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Das Löwenmädchen: Ein ermutigendes Plädoyer für Außenseiter

Das Löwenmädchen: Ein ermutigendes Plädoyer für Außenseiter © NFP / Tom Trambow

In "Das Löwenmädchen" wächst ein außergewöhnliches Kind zu einer hochintelligenten jungen Frau heran. Diese muss als Außenseiterin besonders hart für ihren großen Traum kämpfen. hitchecker.de verlost Freitickets zum Kinostart des Dramas.

Der norwegische Film "Das Löwenmädchen" basiert auf dem gleichnamigen Roman des Autors Erik Fosnes Hansen und wurde von Regisseurin Vibeke Idsøe für die große Leinwand adaptiert. Das Drehbuch muss Kompromisse machen und erreicht so bei Weitem nicht den Tiefgang der Buchvorlage. Es konzentriert sich auf die einzelnen Lebensstationen der Protagonistin, die es aus beobachtender Perspektive beleuchtet.

Alles beginnt im Jahre 1912 in einem kleinen norwegischen Städtchen. Die Frau des Bahnhofvorstehers Gustav Arctander (Rolf Lassgård) stirbt bei der Geburt ihres ersten Kindes. Doch es wartet ein weiterer Schock auf den Mann: Die gemeinsame Tochter leidet unter einem seltenen Gendefekt und ist am kompletten Körper wie ein Tier behaart. Gustav ist mit der Situation völlig überfordert und will Eva, wie das Baby genannt wird, weggeben. Schließlich stellt er aber mit der jungen Hannah (Kjersti Tveteras) ein Kindermädchen ein, das sich um den Nachwuchs und den Haushalt kümmern soll.

Von der Außenwelt abgeschottet

Eva wächst völlig abgeschottet von der Öffentlichkeit auf. Immer wenn das wissbegierige Mädchen zu viel Neugier auf die Welt außerhalb des Bahnhofsgebäudes an den Tag legt, sperrt sein Vater es in eine dunkle Kammer unter der Treppe ein. Im Grunde will er Eva damit nur beschützen, denn er ahnt, wie die Menschen auf sie reagieren werden. Seine autoritären Maßnahmen nähren den Wunsch der Kleinen, wie ein normales Kind zur Schule zu gehen, aber nur noch mehr.

Hannah, die längst zum Mutterersatz geworden ist, setzt sich für Eva ein, die nun endlich das Haus verlassen und Kontakte mit Gleichaltrigen knüpfen darf. Es kommt wie von Gustav befürchtet: Seine Tochter wird von ihren Mitschülern auch noch als junger Teenager gehänselt und gequält. Um ihre gewonnene Freiheit nicht wieder zu verlieren, erträgt Eva die seelischen Torturen stillschweigend. Insgeheim träumt sie von einem Mathematik-Studium. Als ihr Vater erneut eine ganz andere Zukunft für sie plant, nimmt sie als junge Frau Reißaus.

Große Träume erfordern Opfer

Sie schließt sich einem "menschlichen Kuriositätenkabinett" des Schaustellers Johannes Joachim (Burghart Klaußner) an. Dieser tingelt mit einem "Echsenmann", einem "Affenmenschen", einer Kleinwüchsigen, einem Riesen und siamesischen Zwillingen durch ganz Europa. Eva nimmt es in Kauf, sich Abend für Abend vor dem Publikum vorführen zu lassen, um Geld für ihr Studium zu sammeln. Kann sie ihr Ziel am Ende tatsächlich erreichen? Findet sie endlich verdiente Anerkennung?

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Das sind natürlich rhetorische Fragen, wie das schön fotografierte und zum Großteil in Deutschland gedrehte Drama früh erahnen lässt. Idsøe erzählt die Geschichte sehr stringent. Dabei hält sie sich sehr lange mit der frühen Kindheit Evas auf. Das ist einerseits wichtig, um die schwierige Beziehung zu ihrem Vater herauszustellen. Andererseits bleibt so viel zu wenig Zeit für die beiden weiteren Altersphasen, in denen sich die Titelheldin zunehmend emanzipiert und eigene Entscheidungen trifft.

Nicht so komplex wie die Romanvorlage

Im Roman lernt sie mehr und mehr, ihr Umfeld bewusst zu manipulieren, um sich durchzusetzen. Der Film blendet diese spannende Entwicklung nahezu komplett aus, einmal abgesehen von ihren kleinen Notlügen als Kind oder die spätere Quasi-Vermarktung ihrer Andersartigkeit auf der Bühne. Wie Eva genau denkt und fühlt, zeigt sich leider nur andeutungsweise in ihren äußeren Gefühlsregungen.

Das genügt immerhin, um bis zum recht rührseligen Schluss mit der tapferen Außenseiterin mitzufiebern. Die drei Darstellerinnen Aurora Lindseth Løkka (Eva als 7-Jährige), Mathilde Thomine Storm (Eva als Jugendliche) und Ida Ursin-Holm (Eva als junge Frau) schaffen es trotz Tragen einer Gesichtsmaske, überzeugend und ausdrucksstark zu spielen.

Allein die Entwicklung der Maske durch Make-up Effects Artist Conor O'Sullivan hat übrigens 10 Millionen Euro des Produktionsbudgets verschlungen. Dafür wirkt sie extrem künstlich, was aber vielleicht auch beabsichtigt war: Eva sticht so noch mehr als Fremdkörper in der norwegischen Provinz hervor.

Ein wenig Disney-Naivität schwingt mit

Das "Löwenmädchen" setzt auf eine sehr märchenhafte, aber gerade deshalb so stimmungsvolle Bildsprache. So klar, simpel und eindeutig wie die optische Umsetzung bleiben auch die einzelnen Figuren. Besonders im Falle des schwedischen Schauspielers Rolf Lassgård ("Wallander") ist das sehr schade, weil er als mürrisch-überforderter Gustav Arctander keineswegs sein volles Potenzial ausschöpfen darf.

Die vielen vertrauten Klischees setzt Vibeke Idsøe durchaus gezielt ein, um die außergewöhnliche Geschichte einem breiten Publikum näherzubringen. Ihr Werk ist ein Plädoyer für Außenseiter und ein ermutigender Aufruf, an sich zu glauben. Frei nach dem Motto: Kämpfe für deinen Traum und er wird wahr!

Eine ordentliche Portion Disney-Naivität schwingt also mit, macht "Das Löwenmädchen" aber nicht zuletzt zu einem positiv gestimmten Filmerlebnis für die ganze Familie.

"Das Löwenmädchen" startet am 14. September 2017 im Verleih NFP bundesweit in den deutschen Kinos.

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  • Rezension zu:
    Das Löwenmädchen
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