Der TV-Zweiteiler „Der Überläufer“ war bereits im April im Ersten zu sehen. Fürs Heimkino erscheint die aufwendige Romanverfilmung am 8. Mai. Ein wohl bedachtes Datum: Dann nämlich jährt sich das offizielle Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. Mehr...

Der Überläufer: Antikriegsfilm und Romanze gleichermaßen
© NDR / Dreamtool Entertainment

Der TV-Zweiteiler „Der Überläufer“ war bereits im April im Ersten zu sehen. Fürs Heimkino erscheint die aufwendige Romanverfilmung am 8. Mai. Ein wohl bedachtes Datum: Dann nämlich jährt sich das offizielle Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal.

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Die Literaturvorlage von Siegfried Lenz entstand bereits im Jahre 1951. Veröffentlicht wurde sie aber erst im Jahre 2016, zwei Jahre nach dem Tod des Autors. Dieser hatte sein Werk ad acta gelegt, nachdem es einst von seinem Verlag aus politischen Gründen abgelehnt worden war. In Zeiten des Kalten Krieges erschien eine Geschichte über einen deutschen Wehrmachtssoldaten, der sich in eine polnische Partisanin verliebt und später zur Roten Armee überläuft, viel zu brisant.

Regisseur Florian Gallenberger hat „Der Überläufer“ gemeinsam mit Drehbuchautor Bernd Lange adaptiert. Im ersten Teil halten sich beide noch eng an den Roman. Sie begleiten den jungen Soldaten Walter Proska (Jannis Niewöhner) nach seinem Heimaturlaub im Sommer 1944 auf seinem Weg zurück an die Ostfront. Der Krieg gilt zu diesem Zeitpunkt längst als verloren. Aus Pflichtgefühl gegenüber seinen Kameraden will er dennoch weiter für sein Land kämpfen.

Verliebt in eine Partisanin

Bei seiner Rückreise lernt er die Polin Wanda (Małgorzata Mikołajczak) kennen, die sich bald als Partisanin mit Sprengabsichten entpuppen soll. Ihr Vorhaben schlägt fehl, doch der Zug verunglückt dennoch wegen eines weiteren Anschlages. Walter überlebt und stößt durch Zufall auf einen von einem sadistischen Unteroffizier (Rainer Bock) geführten Vorpfosten der Wehrmacht.

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Mitten in den polnischen Wäldern trifft er auch immer wieder auf Wanda, mit der er eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Obwohl er Hals über Kopf in sie verliebt ist, will er seine Truppe nicht zurücklassen und sich etwa den Partisanen anschließen. Dennoch gerät Walter mehr und mehr ins Zweifeln. Die Entschlossenheit seines Kameraden Wolfgang (Sebastian Urzendowsky), der zur Roten Armee überläuft, kann er dennoch nicht aufbringen.

Es gibt keine richtige Seite

Nach tragischen Ereignissen und einem dramatischen Bruch mit Wanda landet Walter in russischer Gefangenschaft. Wolfgang hat er es schließlich zu verdanken, dass er gerettet wird. Nun wechselt auch Proska die Seiten, allerdings mehr aus der Not als aus der Überzeugung heraus. Immerhin trifft er so eines Tages wieder auf Wanda, die jetzt als Sängerin die russischen Soldaten bespaßt. Die beiden schmieden Fluchtpläne. Dann kommt alles anders als gedacht: Das Paar wird erneut getrennt.

Die zentrale Liebesgeschichte gerät in der zweiten Hälfte von „Der Überläufer“ plötzlich in den Hintergrund. Ohne Wanda folgt Walter seinem tristen Alltag in der Sowjetischen Zone, die für ihn zunehmend zum Albtraum wird. Jetzt ist er von Zweifeln durchfressen, während Wolfgang mit blinder Euphorie an das stalinistische System glaubt.

Gar nicht mal so kitschig

Gallenberger und Lange interpretieren die Lenz-Vorlage nun sehr frei, dichten vieles hinzu. Sie stellen dem Protagonisten sogar eine neue Frau (Leonie Benesch) zur Seite, die es im Buch nicht gibt. Am Ende wagt die Verfilmung schließlich einen zehnjährigen Zeitsprung, um doch noch einmal die Kurve zu kriegen – zu Wanda und einem vermeintlichen Happy End. Ein solches kann es nach einem so schrecklichen Krieg aber gar nicht geben. Zu viel Schuld klebt an den Händen aller Beteiligten.

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Quelle: YouTube / Pandastorm Pictures

„Der Überläufer“ bleibt einmal abgesehen vom konstruierten Outro überraschend kitschfrei. Auch in Sachen Gewalt hält sich die ARD-Produktion angenehm zurück. Die Gräueltaten des Krieges sind allgegenwärtig, ohne dass viel Blut fließt.

Jannis Niewöhner beweist Hollywood-Potenzial

Trotz fast dreistündiger Laufzeit kommt es kaum zu Längen, auch wenn Teil 2 ein deutlich langsameres Erzähltempo einschlägt. Der große Unterhaltungswert liegt aber nicht zuletzt an Jannis Niewöhner, der als Hauptdarsteller in lauten wie in leisen Momenten immer den richtigen Ton trifft. Damit zieht er die Zuschauer in seinen Bann und trägt den Film durchgehend.

Die Rolle könnte dem 28-Jährigen durchaus Türen in Hollywood öffnen: „Der Überläufer“ wird international vermarktet und soll auch in die USA verkauft werden. Das norwegische, schwedische, dänische und finnische Fernsehen hat sich bereits die Ausstrahlungsrechte gesichert.

Das Bonusmaterial auf der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung ist mit einem kurzen Making-of sowie knappen Interviews recht mager ausgefallen.

„Der Überläufer“: Veröffentlichung am 08.05.2020 auf DVD und Blu-ray (Pandastorm Pictures)

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  • Rezension zu: Der Überläufer
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