Im Kinofilm „Die Anfängerin“ wagt sich Ulrike Krumbiegel als verbitterte Endfünfzigerin aufs Eis, um gegen ihre kaltherzige Mutter zu rebellieren. Ein Leben lang hat die Ärztin erfolglos versucht, es dieser recht zu machen. hitchecker.de verlost Freitickets für die sehenswerte Tragikomödie. Mehr...

Die Anfängerin: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang
© Farbfilm Verleih

Im Kinofilm „Die Anfängerin“ wagt sich Ulrike Krumbiegel als verbitterte Endfünfzigerin aufs Eis, um gegen ihre kaltherzige Mutter zu rebellieren.

Gegenüber seinen Eltern bleibt ein Kind immer Kind, auch als Erwachsener. Das funktioniert gut, vorausgesetzt man hat es geschafft hat, sich während der Pubertät oder als junger Erwachsener zu emanzipieren und schließlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Ärztin Annebärbel Buschhaus (Ulrike Krumbiegel) versucht dagegen mit Ende 50 noch, es ihrer herrischen Mutter Irene (Annekathrin Bürger) recht zu machen. Das erweist sich allerdings als ein Ding der Unmöglichkeit: Die Alte kritisiert ihre Tochter in allem, was diese tut, und bevormundet sie wie ein Zehnjährige. Dem geliebten Schwiegersohn Rolf (Rainer Bock) sei sie keine gute Ehefrau. Als Ärztin fehle es Annebärbel an Kompetenz. Die Liste an Vorwürfen ist unendlich.

Ein Leben lang nur negatives Feedback

Wer ein Leben lang nur negatives Feedback einsteckt, wird früher oder später selbst zu einem verbitterten, weniger umgänglichen Menschen. In der Praxis, die sie von ihrer Mutter übernommen hat, begegnet Annebärbel ihren Patienten schroff und unfreundlich. Es ist ihr völlig fremd, Mitgefühl zu zeigen. Auch daheim herrscht emotionale Eiszeit. Lediglich ihrem kleinen Hund schenkt Annebärbel noch Streicheleinheiten. Ihr Mann, der in sicherer Entfernung im Sessel fernsieht, bekommt nur giftige Bemerkungen an den Kopf geworfen.

Als Rolf genug hat und sie ausgerechnet kurz vor Weihnachten verlässt, erwacht Annebärbel endlich aus ihrer Lethargie. Sie erinnert sich an ihren Kindheitstraum, auf dem Eis zu stehen, und schließt sich einer Gruppe von älteren Hobbyeisläufern an. Die munteren Mittfünfziger und Senioren drehen ihre Runden in der Eishalle des Olympiastützpunktes Berlin.

Ein Mädchen unter Druck

Bei den Erwachsenen eckt Annebärbel mit ihrer mürrischen, unnahbaren Art zunächst an. Viel leichter fällt es ihr, mit der jungen Joline (Maria Rogozina) Freundschaft zu schließen. Mit ihr kann sie sich viel besser identifizieren: Das Mädchen leidet unter den hohen Erwartungen ihres alleinerziehenden Vaters und ihrer strengen Trainerin, die sie als neue Jugendmeisterin sehen wollen.

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Bei gemeinsamen Unternehmungen taut Annebärbel auf und kann endlich wieder lachen. Doch ihr wird auch schmerzlich vor Augen geführt, die Chance auf eigene Kinder verpasst zu haben. Diese Erkenntnis lässt sie nur noch ehrgeiziger daran arbeiten, eine gute Figur auf den Schlittschuhen zu machen.

Mehr und mehr öffnet sie sich den anderen in der Gruppe. Gleichzeitig beginnt sie, wie ein Teenager gegen ihre Mutter zu rebellieren. Das nimmt diese zum Anlass, kurzerhand wieder die Zügel in der Praxis an sich zu reißen. Doch trotz Irenes Widerstandes ist der überfällige Umbruch in der verkorksten Mutter-Tochter-Beziehung nicht mehr aufzuhalten.

Paraderolle für Ulrike Krumbiegel

Ganz bewusst fokussiert sich Regisseurin und Drehbuchautorin Alexandra Sell auf die Emanzipation ihrer Protagonistin. Die Entwicklung ist absehbar, aber dennoch überaus unterhaltsam. Das liegt vor allem an Ulrike Krumbiegel in der Hauptrolle. Sie greift den feinen, unterschwelligen Humor des Drehbuchs auf, spielt stets mit einem gewissen Augenzwinkern. Doch auch in den ernsten, verzweifelten Momenten der Geschichte berührt sie mit authentischen Emotionen.

DEFA-Star Annekathrin Bürger macht als mütterliche Beißzange ebenfalls eine gute Figur. Ihr Charakter ist allerdings stark überzeichnet. Warum Annebärbel nie Anerkennung von ihrer Mutter erfahren durfte, bleibt zudem völlig unklar. Rückblicke zeigen nur, dass Irene ihr Kind schon immer penetrant getadelt und zurechtgewiesen hat.

Ein bewährter Dramaturgie-Kniff

Dem Eiskunstlauf kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Da Annebärbel als kleines Kind auf dem Eis versagte, nahm ihr Irene die Schlittschuhe schnell wieder weg. Wo diese stattdessen gelandet sind, verrät der Film erst auf der Schlussgeraden und sorgt dabei für ein Wiedersehen mit einer bekannten DDR-Sportlerin. Auch sonst setzt „Die Anfängerin“ auf viel ostdeutschen Charme. Annebärbels Haus, Irenes Wohnung und die Praxis wirken wie Kulissen aus einer anderen Zeit.

Sie verdeutlichen nur noch mehr den Prozess des Entstaubens und des Neuanfangs für die Titelheldin: Sie lernt in einem neuen Lebensabschnitt loszulassen, nach vorne zu schauen und sich neue Ziele zu setzen. Der kleine Dämpfer vor dem endgültigen Befreiungsschlag überrascht als obligatorischer Dramaturgie-Kniff zwar nicht. Doch auch wenn Sells Tragikomödie bewährten Strickmustern folgt, gefällt ihre ermutigende Botschaft: Es ist nie zu spät für Veränderungen und für das Überwinden von lange angesammeltem Seelenballast.

„Die Anfängerin“ startet am 18. Januar 2018 im Farbfilm Verleih bundesweit in den deutschen Kinos.

Mehr Infos zum Film: www.dieanfaengerin.de

Freikarten für „Die Anfängerin“ zu gewinnen

hitchecker.de verlost zweimal zwei Freikarten für eine Kinovorstellung von „Die Anfängerin“. Wenn ihr beim Gewinnspiel teilnehmen wollt, müsst ihr die untere Frage beantworten und eine gültige E-Mail-Adresse angeben. Teilnahmeschluss ist der 23. Januar 2018. Viel Glück!

Hinweis: Nach dem erfolgreichen Versand des Gewinnspielformulars erfolgt eine Empfehlung für einen anderen redaktionellen Beitrag.

Das Gewinnspiel wurde inzwischen beendet. Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner Doreen R. aus Siemerode und Reinhard P. aus Gladenbach!

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  • Rezension zu: Die Anfängerin
  • Redaktionswertung:

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