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Schatz, liebst du mich auch als Frau?

Schatz, liebst du mich auch als Frau? © EuroVideo Medien GmbH

Ein kleines Meisterwerk: "Laurence Anyways" erweist sich als bildgewaltiges Liebesdrama mit viel Musik und typisch französischem Kino-Charme.

Hut ab vor dem kanadischen Jungregisseur Xavier Dolan: Mit Anfang 20 ein knapp 160-minütiges Mammutwerk wie "Laurence Anyways" auf die Beine zu stellen, ist wirklich beeindruckend.

Dolan setzte das epische Liebesdrama nicht nur opulent und fantasievoll in Szene, sondern fungierte auch als Drehbuchautor und ausführender Produzent.

Mit Filmen wie "I Killed My Mother" (2009) und "Herzensbrecher" (2010) ließ Dolan bereits erahnen, welch großes Talent in ihm steckt. Doch diese Independent-Streifen wirken im Vergleich wie etwas, dass er sich mal eben aus dem Ärmel geschüttelt hat.

Für "Laurence Anyways" beließ es Dolan nicht beim Kleckern, sondern klotzte selbstbewusst ein erstes Meisterwerk auf die große Leinwand.

Ein schockierendes Geständnis

Erzählt wird die Geschichte des erfolgreichen Literaturdozenten Laurence (Melvil Poupaud) und der lebenslustigen Aufnahmeleiterin Frédérique (Suzanne Clément). Die beiden führen Ende der 80er-Jahre eine sehr leidenschaftliche Beziehung und gelten in ihrem Bekanntenkreis als glückliches Paar. Doch dann macht Laurence seiner Freundin ein überraschendes Geständnis, das alles verändern soll:

Der Mittdreißiger findet endlich den Mut, sich einzugestehen, im falschen Körper gefangen zu sein. Bereits sein ganzes Leben fühlte er sich als Frau, zu der er nun auch äußerlich werden will. Seine Liebe für Frédérique stellt er dabei nicht in Frage. Nach dem ersten Schock beschließt diese, ihren Partner bei seiner Entscheidung zu unterstützen. Doch die Gegenstimmen und Vorurteile im Alltag durch Familie, Freunde und Kollegen sind groß.

Laurence kämpft noch so sehr mit sich selbst. Da bleibt keine Kraft, auch noch Frédérique aufzufangen, die immer mehr unter der Situation leidet und in ein tiefes emotionales Loch stürzt. Am Rande eines Nervenzusammenbruchs und nach einem Seitensprung verlässt sie Laurence. Im Laufe der Jahre finden die beiden jedoch immer wieder zueinander – nur um festzustellen: Sie können nicht ohne, aber auch nicht miteinander glücklich sein.

Achterbahn der großen Gefühle

Zugegeben: Das ewige Hin und Her zwischen dem ungleichen Paar hätte Dolan durchaus etwas straffen können. Gerade in der zweiten Hälfte des Films wiederholen sich ähnliche Begegnungen und Konfliktsituation. Aber große Gefühle und feurig-hysterische Streitdialoge gehören eben wie das Amen in der Kirche zum französischsprachigen Kino. Vor allem Suzanne Clément spielt sich in den ganz lauten und ganz leisen Szenen die Seele aus dem Leib.

Auch wenn der Franzose Melvil Poupaud ebenfalls einen hervorragenden Job macht und nie zu dick aufträgt, muss man doch feststellen: Clément stiehlt ihrem Kollegen die Show. Gerade durch ihre Dominanz rückt ihr Charakter vielleicht mehr in den Vordergrund, als es Dolan ursprünglich beabsichtigt hatte.

Der Fokus auf das Thema Transsexualität zu Beginn verliert sich mit zunehmender Laufzeit: Der Filmemacher zelebriert mit "Laurence Anyways" eine tragische Liebesgeschichte mit viel bedeutungsschwangerer Bildgewalt, einer Menge Kitsch und einem packenden Soundtrack. Laurences Verwandlung dient ihm dafür im Grunde nur als Aufhänger.

Link: www.laurenceanyways-derfilm.de

Veröffentlichung am 23.01.2014 auf DVD und Blu-ray (EuroVideo Medien GmbH)

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    Laurence Anyways
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