Die sympathische Indie-Komödie "The Sunlit Night" von "Feuchtgebiete"-Regisseur David Wnendt ist neu im Kino gestartet. Darin verschlägt es US-Komikerin Jenny Slate auf die Lofoten.

The Sunlit Night: Selbstfindungstrip ans norwegische Ende der Welt
© w-film

Die sympathische Indie-Komödie "The Sunlit Night" von "Feuchtgebiete"-Regisseur David Wnendt ist neu im Kino gestartet. Darin verschlägt es US-Komikerin Jenny Slate auf die Lofoten. Der Selbstfindungstrip amüsiert mit schrägen Charakterköpfen.

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In einer Welt mit orientierungslosen, unentschlossenen Menschen fällt es schwer, selbst Orientierung zu finden. Das muss auch die New Yorker Kunststudentin Frances (Jenny Slate) feststellen: Ihr durchtrainierter und wohlhabender Freund gibt ihr kurz vor einem geplanten Auslandsaufenthalt den Laufpass. Das aktuelle Gemälde der jungen Frau fällt bei Kritikern durch und auch ihr Zuhause steht vor dem Auseinanderbrechen: Überraschend geben ihre Eltern ihre Trennung bekannt und empfehlen einen Auszug aus dem elterlichen Nest.

Frances bleibt bei all dem Chaos erstaunlich gelassen und nimmt optimistisch ein Kunststipendium in Norwegen an, um dem ganzen Mist zu entfliehen. Schlimmer kann es kaum kommen... oder etwa doch? Ihr Ziel ist eine abgelegene Lofoteninsel, auf der sie den Künstler Nils (Fridtjov Såheim) bei einem Projekt unterstützen soll.

Willkommen in der Hölle

Zunächst erfreut sich Frances noch mit fast schon kindlicher Naivität an der malerischen Naturkulisse ihrer vorübergehenden Heimat, in der auch nachts die Sonne scheint. Nach der euphorischen Ankunft folgt die schnelle Ernüchterung. Nils entpuppt sich als mürrisch-unfreundlicher Kauz, der seine neue Hilfskraft in einem heruntergekommenen Wohnwagen einquartiert. Dort findet Frances kaum Schlaf, weil es nicht einmal eine Verdunklungsmöglickeit gibt.

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Tagsüber muss sie sich dann Nils' strengem Regiment unterordnen und stundenlang die Holzlatten einer alten Scheune in Gelbtönen anstreichen – quasi nach dem Malen-nach-Zahlen-Prinzip. Jeder Pinselstrich wird genauestens überwacht. Eigene Kreativität ist nicht gefragt. Wie hat es Frances' geflüchtete Vorgängerin treffend an die Schränke im Wohnwagen geschrieben? Willkommen in der Hölle!

Zuversicht ist eine Kunst

Doch an dieser Stelle ist längst klar: Die Protagonistin der Indie-Komödie "The Sunlit Night" von Regisseur David Wnendt ("Kriegerin", "Er ist wieder da", "Feuchtgebiete") gibt so schnell nicht auf. Es scheint, als könnte sie jeder frustrierenden Situation noch etwas Positives abgewinnen. Sie ist eine Anpackerin durch und durch, die Herausforderungen mit offenen Armen empfängt.

Allerdings lassen sich Probleme nicht immer mit einer herzlichen Umarmung lösen. Aber Frances will es nun einmal versuchen, auch wenn sie dabei zunächst enttäuscht wird. Ihre Hartnäckigkeit und aufgeschlossene Art zahlt sich aber schließlich aus. Auf der Insel irgendwo im Nirgendwo durchbricht sie mit ihrer quirligen Art nicht nur die harte Schale ihres kratzbürstigen Chefs .

Der introvertierte, ebenfalls aus New York stammende Yasha (Alex Sharp) ist an das Ende der Welt gekommen, um seinem Vater einen letzten Wunsch zu erfüllen. Der Russe hat sich ein traditionelles Wikinger-Begräbnis gewünscht, das die Mitarbeiter eines Museums organisieren. Frances nimmt sich dem Fremden an, holt ihn aus seiner emotionaler Starre und begleitet ihn bei seinem schweren Abschied.

Eine Romanze am Rande

Obwohl sich dabei eine kleine Romanze entwickelt, wirkt diese zu keiner Zeit wie obligatorisches Komödien-Pflichtprogramm. Wnendt und Drehbuchautorin Rebecca Dinerstein, die auch die Romanvorlage geschrieben hat, erzählen nur am Rande eine Lovestory. Es bleibt mehr bei einer kurzweiligen Episode im amüsanten Selbstfindunsgtrip. Dieser zeigt Frances am Ende auch eine Richtung als Künstlerin auf.

"The Sunlit Night" ist angenehm unaufgeregte Indie-Kost mit einer kleinen Geschichte vor großer Kulisse. Der Film punktet vor allem mit seinen liebenswert schrulligen Figuren. Bei der Besetzung dieser haben die Cast-Verantwortlichen voll ins Schwarze getroffen. Nicht nur Stand-up-Komikerin Jenny Slate geht ganz in ihrer Rolle als Frances auf. Auch David Paymer als exzentrischer Vater und Fridtjov Såheim als eigenbrötlerischer Grieskram spielen in Bestform. Prominente Namen wie Gillian Anderson („Akte X") und Zach Galifianakis ("Hangover") in kleinen Nebenrollen hätte es da gar nicht unbedingt gebraucht, selbst wenn diese ebenfalls einen guten Job machen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Die Romanverfilmung feierte ihre Premiere bereits 2019 beim Sundance Film Festival, allerdings in einer 15 Minuten längeren Fassung. Bei US-Kritikern kam diese damals nicht gut an. Vielleicht war ihnen die deutsch-norwegische Koproduktion am Ende einfach nicht amerikanisch genug. Schließlich tummeln sich die New Yorker die meiste Zeit in einer völlig fremden Welt.

Als Großstädterin in der Pampa schlägt sich Frances erstaunlich gut, was sie zu einer überaus sympathischen Filmheldin macht. Ihr kleines Abenteuer weiß bis zum Schluss zu unterhalten, obwohl es im Mittelteil zu einem kleinen Durchhänger kommt. Doch selbst das passt im Grunde ganz gut: Die Ruhe der atmosphärischen Landschaft färbt mehr und mehr auf Frances und das Publikum ab. Genau so funktioniert Wohlfühl-Kino.

"The Sunlit Night": Kinostart am 23. September 2021 (w-film)

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Quelle: YouTube / w-film Distribution

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