Bei London Grammar dreht sich alles um Frontfrau Hannah Reid, künftig noch mehr als ohnehin schon. Mit dem neuen Album „Californian Soil“ präsentiert sich die Sängerin und Songwriterin selbstbewusst und macht klare Ansagen, worauf sie keine Lust mehr hat. Mehr...

Neue Musik von London Grammar: Die Emanzipation der Hannah Reid
© Alex Waespi / Universal Music

Bei London Grammar dreht sich alles um Frontfrau Hannah Reid, künftig noch mehr als ohnehin schon.

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Die Musikindustrie ist ein knallhartes Geschäft. Gerade junge Künstler werden gerne mal verheizt. Sie sind noch unerfahren, naiv und formbar, wagen es nicht Nein zu sagen und eigene Bedürfnisse durchzusetzen. Auch Hannah Reid von der britischen Indie-Pop-Band London Grammar kann auf ähnliche Erfahrungen zurückblicken und weiß: Als Frau hatte und hat sie es besonders schwer.

Zwar bewege sich die Musikindustrie hinein in eine neue Generation, wie die inzwischen 31-Jährige feststellt. „Aber die alte Generation ist immer noch mächtig. Wenn man eine Sängerin mit einer ätherischen Stimme ist, geht diese alte Schule immer noch davon aus, dass sich die Jungs um alles andere kümmern müssen“, mahnt sie an.

Eine „feministische Platte“

Mit „Californian Soil“, dem dritten Album von London Grammar, will die Musikerin nun aber ein Zeichen setzen. Selbstbewusst tritt Reid diesmal klar als Ton angebende Bandleaderin ins Rampenlicht. Diese Rolle forderte sie klar gegenüber Gitarrist Dan Rothman und Soundtüftler Dot Major ein. Ihre Mitstreiter reagierten mit voller Unterstützung.

„Die Botschaft dieser Platte dreht sich um die Erfahrung, eine Frau zu sein“, erklärt Dot. Daher war es also nur logisch und konsequent, Hannah wirken und walten zu lassen. Sie selbst bezeichnet die neue Scheibe als „feministische Platte“, die auf Selbstbestimmung und Selbstkontrolle abzielt.

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Gleich in zwei Songs, „California Soil“ und „America“, spielt sie mit dem Motiv des großen amerikanischen Traums. Der kann sich als Albtraum entpuppen, wenn er fremdgesteuert wird. In erster Linie rechnet Reid hier mit den Schattenseiten des Musikbiz ab, die sie als Frau zu spüren bekommen hat. Gleichzeitig üben die Titel Kritik an Politik und Gesellschaft. Für Rothman geht es um „die Vergiftung alter Machtstrukturen, die niemandem gedient haben“.

Fokus auf Hannahs Stimme

Auch in Herzensdingen thematisiert Reid Befreiungsschläge: Das elektronische „Lord It's A Feeling“ entlarvt seelischen Missbrauch in einer Beziehung, der es zu entkommen gilt. Im verspielten „Baby It's You“ wird dagegen die erlösende Kraft der Liebe zelebriert. Sie hat die Macht, alles andere auszublenden und einen regelrecht abheben zu lassen. Die tanzbaren Beats bei dem Track sind allerdings die Ausnahme.

London Grammar setzen auf vorwiegend ruhige Songs mit reduzierter Instrumentierung („Missing“, „All My Love“). Reids charismatisch-betörende Stimme steht voll und ganz im Fokus und wird stets mit viel Hall versehen. Das schafft Atmosphäre und verleiht vielen Titeln einen geheimnisvollen, fast schon mystischen Charakter. Mit „How Does It Feel“ und „I Need The Night“ kommt es aber auch zu radiokompatibleren und gleichzeitig beliebigeren Pop-Momenten.

Bruch mit Erwartungen

Den Holzhammer-Refrain für einen sicheren Hit packt das Trio aus Nottingham aber weiterhin nicht aus. Melodien werden bei London Grammar ohne Zweifel großgeschrieben. Doch sie umarmen mehr, anstatt sich aufzudrängen. Tatsächlich gilt das vor allem für die Strophen des neuen Materials. Sie versprechen in vielen Fällen mehr Eingängigkeit, als die Refrainzeilen schließlich zu bieten haben.

Vielleicht wird hier ganz bewusst mit den Erwartungen des Publikums gespielt. Da dies aber fast durchgehend passiert, verpufft der Überraschungseffekt schnell. So hätte dem Longplayer ein bisschen mehr Mut zum Ohrwurm durchaus gut getan. Eine runde Sache ist er dennoch.

Mehr Infos zur Band: londongrammar.com

Veröffentlichung am 16. April 2021 (Island / Universal Music)

Eine Verbindung mit YouTube und ggf. eine Übertragung personenbezogener Daten finden erst nach Klick auf den unteren Button statt. Mehr Infos...

Quelle: YouTube / London Grammar

CD zu gewinnen

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