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Der ''Preacher'' und das Ding aus dem All

Der ''Preacher'' und das Ding aus dem All © 2016 Sony Pictures Television Inc. and AMC Film Holdings LLC

hitchecker.de hat in "Preacher" reingeschaut. Die Begeisterung von Comic-Fans für die neue AMC-Serie konnten wir nicht teilen.

Die Comic-Reihe "Preacher" von Garth Ennis und Steve Dillon aus den 1990ern galt lange als unverfilmbar. Eine Überdosis Religionskritik und Gewalt sowie fehlende Political Correctness öffnen die Türen der Produktionsstudios im konservativen Amerika nicht gerade mit links. Diverse Versuche, "Preacher" ins Kino oder Fernsehen zu bringen, scheiterten im Laufe der Jahre.

Der US-Kabelsender AMC ("The Walking Dead") hat sich nun aber getraut, die zehnteilige erste Staffel einer "Preacher"-Serie umzusetzen. Hollywood-Mime Seth Rogen, der kanadische Drehbuchautor Evan Goldberg und Sam Catlin, seines Zeichens Co-Produzent von "Breaking Bad", durften sich dem Stoff annehmen.

Begeisterte Fans der Comic-Vorlage

Die zwei bislang ausgestrahlten Episoden sorgten für fast schon euphorische Kritiken bei den Fans der Comics: Die Charaktere und der generelle Ton der Vorlage seien hervorragend getroffen, ist an vielen Stellen zu lesen. Doch genügt das auch, um die Zuschauer ohne Vorwissen bei Laune zu halten?

Schon die Prämisse von "Preacher" wirkt auf diese eher befremdlich: Eine geheimnisvolle Macht aus dem Weltall rast direkt auf die Erde zu. Sie landet mitten in Afrika, fährt dort in einen Priester hinein, der daraufhin vor den Augen seiner Gemeinde explodiert. Weitere Glaubensvertreter sollen später zerbersten, darunter tatsächlich auch Scientologe Tom Cruise. Doch die Handlung konzentriert sich nach diesem Splatter-Intro zunächst auf das texanische Kaff Annville.

Dort predigt der hochgradig frustrierte Jesse Custer (Dominic Cooper) jeden Sonntag mehr schlecht als recht vor seiner gelangweilten Gemeinde. Im Anschluss empfängt er Seelsorge suchende Gläubige im Klappstuhl vor der Kirche. Frei nach dem Motto: Dieser Scheißjob lässt sich im Schatten und bei einem kühlen Bier zumindest etwas besser ertragen.

Ein Prediger mit dunkler Vergangenheit

Es geht noch bizarrer: Während Jesse bemühte Ratschläge und Bibelweisheiten verteilt, schießt ein aggressiver Familienvater aus der Gemeinde Eichhörnchen von den Bäumen. Genau diesen üblen Zeitgenossen nimmt sich der Prediger dann in der örtlichen Bar vor. Achtung Ekelszene: Knochen werden nicht nur brechen, sondern auch splittern und aus dem Körper ragen!

Wie immer wieder angedeutet wird, blickt Jesse auf eine kriminelle Vergangenheit zurück. Seine Entscheidung, Prediger zu werden, beruht auf einem Versprechen, das er als Kind seinem Vater gegeben hat. Dieser scheint damals vor seinen Augen erschossen worden zu sein. Die Flashbacks dazu verraten bislang nicht allzu viel über die genauen Hintergründe des traumatischen Erlebnisses. Offensichtlich ist nur, dass es Jesses Leben ziemlich vermurkst hat. Ständig hängt er an der Flasche, zweifelt an sich selbst und vor allem an seinem Glauben.

Zu allem Überfluss taucht auch noch Jesses taffe Ex-Freundin Tulip O'Hare (Ruth Negga) in der Stadt auf. Mit ihr drehte er früher krumme Dinger. Jetzt will sie ihn für einen neuen Job gewinnen. Dieser dürfte es in sich haben, wie die Zuschauer schon bei der spektakulären Einführung des Charakters erahnen können: Tulip macht mal eben zwei Bösewichte während einer rasanten Fahrt im Auto kalt - inklusive Ohr abbeißen. Danach stiftet sie zwei Kinder dazu an, mit ihr eine Bazooka zu basteln, um einen Helikopter mit dem nächsten Widersacher vom Himmel zu holen.

Blutorgien im Flugzeug und in der Kirche

Ähnlich übertrieben in ihrer Inszenierung erfolgt die Vorstellung der dritten Hauptfigur im Bunde: Das irische Schlitzohr Cassidy (Joseph Gilgun) bringt in einem Luxus-Privatjet sämtliche Passagiere und den Piloten auf äußerst brutale Art und Weise zur Strecke. Vor seinem Sprung aus luftiger Höhe gönnt er sich sogar noch ein paar kräftige Züge Blut. Cassidy landet mitten auf einer texanischen Kuhweide, blickt auf seine Eingeweide, ist aber dennoch zu Scherzen aufgelegt. Kein Wunder: Als Vampir braucht es nur einen kleinen Snack, damit er wieder fit an der Bar sitzen und sich volllaufen lassen kann. Ein Zusammentreffen mit Jesse liegt dort natürlich nahe.

Zurück zur mysteriösen Macht aus dem All: Diese erreicht schließlich Annville und ergreift Besitz von Jesse, der gerade seine Predigerkluft an den Nagel hängen wollte. Vielleicht bleibt deshalb eine Explosion aus. Stattdessen verleiht sie Jesse ganz besondere Fähigkeiten. Seine Ratschläge finden plötzlich Gehör bei den Mitgliedern seiner Gemeinde. Das mit dem "Öffne dein Herz!" nimmt eines allerdings etwas zu wörtlich.

Für zartbesaitete Zuschauer folgt eine noch größere Herausforderung in Form einer ausgedehnten Kettensägen-Blutbad-Sequenz in der Kirche: Cassidy nimmt es mit den zwei undurchsichtigen Herren auf, die stets an den Schauplätzen der Prediger-Explosionen auftauchen. Warum diese später wieder quicklebendig beim Sheriff sitzen, macht vorerst keinen Sinn.

Überhaupt hinterlässt "Preacher" nach den zwei Auftaktfolgen viele Fragezeichen: Was hat es mit dem alten Cowboy auf sich, der im Flashback-Intro von Episode 2 auftaucht? Welchen Job hat Tulip zu erledigen? Was hat sich in der Vergangenheit zwischen ihr und Jesse zugetragen? Wer hat Jesses Vater erschossen und warum? Welche Pläne verfolgt Cassidy und wer ist sein Verbündeter, mit dem er regelmäßig telefoniert? Warum wollte sich der entstellte Sohn des Sherrifs das Leben nehmen? Und können all diese Skurrilitäten irgendwann halbwegs einen Sinn ergeben?

Trashige Unterhaltung ohne roten Faden

Noch gelingt es "Preacher", wohl vor allem die B-Movie-Zielgruppe mit durchgeknallter Unberechenbarkeit, den provozierenden Schockszenen und schwarzhumoriger Selbstironie zu unterhalten. Wenn die Serie aber nicht zeitnah einen roten Faden findet und vernünftige Antworten liefert, verliert ihre Andersartigkeit schnell an Reiz. Der Mix aus Gewaltorgien und überzeichneten Charakteren wirkt zudem unentschlossen: Die Horrorszenen setzen auf viel Blut und Action, wirklich spannend oder gar atmosphärisch sind sie aber nicht geraten. Die Comedy-Elemente amüsieren im Bestfall, große Pointen und bissige Dialoge sucht man in "Preacher" jedoch vergebens.

Die Hauptdarsteller Dominic Cooper, Joseph Gilgun und Ruth Negga lassen sich von dem teilweise wirren Hin und Her kaum aus der Ruhe bringen. Ihre überzeichneten Charaktere spielen sie so gut, wie es ihnen das vorgegebene Material erlaubt. Cooper erweist sich als noch recht unnahbarer Protagonist. Gilgun sticht da als überdrehter Sidekick viel mehr heraus und wird schnell zum eigentlichen Sympathieträger der Serie.

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Ob dieser eine lange Zukunft vergönnt ist, kann bereits bezweifelt werden: Mit 2,38 Millionen Zuschauern für die Pilotfolge und 2,08 Millionen für die zweite Episode fiel das Interesse an "Preacher" schon zum Auftakt überschaubar aus. AMC dürfte mehr erwartet haben, da im Vorprogramm das quotenstarke "Fear The Walking Dead" zu sehen war.

Hierzulande hat sich Amazon die Rechte an "Preacher" gesichert. Prime-Abonnenten kommen immer montags und damit nur einen Tag nach der US-Ausstrahlung in den Genuss der jeweils neuen Folge.

Link: "Preacher" bei Amazon Prime streamen

"Preacher" läuft seit Ende Mai beim US-Kabelsender AMC.

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  • Rezension zu:
    First Look: Preacher
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