Auf ihrem sechsten Album „Chromatica“ kehrt Lady Gaga zurück zu ihren Wurzeln. Im Klartext: Der angestaubte Eurodance-Baukasten wurde noch einmal ausgepackt. Allerdings fehlt es diesmal an griffigen Melodien, die Hits wie „Poker Face“ und „Bad Romance“ ausgemacht haben. Mehr...

Ganz viel Eurodance-Trash von Lady Gaga
© Norbert Schoerner, Universal Music

Trash-Queen Gaga zelebriert einmal mehr die 90er, aber ohne große Melodien. Ein Fall für die Skip-Taste!

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Auf dem Cover zu ihrem sechsten Werk „Chromatica“ präsentiert sich US-Superstar Lady Gaga als Kriegerin eines fremden Planeten. Der exzentrisch-schräge Look stellt eines schon vorweg klar: Ihr Ausflug ins Singer-Songwriter-Fach auf dem Vorgänger „Joanne“ (2016) ist genauso beendet wie ihre Kuschelrock-Einlage für den Film „A Star Is Born“. Stattdessen kehrt die 34-Jährige zu ihren musikalischen Anfängen zurück.

Genau wie einst ihr Debüt „The Fame“ (2008) und der EP-Nachschub „The Fame Monster“ (2009) setzt auch „Chromatica“ wieder auf 90er-Sounds aus dem Eurodance-Baukasten. Der Unterschied: Anno 2020 durfte sich eine ganze Riege an Top-Produzenten wie BloodPop, Axwell, Skrillex, Max Martin, Matthews Burns, Rami Yacoub, Sebastian Ingrosso und Ryan Tedder daraus bedienen, um der Gaga neue Hits auf den Leib zu schneidern. Das Problem: Trotz der vielen bekannten Namen im Hintergrund erweist sich die Ohrwurm-Ausbeute als überraschend gering.

Überproduzierter 90er-Sound

Ein neues „Poker Face“, „Paparazzi“ oder „Bad Romance“ bleibt die Sängerin ihren Fans schuldig. Statt großer Melodien und griffiger Hooklines verlassen sich die Tracks vor allem auf stampfende 4-to-the-floor-Beats und redundante Textzeilen („Stupid Love“). Die Stimme der Sängerin wird oft gesampelt, noch öfter entfremdet und mit allerhand Effekten versehen („Alice“, „911“). Auch der madonna-esque Sprechgesang à la „Vogue“ spielt wie bereits in der Vergangenheit eine wichtige Rolle im Gaga-Universum („Babylon“). Diesmal sorgt er für zusätzliche Monotonie.

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Innerhalb des EDM-Genres ist „Chromatica“ zwar um Abwechslung bemüht und spielt mit House-, Trance-, Disco-, Drum-and-Bass- und Techno-Elementen. Doch leider geschieht dies geballt in nahezu jedem Song. Das führt zu einem regelrechten Trash-Bombast an abgedroschenen 90er-Synthies und Kirmes-Beats. Dieser lässt Albumgäste wie Ariane Grande („Rain On Me“) oder die südkoreanische Girlgroup Blackpink („Sour Candy“) ziemlich untergehen.

Hymnische Refrains verzweifelt gesucht

Immerhin Elton John schafft es, sich bei „Sine From Above“ Gehör zu verschaffen. Sein unverkennbares Timbre veredelt eben selbst eine simple Dance-Nummer, die wie typische ESC-Kost der frühen 2000er anmutet. Diese bleibt aber tatsächlich noch einer der wenigen Lichtblicke auf „Chromatica“. Dazu zählt auch das mitsingtaugliche „Fun Tonight“, das ebenfalls einen zündenden Refrain vorweisen kann.

Dem Großteil des neuen Songmaterials fehlt jedoch jener hymnische Pop-Appeal der Gaga-Hits vergangener Tage. Das widerspricht den Lyrics, in denen es um Befreiungsschläge, Heilungs- und Emanzipationsprozesse sowie Selbstbestimmung geht. Gagas ermutigende Parolen besitzen ohne passende Melodien keine Wirkung.

Wie Fremdkörper gesellen sich zur elektronischen Retro-Club-Ware drei orchestrale Instrumentalstücke, die den Albumtitel tragen. Diese sind so kurz ausgefallen, dass sich das Bemühen der Skip-Taste kaum lohnt. Bei so manch anderen Tracks auf „Chromatica“ können drei Minuten aber verdammt lang werden. Fazit: Mit einer Best-of-90er-Eurodance-Compilation kommt definitiv mehr Partystimmung auf.

Mehr Infos zur Künstlerin: www.ladygaga.com

Veröffentlichung am 29. Mai 2020 (Interscope / Universal Music)

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