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Remake-Flop: ''Dirty Dancing'' als hölzerne Musical-Soap

Remake-Flop: ''Dirty Dancing'' als hölzerne Musical-Soap © 2016 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.

Der US-Sender ABC hat sich an ein TV-Remake des legendären Tanzfilms "Dirty Dancing" gewagt und nach der Ausstrahlung im Mai viel Schelte von Zuschauern und Kritikern eingesteckt. Völlig zu Recht: Von der Magie des Originals ist rein gar nichts übrig geblieben.

Ist das wirklich schon 30 Jahre her? Als "Dirty Dancing" 1987 in den Kinos startete, haben wohl alle Beteiligten nicht geahnt, welch großer und zeitloser Erfolg der Film werden würde. Heute genießen die naiv-kitschige, aber gerade deshalb so wunderbar romantische Liebesgeschichte und der dazugehörige Soundtrack Kultstatus.

Bei den zahlreichen Wiederholungen im Fernsehen holt "Dirty Dancing" noch immer solide Quoten. Eingefleischte Fans dürften dabei jede Dialogzeile mitsprechen können, inklusive all der populären Filmzitate. Zum legendärem Satz „Ich habe eine Wassermelone getragen“ kommt es auch in der 130-minütigen Neuverfilmung.

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Doch es reicht leider nicht, einen Großteil der alten Dialoge nachsprechen zu lassen, wenn sich der Rest als berühmt-berüchtigter Griff ins Klo entpuppt. Das beginnt bereits bei der Besetzung der Protagonisten. Für die Rolle des Johnny Castle wurde der schauspielerisch noch unerfahrene Tänzer Colt Prattes verpflichtet, der neben US-Röhre Pink im Video-Clip zum Hit "Try" zu sehen war. "Litte Miss Sunshine"-Star Abigail Breslin verkörpert die neue Baby Houseman.

Muckimann und Mauerblümchen

Vermutlich haben sich die Casting-Verantwortlichen ganz bewusst für Darsteller entschieden, die allein schon optisch keinerlei Ähnlichkeiten mit Patrick Swayze und Jennifer Grey besitzen. Trotzdem fällt es der Neubesetzung nicht leichter, in die großen Fußstapfen der Originalschauspieler zu treten. Swayze und Grey sind unmittelbar mit den Filmfiguren verbunden und haben es damals geschafft, diese glaubwürdig und mit viel Hingabe zu spielen.

Diese Leidenschaft fehlt ihren Nachfolgern leider völlig: Prattes kämpft sich sich als miesepetriger Johnny durchgehend hölzern durch seine Zeilen. Warum sich Baby überhaupt in solch einen dauergenervten und sogar richtig unsympathischen Kerl verlieben kann, bleibt in der TV-Version von "Dirty Dancing" ein Rätsel. Vielleicht beeindruckt er sie ja mit seinem gestählten Körper, den Prattes unzählige Male zur Schau stellen darf.  

Neben diesem Fitness-Supermodel-Adonis, der auch fürs nächste "Men's Health"-Cover posieren könnte, sieht Kollegin Abigail Breslin, Typ "Mauerblümchen von nebenan", ziemlich verloren aus. Die 21-Jährige nimmt den Spitznamen ihrer Figur wörtlich und versucht sich an einer sehr kindlichen, unbeholfenen Version der Baby Houseman. Besonders schwer tut sich die Schauspielerin bei den Tanzszenen. Selbst in der finalen Szene wirken ihre Schritte und Bewegungen noch plump. Die Eleganz einer Jennifer Grey erreicht sie nicht annähernd.

Einziger Lichtblick: Nicole Scherzinger

Den Job überlässt sie Popsängerin Nicole Scherzinger, die sich in der Rolle der Penny Rivera als einziger Lichtblick des Remakes offenbart. Das ehemalige "Pussycat Doll" spielt, tanzt und singt so motiviert, dass selbst Breslin bei einer gemeinsamen Musikeinlage kurzzeitig aufblüht. An dieser Stelle hofft man fast, Baby würde sich diesmal lieber in Penny und nicht in Johnny verlieben. Mit Prattes harmoniert die Hauptdarstellerin jedenfalls in keiner einzigen Szene so gut wie mit Scherzinger.

Die Chemie stimmt einfach nicht zwischen dem neuen "Dirty Dancing"-Paar. Es fehlt das Knistern und das Kribbeln im Bauch. Johnny fummelt ohnehin viel lieber an Vivian Pressman (Katey Sagal, "Sons of Anarchy") herum. Die Nebenfigur erhält eine bedeutendere Funktion als im Original und kommt nun auch in Kontakt mit Babys Mutter Marjorie.

Mrs. Houseman wird gespielt von Debra Messing ("Will & Grace") und muss während ihres Aufenthalts im Ferienresort Kellerman's eine ausgewachsene Beziehungskrise durchleben. Sie fühlt sich von Ehemann Jake (Bruce Greenwood) emotional und sexuell vernachlässigt.

Von wegen dreckige Tanzeinlagen

Auch Babys ältere Schwester Lisa, die mit Sarah Hyland ("Modern Family") im Lolita-Look ebenfalls sehr kindlich anmutet, bekommt einen soapigen Nebenschauplatz eingeräumt. Dem aufdringlichen Kellner Robbie (Shane Harper) verpasst sie zeitnah einen emanzipierten Tritt in die Kronjuwelen. Danach turtelt sie lieber mit einem afro-amerikanischen Angestellten der Musiker-Crew.

Frei nach Bruce Darnells Motto "Drama, Baby, Drama!" wird auch die Auseinandersetzung zwischen Dr. Houseman und seiner Tochter detaillierter und vor allem tränenreicher beleuchtet als in der Vorlage. Da bleibt trotz erweiterter Laufzeit überraschend wenig Gelegenheit zum Tanzen.

Wenn schließlich doch die altbekannten Melodien von Hits wie "Do You Love Me", "Love Is Strange" und "(I've Had) The Time Of My Life" aufs Parkett locken, folgt für Fans der nächste Schlag in die Magengrube: Es handelt sich um Neuaufnahmen, die zum Großteil von den Darstellern selbst oder von Bands und Künstlern wie American Authors, Lady Antebellum, Greyson Chance und Seal interpretiert werden.

Das Schlimmste zum Schluss

Die Songs mit den Schauspielern inszeniert Regisseur Wayne Blair innerhalb des Films tatsächlich auch als Musical-Nummern. Wenn Baby, Johnny, Penny und Co beim Tanzen plötzlich zu singen beginnen, irritiert das völlig und hievt den Film auf eine unpassende Metaebene. Der angehängte Epilog baut die Musical-Idee schließlich konkret in die Handlung ein und zerstört das Happy End zwischen Baby und Johnny endgültig.     

Jeder, der "Dirty Dancing" kennt und liebt, will spätestens an dieser Stelle erzürnt die Wassermelone zu Boden schmettern und Drehbuchautorin Jessica Sharzer an die Gurgel gehen. hitchecker.de empfiehlt: Zur schnellen Beruhigung am besten gleich noch mal das Original in den den DVD-Player legen, um das missglückte Remake sofort wieder aus dem Gedächtnis zu löschen!

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  • Rezension zu:
    Dirty Dancing (2017)
  • Redaktionswertung:
    Redaktionswertung
Leserwertung:
(1 Stimme)
Kommentare  
#1 Jodie 2017-07-18 09:04
Das Remake ist wahrlich eine Katastrophe epischen Ausmaßes. Die Kritik trifft zu 100% ins Schwarze. Manche Dinge sollte man lieber unberührt lassen.
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