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Neuausrichtung: Odeville entdecken den Pop

Neuausrichtung: Odeville entdecken den Pop © Melanie Beisenbach

Alles anders auf Album Nummer 6: Odeville eifern jetzt Mainstream-Acts wie Revolverheld und Silbermond nach.

Odeville ist eine fünfköpfige Band aus Hamburg. Die Gründung erfolgte bereits vor über zehn Jahren. Der große kommerzielle Durchbruch blieb den Jungs aber bislang verwehrt. Dabei haben die Nordlichter schon viel ausprobiert: Auf ihrem Debüt "I Am Tourist" gaben sie sich noch rebellisch und vielleicht ein bisschen exzentrisch: Titel wie "Summerset" und "Amber" besitzen eine fast bedrohliche Atmosphäre und erinnern an die frühen Werke von Placebo.

2013 dann der erste große Bruch: Odeville entdeckten die deutsche Sprache für sich. Auf der Scheibe "Heimat" gaben sie sich aber noch wie gehabt sperrig und setzten auf deftige Gitarrenriffs. Der Nachfolger "Helion" hatte mit Stücken wie "Für einen kurzen Moment" und "Tier" ebenfalls noch richtig Brachiales zu bieten.

Mit Produzent Arne Neurand in den Mainstream-Pool

Was auf Festivals hervorragend funktionierte, blieb von der breiten Masse jedoch ungehört. Als Indie-Band hätte man da getrost mit den Schultern zucken können. Frei nach dem Motto: Kommerzieller Erfolg ist nicht alles, musikalische Freiheit dagegen schon!

Odeville scheinen aber nach mehr Aufmerksamkeit zu streben. Die Zusammenarbeit mit Produzent Arne Neurand, der schon für Bands wie Guano Apes, Subway To Sally und Marquess tätig war, bringt nun einen radikalen Stil-Wandel. Für das neue und nunmehr sechste Album "Phoenix" springt das Quintett kopfüber in den Mainstream-Pool, wo bereits Revolverheld, Silbermond und Co fröhlich planschen.

Die eingängige Vorab-Single "Lichtblick" wurde von den Formatradios schon Ende des letzten Jahres dankbar ins Programm aufgenommen. Etwa weil sie klingt wie eine neues Lied von Adel Tawil? Tatsächlich weist die Stimme von Odeville-Sänger Hauke Hareis große Ähnlichkeiten zum ehemaligen Ich+Ich-Frontmann auf.

Ganz viel Pathos für die Schwiegermutter

Die Texte auf  "Phoenix" wecken dagegen klare Assoziationen an Blumfeld: Es wird immer ein bisschen zu viel aufgetragen, die Zeilen stecken voller Pathos und bedeutungsschwangeren Metaphern. Hareis passt sich ganz dem seichten Pop-Gewand an, schmettert die hymnischen Refrains absolut schwiegermuttertauglich mit extra viel Gefühl.

Songs wie "Kinder der Stadt", "Die Letzte deiner Art", "Feuertaufe" und "Mutiges Herz" sind noch recht rockig inszeniert, aber doch glatt poliert für den potenziellen Radioeinsatz. "Irgendwo im Nirgendwo" bleibt die einzige Nummer, die einen größeren Ausbruch wagt und eine gewisse Punk-Attitüde mitbringt. Im krassen Kontrast dazu stehen das Titellied "Phoenix" und das melodiöse "Bis es Morgen wird": Das ist 08/15-Balladenkost, die auf einem Deutsch-Pop-Album natürlich obligatorisch Platz findet.

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Die Frage ist nur: Ist zwischen Revolverheld, Silbermond und Co tatsächlich noch eine Lücke frei für Odeville? Am Ende hat sich die Band vielleicht zu sehr verbogen und angepasst, um noch aus der aktuellen Vielzahl an deutschsprachigen Acts herauszustechen. Ihre bisherigen Fans dürfte sie mit der musikalischen Neuausrichtung ohnehin vor den Kopf stoßen.

Link: www.odeville.de

Veröffentlichung am 15.01.2016 (Rent A Record Company - H'ART)

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    Odeville: Phoenix
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