Familiendrama, Science-Fiction-Serie oder doch Horror-Thriller? Die britische Produktion „The Feed“ bleibt diesbezüglich unentschlossen und vielleicht daher auch recht steril. Zum Heimkinostart verlost hitchecker.de die Romanvorlage von Nick Clark Windo. Mehr...

The Feed: Das Konzept „Smart Human“ wird zum Albtraum
© Polyband Medien GmbH / all3 Media / Studio Lambert

Familiendrama, Science-Fiction-Serie oder doch Horror-Thriller? Die britische Produktion „The Feed“ bleibt diesbezüglich unentschlossen und vielleicht daher auch recht steril.

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DVD - digital - Roman - Prime Video
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Schon heute hängen wir pausenlos am Smartphone. Ein Großteil unseres Lebens spielt sich in sozialen Netzwerken und Messenger-Chats ab. Virtual Reality ist auf dem Vormarsch. Wo soll das noch hinführen?

Einen Blick in die Zukunft wagt die britische Science-Fiction-Serie „The Feed“. Die Koproduktion von Virgin Media und Amazon feierte ihre Deutschlandpremiere bereits im November 2019 im Starzplay Channel bei Prime Video. Nun ist sie auch auf DVD erschienen. Das dystopische Drama basiert auf dem gleichnamigen Roman von Nick Clark Windo. Die zehnteilige erste Staffel der TV-Adaption deckt dabei inhaltlich nur das erste Kapitel der Vorlage ab.

Sie nimmt die Zuschauer mit in eine Welt, die unserer jetzigen auf den ersten Blick gar nicht mal so fremd ist. Modetechnisch scheint sich nicht viel getan zu haben. Auch die meisten Häuser und Wohnungen haben sich nicht in hochtechnisierte Smart Homes verwandelt. Lediglich einige moderne Wolkenkratzer und eine futuristische Luxus-Limousine wirken wie aus einer fremden Zeit.

Die totale digitale Reizüberflutung

Doch warum auch unnötig Dinge technisieren, wenn der Mensch selbst vernetzt werden kann? Genau das war vermutlich der Ansatz von Hightech-Unternehmer Lawrence Hatfield (David Thewlis), der vor Jahren den Feed entwickelt hat. Inzwischen tragen fast alle Menschen auf der Welt eine Art Chip-Implantat in sich.

Über dieses können sie nicht nur miteinander kommunizieren, Inhalte teilen oder aus dem Netz abrufen. Sie haben auch jederzeit Zugriff auf all ihre Erinnerungen, die komplett abgespeichert werden. Zudem ist es möglich, sich perfekten virtuellen Illusionen hinzugeben. Dass all diese Optionen nicht nur Vorteile mit sich bringen, versteht sich von selbst.

Das bekommt ausgerechnet Hatfields Sohn Tom (Guy Burnet) tagtäglich vor Augen geführt. Er arbeitet als Psychologe und betreut vorwiegend Patienten, die unter der Reizüberflutung durch den Feed leiden oder gar davon abhängig sind. Der Arbeit seiner Familie steht er daher skeptisch gegenüber. Das Verhältnis zu seinem Vater ist entsprechend distanziert.

Eine schrecklich komplizierte Familie

Seine Mutter Meredith (Michelle Fairley), die kontrollsüchtige PR-Frau des Hatfield-Imperiums, bemüht sich neuerdings um mehr Nähe. Aus gutem Grund: Toms Frau Kate (Nina Toussaint-White) erwartet ein Baby – und dieses Ereignis soll natürlich für Image-Zwecke genutzt werden. Schließlich muss die Firma aktuell um ihren guten Ruf fürchten. In jüngerer Vergangenheit gab es zwei unschöne Vorfälle mit Feed-Nutzern, die nach einem Kontrollverlust zu Attentätern wurden.

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Beinahe wäre sogar Toms Bruder Ben (Jeremy Neumark Jones) bei einer Attacke auf seiner Hochzeit mit Miyu (Jing Lusi) zu Schaden gekommen. Monate später lebt das Paar bereits getrennt. Das liegt allerdings weniger an dem Zwischenfall beim groß inszenierten Familienfest, sondern vielmehr an Bens schwierigem Charakter:

Verzweifelt buhlt er um die Anerkennung seines Vaters, engagiert sich anders als Tom in der Firma. Doch Lawrence behandelt ihn trotzdem nur wie einen Sohn zweiter Klasse. Als Tom nun auch noch von Miyu abgelehnt wird, gibt er sich völlig seinem Selbstmitleid hin. Der Frust lässt ihn aber auch immer wieder aggressiv werden.

Als es zu einem Hacker-Angriff kommt, spitzen sich die familiären Konflikte und die Bedrohungen durch den Feed weiter zu. Aber steckt wirklich der Widerstand, der die Technologie der Hatfields ablehnt, hinter der Attacke? Oder ist das Problem vielmehr hausgemacht?

Leere Blicke und Cybersex

Die Serie lässt sich zunächst sehr viel Zeit, bis sie erste konkrete Antworten liefert. Die ersten fünf Episoden werden vorwiegend dazu genutzt, die Hatfields einzuführen und die Möglichkeiten und Probleme des Feeds vorzustellen. Als Familiendrama verdient sich „The Feed“ sicherlich keinen Innovationspreis, ist als solches aber dennoch packender als die technische Science-Fiction-Komponente.

Die ständigen Einblendungen der Feed-Benutzeroberfläche und die Visualisierungen des Datennetzwerks in den Büros des Hatfields-Konzerns werden schnell anstrengend. Da ihre Figuren oft nur virtuell kommunizieren oder sich in der digitalen Gedankenwelt verlieren, blicken die Darsteller immer wieder mit leerem Blick in die Kamera. Stehen sie sich einmal wirklich gegenüber, fallen Gespräche kaum lebendiger aus.

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Quelle: YouTube / polyband

Die hölzernen Dialoge werden im schlimmsten Fall mit einem Höchstmaß an Theatralik vorgetragen. Vor allem Jeremy Neumark Jones übertreibt es als Ben Hatfield gehörig mit dem Overacting. Es ist ihm nicht einmal vorzuwerfen, da er sich in seiner Rolle einen Großteil der Zeit dem virtuellen Liebesspiel mit einer Cyberversion von Miyu widmen muss.

Eine Parodie auf sich selbst

Auch David Thewlis wirkt als arrogant-narzisstisches Familienoberhaupt mit dem konstant mürrischen Gesichtsausdruck wie eine einzige Parodie auf sich selbst. So mangelt es am nötigen Charisma, das die Schlüsselfigur der Geschichte gebraucht hätte.

Lawrence Hatfield ist als Erfinder des Feeds der Ursprung der Gefahr, die von der Technologie ausgeht. Er fühlt sich allen anderen Menschen überlegen. Mit seinem ausgeprägten Gottkomplex schreckt er auch nicht davor zurück, seine Macht zu missbrauchen und die Privatsphäre von vertrauten und fremden Feed-Nutzern zu verletzen.

In der zweiten Hälfte der Staffel steht Lawrence aber nicht mehr im Zentrum der Handlung, weil die Serie plötzlich eine völlig neue, unerwartete Richtung einschlägt. So gemächlich das Erzähltempo zu Beginn war, so rasant überschlagen sich nun die Ereignisse.

Blutiger Horror ohne Atmosphäre

Sämtliche Protagonisten geraten immer wieder in tödliche Gefahr. Der Feed-Virus greift um sich und lässt Menschen zu unberechenbaren Killern werden. Streckenweise wird es jetzt blutig und brutal wie in einem Horrorfilm.

Das Problem: „The Feed“ kommt ganz ohne Atmosphäre aus und leidet durchgehend unter einer sehr sterilen, fast schon emotionslosen Inszenierung. Da können sich die Schauspieler zu noch so großen Gefühlsausbrüchen hinreißen lassen. Dieser Einsatz zeigt einfach keine Wirkung, weil das Drumherum nicht stimmt. Am ehesten fiebert man mit den Nebenfiguren mit, etwa dem Teenager Danny (Shaquille Ali-Yebuah). Dabei handelt es sich um einen Patienten Toms, der mit epileptischen Anfällen zu kämpfen hat, sobald er offline geht.

Was außerhalb der Hatfields-Welt geschieht, erzählt die Serie leider nur am Rande. Dabei wird regelmäßig betont, welch globale Bedeutung der Feed doch hat. Vielleicht reichte aber schlichtweg das Budget nicht dazu aus, ein weitgreifenderes Szenario zu zeichnen. Noch ist das allerdings möglich, sollte „The Feed“ um eine zweite Staffel verlängert werden. Zum Ende der ersten herrscht Chaos inklusive vieler offener Fragen.

„The Feed: Staffel 1“: Veröffentlichung am 28.02.2020 auf DVD (Polyband / WVG)

Romanvorlage zu gewinnen

hitchecker.de verlost einmal die Romanvorlage zu „The Feed“ in der englischsprachigen Originalausgabe. Um mitzumachen, müsst ihr das untere Formular ausfüllen und abschicken.

Wenn ihr auch in Zukunft keine Gewinnspiele auf hitchecker.de verpassen wollt, folgt uns am besten auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest! Teilnahmeschluss ist der 15. April 2020.

Hinweis: Nach dem erfolgreichen Versand des Gewinnspielformulars erfolgt eine Empfehlung für einen anderen redaktionellen Beitrag.

Das Gewinnspiel ist beendet. Gewonnen hat Benedikt B. aus Hildesheim.

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