Nach dem Oscar-Ausraster von Will Smith stellt sich für viele die Frage: „King Richard“ boykottieren oder doch noch anschauen – soweit nicht ohnehin längst geschehen?

King Richard: One-Man-Show für Will Smith
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„King Richard“ trotz oder wegen Will Smith anschauen? Das ist hier die Frage!

Wie ruiniere ich eine jahrzehntelange Karriere in einer Minute? Will Smith weiß, wie es geht. Ausgerechnet am Abend seiner ersten (und nun vielleicht) letzten Oscar-Auszeichnung kam es vor einem Weltpublikum zur Ohrfeigen-Attacke gegen seinen Kollegen Chris Rock.

Nach dem Zwischenfall verwundert die zeitnahe Heimkino-Veröffentlichung des Films, der ihm die begehrte Trophäe bescherte, recht wenig. Nur knapp drei Monate nachdem „King Richard“ in den deutschen Lichtspielhäusern Premiere feierte, ist das Biopic über den Vater der Tennisstars Venus und Serena Williams auf DVD, Blu-ray und als Video-on-Demand erschienen.

Ein schwieriger Charakterkopf

Wer den Streifen von Regisseur Reinaldo Marcus Green aufgrund des Ausrasters boykottiert, verpasst eine typische American-Dream-Geschichte nach wahren Begebenheiten. Das Manko: Es fehlt der Mut, auch die unbequemen Seiten der von Smith gespielten Hauptfigur im Detail zu beleuchten. Das war aber fast im Vorfeld klar: Die Williams-Schwestern fungierten nämlich als Co-Produzentinnen von „King Richard“ und konnten so auch inhaltlich Einfluss nehmen.

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Richard Williams wird als strenger, aber liebevoller Patchwork-Familienvater dargestellt. Seinen Fokus legt er voll und ganz auf seine beiden leiblichen Kinder mit Ehefrau Oracene (Aunjanue Ellis). Akribisch hat er für Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) Karrieren als Tennisspielerinnen geplant. Unermüdlich trainiert der Nachtwächter mit seinen Töchtern bei Wind und Wetter und trotzt den alltäglichen Bedrohungen in einem Problemviertel von Compton.

Voller Einsatz für die Profikarriere

Gerade weil sich Williams so sehr einer bessere Zukunft in Wohlstand und Sicherheit für seine Familie wünscht, verfolgt er seine Ziele mit besonderer Hartnäckigkeit und ganz viel Ehrgeiz. Er ist sich voll und ganz im Klaren darüber, wie schwierig es werden wird, sich ausgerechnet in der Sportart der weißen Oberschicht zu behaupten. Genau deshalb müssen Venus und Serena auch mit Perfektion überzeugen. Der Fleiß und Schweiß zahlt sich schließlich aus. Es ist der Beginn herausragender Tenniskarrieren.

Der Erfolg hat durchaus seinen Preis. Doch das deutet Drehbuchautor Zach Baylin nur dezent an. Richards regelrechter Kontrollwahn, seine Verbissenheit und ganz eigenen Vorstellungen von richtig und falsch sorgen nicht nur bei den Profi-Trainern für Unmut. Auch in seiner Beziehung mit Oracene beginnt es zunehmend zu kriseln. Sie fühlt sich bei den vielen Alleingängen völlig ihres Mannes übergangen und vor den Kopf gestoßen.

Ein fremdgesteuertes Leben

Wenig bis gar nicht geht „King Richard“ auf das Gefühlsleben der beiden Williams-Mädchen ein. Wie ergeht es ihnen bei all dem Druck, der auf ihren Schultern lastet? Ihr Leben wird völlig fremdgesteuert von ihrem Vater und sie müssen sich die ganze Zeit nach seinen großen Plänen richten.

Es wirkt fast zynisch, wenn sich dieser lange Zeit gegen eine Teilnahme seiner talentierten Sprösslinge an Profiturnieren ausspricht, weil er sie noch Kinder sein lassen wolle. Gleichzeitig beraubt er Venus und Serena aber selbst einer unbeschwerten Jugend.

Sie nicht schon im jungen Alter auf Turnieren verheizen zu lassen, scheint mehr ein Teil seiner Strategie. Die geht am Ende auf und zumindest im Film ist Richard damit der gefeierte Macher, dem die Schwestern alles zu verdanken haben.

Reichlich Potenzial verschenkt

„King Richard“ weiß in der Tat mehr durch die durchweg guten schauspielerischen Leistungen zu überzeugen. Smith bringt Richards anstrengende Penetranz auf den Punkt. Von Aunjanue Ellis als taffe Mutter hätte man gerne noch mehr gesehen. Sie stellt den bedachten Gegenpol zum exzentrisch-dominanten Protagonisten dar.

Die Szenen mit ihr zeigen das Potenzial der Story als packendes Familiendrama, das der Film mit weniger Scheu vor Ecken und Kanten hätte werden können. Es bleibt jedoch bei einer mit 145 Minuten Laufzeit überlangen und zuweilen ermüdenden One-Man-Show für Smith.

„King Richard“: Veröffentlichung am 19. Mai 2022 auf DVD und Blu-ray (EuroVideo Medien GmbH)

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Quelle: YouTube / EuroVideo Medien GmbH

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  • Rezension zu: King Richard
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

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