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Ein Richter findet zu Gott und sieht rot

Ein Richter findet zu Gott und sieht rot © Karen Ballard / Amazon.com Inc.

In "Hand Of God" leidet Hollywood-Koloss Ron Perlman als traumatisierter Richter unter göttlichen Visionen. Trotz abstruser Geschichte packt die Amazon-Serie wegen ihrer hervorragenden Besetzung.

Nach dem Selbstmordversuch seines Sohnes PJ (Johnny Ferro) scheint der einflussreiche Richter Pernell Harris (Ron Perlman) allmählich den Verstand zu verlieren: Zuerst steht er nackt im Brunnen und faselt Unverständliches. Dann hört er den im Koma liegenden PJ zu ihm sprechen, der ein offenes Versprechen einfordert. Harris hatte zugesichert, den Vergewaltiger seiner Schwiegertochter Jocelyn (Alona Tal) ausfindig zu machen und hinter Gitter zu bringen. Die schreckliche Tat ist auch der Grund, weshalb sich PJ mit einem Kopfschuss das Leben nehmen wollte: Er musste alles hilflos mitansehen.

Dunkle Visionen geben Harris Hinweise auf den Täter. Kommen diese etwa von Gott, der ihm den richtigen Weg zeigen will? Der gläubige Ex-Knacki KD (Garret Dillahunt) hält Harris jedenfalls für einen Propheten und bietet sich als Handlanger für den Rachefeldzug gegen den Unbekannten an. Pernells Wahn wird auch genährt durch den schlitzohrigen Paul (Julian Morris). Zusammen mit seiner attraktiven Freundin Alicia (Elizabeth McLaughlin) lockt der junge Reverend mit Vorliebe reiches Klientel in seine neu gegründete "Hand Of God"-Kirche.

Zwischen Glauben und Wahn

Nach seiner Taufe war auch Pernell zu einer großzügigen Taufe bereit und will als frommer Mann nun sogar auf die Schäferstündchen mit der Edel-Prostitutierten Tessie (Emayatzy Corinealdi) verzichten. Als Gesprächspartnerin will er diese allerdings nicht missen, denn bei Ehefrau Crystal (Dana Delany) stößt er zunehmend auf Unverständnis. Die kontrollsüchtige Intrigantin jubelt ihm sogar heimlich Medikamente unter, um seine vermeintlichen Wahnvorstellungen zu unterdrücken.

Doch es wäre absolut schlechtes Timing, wenn Pernell ausgerechnet jetzt ausfallen würde und gar in die Psychiatrie müsste: Gemeinsam mit dem befreundeten Bürgermeister Robert "Bobo" Boston (Andre Royo) muss er als entscheidender Strippenzieher in einem dubiosen Immobiliengeschäft fungieren. Ohne Harris an Bord droht ein wichtiger Investor abzuspringen.

Schicksalsschläge, biblische Symbolik und korrupte Machenschaften - dieser abstruse Mix wirkt zunächst etwas unausgegoren. Tatsächlich braucht man als Zuschauer zwei, drei Folgen, um sich auf die ungewöhnliche Geschichte und die vielschichtigen Charaktere von "Hand Of God" einzulassen. Erst im Laufe der zehnteiligen ersten Staffel verknüpft die Amazon-Produktion die Handlungsstränge. Es wird klar, dass deutlich mehr hinter Jocelyns Vergewaltigung und PJs Suizidversuch stecken muss als zunächst angenommen.

Spiel mit dem Ungewissen

Ein großes Fragezeichen bleibt dagegen ganz bewusst hinter Pernells Aussetzer stehen: Kommen seine Visionen wirklich von Gott oder halluziniert er alles nur, weil er durch den Verlust seines Sohnes hochtraumatisiert ist? Plagt ihn etwa ein schlechtes Gewissen, weil er PJ gerade zuletzt mit seinen Problemen hängen gelassen hat? Weiß er etwa mehr über die schlimmen Geschehnisse und hat die Erinnerungen daran nur aus Schuldgefühlen verdrängt?

Eindeutige Antworten liefert Drehbuchautor Ben Watkins ("Burn Notice") den Zuschauern auch im Staffelfinale nicht. Doch gerade aus dieser Ungewissheit schöpft die Serie ihre Spannung. Zumindest bislang verliert sie sich noch nicht in ihren Mysterien und Geheimnissen wie etwa "Lost" im Laufe der Jahre.

"Hand Of God" lässt sich Zeit damit, bewusst gesetzte Handlungslücken zu schließen. Zwischen neuen Erkenntnissen und kleineren Twists werden die facettenreichen Charaktere detailliert ausgearbeitet - allen voran natürlich Protagonist Parnell Harris. B-Movie-Star Ron Perlman darf hier endlich mal mehr zeigen und wird nicht auf seine sonst obligatorische Nebenrolle als schlagfertiger Bösewicht beschränkt. Zwischen Verzweiflung, Wahn und Rachegelüsten bekommt er dennoch reichlich Gelegenheit für pointierte Einzeiler.

Perfekt besetzt bis in die Nebenrollen

Überhaupt gelingt der Serie trotz der vorwiegend ernsten Thematik und der düsteren Inszenierung durch Regisseure wie Marc Forster ("World War Z") und Brad Anderson ("The Killing") etwas sehr Schwieriges: Sie amüsiert mit wohl dosierten Portionen Humor, Ironie und Sarkasmus. Besonders vergnüglich sind die gemeinsamen Szenen mit "Desperate Housewives"-Star Dana Delany und Erykah Badu. Die begnadete R'n'B-Sängerin beweist als Crystals clevere Drogen-Dealerin und Freundin auch großes schauspielerisches Talent.

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Der abstruse Story- und Genre-Mix von "Hand Of God" funktioniert so gut, gerade weil die Casting-Verantwortlichen bis in die Nebenrollen alles goldrichtig gemacht haben: Garrett Dillahunt ("Raising Hope"), Julian Morris ("Once Upon A Time") und Andre Royo ("The Wire") erweisen sich als fähiges und ausdrucksstarkes Personal, das sich auch neben dem allein körperlich omnipräsenten Hollywood-Koloss Ron Perlman zu behaupten weiß.

Es bleibt zu hoffen, dass diese bewährte Besetzung auch wieder in der zweiten Staffel mit von der Partie ist. Amazon hat weitere zehn Episoden bestellt, die noch im Laufe des Jahres für Prime-Abonnenten des Online-Riesen zum Abruf bereitstehen sollen.

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"Hand of God - Staffel 1" ist im Amazon Prime Abo enthalten.

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  • Rezension zu:
    Hand Of God: Staffel 1
  • Redaktionswertung:
    Redaktionswertung
Leserwertung:
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