Abel Makkonen Tesfaye, besser bekannt als The Weeknd, hat am 20. März sein viertes Album „After Hours“ herausgebracht. Seither sind viele euphorische Kritiken erschienen, die das Werk als bislang bestes seiner Karriere loben. Diese Rezension kann die Begeisterung nicht so recht nachvollziehen. Mehr...

The Weeknd leidet hinter der Elektro-Fassade
© Anton Tammi

Die treffsicheren Hits auf der neuen Scheibe von The Weeknd lassen sich an einer Hand abzählen. Fans von „Blinding Lights“ droht eine Enttäuschung.

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Abel Makkonen Tesfaye, besser bekannt als The Weeknd, hat am 20. März sein viertes Album „After Hours“ herausgebracht. Seither sind viele euphorische Rezensionen erschienen, die das Werk als bislang bestes seiner Karriere loben. An vielen Stellen heißt es, der 30-jährige Sänger habe es endlich geschafft, den Tiefgang und den verspielten Charakter seines 2011 veröffentlichten Mixtapes „House Of Balloons“ in den Mainstream zu bringen.

Dieses bescherte ihm den Durchbruch, weil es damals so erfrischend anders klang als alles andere im R'n'B-Genre. Vor allem inhaltlich bewies er Mut, neue Wege zu gehen: Statt über anzügliche Schlafzimmer-Episoden mit der aktuellen Flamme zu singen, blickte er lieber in seelische Abgründe. Genau hier setzt auch „After Hours“ wieder an, nachdem sich der Kanadier zuletzt auf „Starboy“ als Popstar inszeniert hat.

Zugeständnisse ans breite Publikum

Jetzt schlüpft Abel zurück in die Rolle des innerlich zerrissenen Antihelden, der von inneren Dämonen, Süchten, Ängsten sowie Depression und Selbstmitleid geplagt wird. Seine Leiden machen ihn zum Bösewicht in Beziehungen, bescheren ihm neue Einsamkeit, die er aber nicht ertragen kann und will („Alone Again“). Ganz schön starker Tobak!

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Daher verwundert es wenig, wenn Fans der Nummer-1-Single „Blinding Lights“ enttäuscht werden. Der Ohrwurm im 80er-Pop-Gewand versteht sich neben den ähnlich griffigen Songs „In Your Eyes“ und „Save Your Tears“ als leicht verdauliche Zugeständnis ans breite Publikum. Auch „Hardest To Love“ gehört noch zu den chartstauglicheren Tracks. Die Elektro-Ballade geht mit einem nervösen Beat im Hintergrund aber schon eigenwilligere Wege.

Willkommen zurück in den 80ern

Der Retro-Sound, all die Dark-Wave-Spielerien und anderen musikalischen 80er-Referenzen fungieren als roter Faden des Longplayers. In einigen Momenten gelingt den Produzenten, darunter DaHeala, Kevin Parker, Max Martin, OPN und Prince 85, eine nostalgische Atmosphäre („After Hours“). In anderen lassen sich zur Überproduktion hinreißen. Ein Bombast an analogen Synthies, Effekten und Beats machen passable Songideen kaputt und geraten zur anstrengenden Angelegenheit – erst recht in Verbindung mit den düsteren Lyrics.

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Quelle: YouTube / The Weeknd

Tatsächlich ermüdet ausgerechnet auch Tesfayes Markenzeichen, nämlich seine unverkennbare Falsettstimme, bereits nach kurzer Zeit. Viel zu oft wird diese entfremdet oder mit leichtem Autotune versehen („Too Late“, „Faith“). Bei „Snowchild“ und „Escape From L.A.“ muss sie sich mit arg monotonen Melodien begnügen. Viel zu selten offenbart sie dagegen jenes gefühlvolle Vibrato, das an Michael Jackson erinnert.

Das Gefühl bleibt auf der Strecke

Doch genau das wäre gerade bei den verschleppten, weniger eingängigen Stücken („Repat After Me“, „Until I Bleed Out“) so wichtig gewesen, um die Verzweiflung des Protagonisten greifbar und nachvollziehbar zu machen. Doch Abels immenser Seelenballast versteckt sich konsequent hinter einer mächtigen Elektro-Wand, die kaum Emotionen durchlässt.

Ganz ehrlich: Ein Album voller auf den Punkt produzierter Hits à la „Blinding Lights“ hätte alternativ deutlich mehr Spaß gemacht, zumal sich kommerziell und originell in diesem Fall auch überhaupt nicht widersprechen.

Wie seht ihr das? Seid ihr von „After Hours“ enttäuscht oder begeistert? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Veröffentlichung am 20.03.2020 (Republic / Universal Music)

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