An Nico Santos gibt es kein Vorbeikommen – jedenfalls nicht im deutschen Formatradio. Seit drei Jahren wird dort quasi jede Single des 27-Jährigen bis zur Unerträglichkeit rauf- und runtergedudelt. Die abgedroschenen Ohrwürmer sind nun geballt auf dem zweiten Album des Sängers erschienen. Mehr...

Einmal durch die Pop-Hölle mit Nico Santos
© Universal Music

Hits vom Reißbrett gefällig? Auf dem zweiten Longplayer von Nico Santos wird Originalität kleingeschrieben.

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An Nico Santos gibt es kein Vorbeikommen – jedenfalls nicht im deutschen Formatradio. Seit drei Jahren wird dort quasi jede Single des 27-Jährigen rauf- und runtergedudelt. Nach penetranter Dauerrotation über Wochen und Monate hinweg kann die Songs vermutlich keiner mehr hören.

Bei einigen Zeitgenossen mag dies vielleicht sogar aggressives Verhalten hervorrufen – motzige WhatsApp-Nachrichten an den Sender inklusive. Schließlich verspricht der in seinen Jingles immer wieder einen abwechslungsreichen Musikmix. Oder ist das etwa ironisch gemeint?!

Alte Hits neu aufgewärmt

Nun gut, manche brauchen den Kick, müssen sich austesten und an ihre absoluten Grenzen gehen: Wie viele abgedroschene Ohrwürmer von Nico Santos sind wohl in geballter Form zu ertragen, bis körperlicher Schmerz einsetzt oder bis zumindest die Ohren bluten?

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Für Hartgesottene hat der Sänger sein zweites Album veröffentlicht, das schlicht seinen Namen trägt. Darauf sind nicht nur seine seit August 2019 erschienenen Singles zu finden, etwa "Play With Fire" und das Duett "Better" mit Lena Meyer-Landrut.

Auch die beiden größten Hits vom Debüt "Streets Of Gold" (2018) wurden noch einmal neu aufgelegt: Bei "Rooftop" trällert jetzt Kelvin Jones ("Call You Home") mit und Rapper Kool Savas steuert ebenso ein paar Zeilen bei. Für "Unforgettable" holte sich Santos seinen Kumpel Alvaro Soler ("La Cintura") ins Studio.

Lewis Capaldi als Vorlage

Im Grunde hätten die Kollegen auch spontan bei den neuen Songs mitmachen können, ganz ohne sich vorab dafür vorbereiten zu müssen. Die Melodien klingen jedenfalls allzu vertraut und verlaufen ohne jegliche Überraschungen. Die meisten Nummern funktionieren nach dem "Schon mal irgendwo so ähnlich gehört"-Prinzip, auch was ihre Inszenierung angeht.

Die Piano-Balladen "Low On Love" und "Walk In Your Shoes" wandern fast schon unverschämt frech auf den Spuren von Lewis Capaldi. Das Copy-and-paste-Konzept für große Emotionen will leider nicht aufgehen, selbst wenn es inhaltlich um Liebeskummer oder gar den Unfalltod eines Freundes geht. So herzergreifend und authentisch leiden wie Capaldi kann ein Nico Santos einfach nicht.

Er macht eine bessere Figur als Einmann-Boygroup mit R'n'B-Pop-Liedchen wie "7 Days" und "Easy", die vor 20 Jahren auch von den Backstreet Boys oder *NSYNC hätten kommen können. Die Dance-Tracks "Like I Love You" und "Killing Me" sind deutlich moderner produziert. Die stampfenden Beats gehen allerdings einher mit unnötig viel elektronischem Schnickschnack.

Inspiriert von "Blinding Lights"

Der Gesang wird ständig entfremdet und mit zahlreichen Effekten versehen. Der leicht raue Crisp in Nicos Stimme kommt so leider nicht mehr zur Geltung. Die Produzenten-Entourage des Künstlers verspielt damit ein entscheidendes Wiedererkennungsmerkmal. Das wäre angesichts des extrem austauschbaren Songmaterials aber besonders wichtig gewesen.

Bestes Beispiel für die seelenlose Fließbandarbeit: Die neue Single "Nothing To Lose" versucht unüberhörbar, dem Nummer-1-Hit "Blinding Lights" von The Weeknd nachzueifern. Vermutlich schafft es Nico Santos genau so auch wieder in die Dauerschleife im Radio. Es ist ein Teufelskreis. Willkommen in der Pop-Hölle!

Veröffentlichung am 8. Mai 2020 (Virgin / Universal Music)

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