr Infos zum Film: www.dontworry-derfilm.de

"Don't worry, weglaufen geht nicht" startet am 16. August 2018 im Verleih der NFP marketing und distribution bundesweit in den deutschen Kinos.

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  • Rezension zu: Don't worry, weglaufen geht nicht
  • Redaktionswertung:

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