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Jungs, ihr seid nicht mehr cool!

Jungs, ihr seid nicht mehr cool! © 25 Media

Nach dem Plastik-Pop-Ausrutscher "Roulette" folgt mit "Colours" nun ein langweiliges Soul-Album. Die gealterte Boygroup Blue hat ihre Coolness verloren.

Vor 14 Jahren zählten Blue zu den erfolgreichsten und beliebtesten Boygroups. Ausgestattet mit markanten Stimmen und griffigen R'n'B-Pop-Songs waren Lee Ryan, Antony Costa, Simon Webbe und Duncan James immer ein bisschen cooler als die Konkurrenz. Selbst die romantischen Balladen im Repertoire der damaligen Teeniestars hinterließen keine meilenweite Schleimspur. "Breathe Easy" hat sich mit den Jahren sogar zu einer Art Pop-Klassiker gemausert. Die Coverversion von "Sorry Seems To Be The Hardest Word" mit Elton John liegt inzwischen besser im Ohr als das Original.

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Doch die Hochzeiten der Briten sind längst vorbei. Nach jahrelanger Pause fiel das Blue-Comeback beim Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf enttäuschend aus: Mit dem Song "I Can" landete die Band nur auf Platz 11 beim Wettbewerb. Das 2013 nachgeschobene Album "Roulette" konnte mit einer Überdosis Plastik-Pop ebenfalls nicht an alte Erfolge anknüpfen. Mit dem nunmehr fünften Longplayer "Colours" wollen Blue jetzt wieder die Charts erobern. In ihrer Heimat Großbritannien ging das allerdings schon schief: Nachdem die Scheibe im vergangenen März gnadenlos floppte, löste Sony Music bereits im April den eigentlich zwei Alben umfassenden Plattenvertrag mit der Band auf.

Der nächste Comeback-Versuch

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erscheint "Colours" hierzulande nun mit reichlich Verspätung über das kleine Label 25 Media. Ursprünglich als reines Coveralbum mit Soulsongs konzipiert enthält die Scheibe jetzt doch nur vier Neuinterpretationen bekannter Hits. Die Auswahl der Titel ist dabei nicht sonderlich originell ausgefallen: Braucht die Welt wirklich noch eine kitschige Neuauflage des Klassikers "If You Don't Know Me By Now" (Harold Melvin & The Blue Notes) oder eine Weichspül-Variante von "I Don't Want To Talk About It" (Rod Steward)?

Besser funktioniert das groovende, aber leider altbacken produzierte "Hang On In There Baby" von Johnny Bristol, das bereits vor Jahren von Gary Barlow gecovert wurde. Todlangweilig plätschert dagegen die R'n'B-Nummer "You're The Only One". Schon das Original von Eric Benet war eine sichere Einschlafhilfe. Was ist bloß passiert? Blue klingen plötzlich so gar nicht mehr cool. Können die selbst geschriebenen Stücke mehr überzeugen?

Bedingt, so lautet wohl die diplomatischste Antwort darauf. Der Opener "King Of The World" geht mit ganz viel Doo-Woop-Feeling prima ins Ohr und wurde zu Recht als erste Single auserkoren. Wirklich zeitgemäß klingen Blue aber auch damit nicht. Bruno Mars und Meghan Trainor haben es da zuletzt viel besser geschafft, typische 60s-Elemente in die moderne Pop-Welt zu holen.

Hörenswert dank Simon und Lee

"Home" will ein neues "Breathe Easy" sein, bleibt aber nur eine austauschbare Boygroup-Ballade mit Floskel-Lyrics. Am ehesten an alte Blue-Titel erinnert noch das soulig-poppige "Nothing Like You". Die textlichen Liebesbekunden haben sicher auch keinen Innovationspreis verdient. Vor zehn Jahren wäre das trotzdem ein Top-Ten-Hit für Blue gewesen. Doch 2015 schmeckt dieser Song einfach nicht frisch genug.

Gleiches gilt für das beinahe schon schlagereske "Flashback" und die unauffälligen Albumfüller "Special" und "Endless Love". Und überall diese 70er-Geigen! Blue schlittern bei so viel schmierigem Kitsch zielsicher Richtung Versenkung.

Das ist wirklich schade, denn gesanglich präsentieren sich die vier Musiker noch immer in Top-Form. Vor allem die Stimmen von Simon Webbe und Lee Ryan heben sich ab. Sie machen "Colours" trotz des langweiligen Songmaterials hörenswert für Fans.

Veröffentlichung am 20.11.2015 (25 Media / Rough Trade)

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    Blue: Colours
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