„Bombshell“ ist die Hollywood-Verfilmung des Belästigungsskandals um den ehemaligen FOX-News-Chef Roger Ailes. Regisseur Jay Roach weiß nicht so recht, wie er mit der brisanten Thematik umgehen soll. Der Drama-Mockumentary-Mix erscheint am 4. Juni fürs Heimkino. Mehr...

Bombshell: Unentschlossener Drama-Mockumentary-Mix
© EuroVideo Medien GmbH

Ab 4. Juni ist der oscarprämierte Streifen „Bombshell“ auf DVD und Blu-ray zu haben. Es geht darin um den Sturz des ehemaligen FOX-News-Chefs Roger Ailes, der Mitarbeiterinnen des Senders sexuell genötigt hat. Regisseur Jay Roach weiß nicht so recht, wie er mit der brisanten Thematik umgehen soll.

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Die #MeToo-Bewegung kam erst durch den Skandal um US-Filmproduzent Harvey Weinstein so richtig ins Rollen. Ein Jahr zuvor machte aber bereits ein anderer Belästigungsfall um Roger Ailes, den damaligen Chef des Nachrichtenkanals FOX News, Schlagzeilen. Regisseur Jay Roach („Austin Powers“) hat diesen mit Hollywood-Stars wie Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie verfilmt. Das Drehbuch zu „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ steuerte Charles Randolph („The Big Short“) bei.

Noch bevor Moderatorin Gretchen Carlson (Kidman) 2016 Klage gegen Ailes (John Lithgow) einreicht, ist eines längst ganz offensichtlich: FOX News zelebriert Sexismus quasi vor laufender Kamera – mit Moderatorinnen in möglichst kurzen Röcken. Frei nach dem Motto: Nackte Haut bringt gute Quoten. Oder wie es der Chef höchstpersönlich zu sagen pflegt: „Fernsehen ist ein visuelles Medium.”

Die große Angst vor dem Karriere-Aus

Mitarbeiterinnen, die da nicht mitspielen wollen, bekommen erst gar keine Chance, die Karriereleiter aufzusteigen. Das macht Roach seinem Publikum sehr schnell klar: Zu Beginn gibt sich „Bombshell“ als satirisch angehauchte Mockumentary. Die Protagonistinnen sprechen direkt zu den Zuschauern und präsentieren die männerdominierte, klar hierarchisierte Welt von FOX News.

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Der unbeschwert-amüsante Tonfall geht aber zeitnah verloren. Es wird dramatisch: Carlson, die ebenfalls prominente Megyn Kelly (Theron) und die noch unerfahrene Redakteurin Kayla Pospisil (Robbie) sind hinter den Kulissen Demütigungen und Erniedrigungen ausgesetzt, die es in sich haben. Ailes missbraucht seine Machtposition in jeglicher Hinsicht und ganz selbstverständlich.

In seinem Erfolg fühlt er sich bestätigt und vermutlich auch in der Unfähigkeit seiner Opfer, sich zur Wehr zu setzen. Sei es wegen der Angst vor einem Karriere-Aus, aus Scham oder schlichtweg aufgrund von naiver Hilflosigkeit – Carlson, Kelly und Pospisil spielen das perfide Spiel bewusst mit.

Keine Solidarität zwischen den Frauen

Noch schlimmer: Als Carlson nach ihrer Entlassung durch Ailes endlich den Mut findet, ihr Schweigen zu brechen, hofft sie zunächst vergebens auf die Solidarität der anderen Frauen. Doch hätte sie sich gerührt und den Mund aufgemacht, wäre ihr eine Kollegin zuvorgekommen? Vermutlich nicht.

Gerade Carlson und Kelly wirken sehr abgebrüht. Die Sympathien liegen am ehesten noch bei der blauäugigen Pospisil. Doch die Figur verharrt zu plakativ in der Opferrolle, aus der sie sich erst ganz am Ende befreien darf. Den fiktiven Charaktere hätte es nicht unbedingt gebraucht.

Viel spannender wäre es gewesen, tatsächlich hinter die unterkühlte Fassade der beiden Nachrichtendiven zu blicken und ihr langjähriges Leid sichtbar zu machen. Kidman darf aber nur ein paar Tränchen verdrücken, Theron immerhin mehrfach besorgt die Stirn runzeln. Carlsons und Kellys später Widerstand erweist sich schließlich nicht als erhoffter Befreiungsschlag, sondern als ein Geschäft.

Fehlender Mut zum Augenzwinkern

Das fiel übrigens für alle Beteiligten lukrativ aus: Roger Ailes musste zwar bei FOX News abdanken, erhielt jedoch eine Abfindung in Höhe von 40 Millionen US-Dollar. Die Frauen, die gegen ihn ausgesagt haben, bekamen zusammen 50 Millionen Schadenersatz zugesprochen.

Den moralisch unbefriedigenden Ausgang des Skandals hätte „Bombshell“ vielleicht wirklich besser augenzwinkernd kommentiert. Doch nach dem lockeren Auftakt verzweifelt der Film an der brisanten Thematik und traut sich nicht mehr, diese humorvoll anzugehen. Natürlich wäre das ein Balanceakt, aber gerade deshalb auch eine erstrebenswerte Herausforderung gewesen.

Mit etwas mehr Mut hätte „Bombshell“ womöglich nicht nur einen Oscar in der Kategorie „Bestes Haarstyling und Make-up“ abgeräumt. Man könnte diese Auszeichnung fast als subtile Kritik der Academy verstehen – oder zumindest als zynischen Kommentar.

„Bombshell – Das Ende des Schweigens“: Veröffentlichung am 4. Juni 2020 auf DVD und Blu-ray (EuroVideo Medien GmbH)

Gewinnspiel zum Heimkinostart

hitchecker.de verlost „Bombshell“ einmal auf DVD. Um mitzumachen, müsst ihr das untere Formular ausfüllen und abschicken.

Wenn ihr auch in Zukunft keine Gewinnspiele auf hitchecker.de verpassen wollt, folgt uns am besten auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest! Teilnahmeschluss ist der 24. September 2020.

Hinweis: Nach dem erfolgreichen Versand des Gewinnspielformulars erfolgt eine Empfehlung für einen anderen redaktionellen Beitrag.

Das Gewinnspiel ist beendet. Gewonnen hat Damira O. aus Mannheim.

  • Rezension zu: Bombshell – Das Ende des Schweigens
  • Redaktionswertung:

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