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Die ultimative Rockröhren-Attacke

Die ultimative Rockröhren-Attacke © Universal Music

Nach einem erfolglosen Plastik-Pop-Ausflug mit Timbaland setzt Chris Cornell auf seiner neuen CD wieder auf handgemachten Sound.

US-Sänger Chris Cornell hatte in den letzten Jahren viel gut zu machen bei seinen Fans. Sein letztes Solo-Album "Scream" aus dem Jahre 2009 empfanden diese als Schlag ins Gesicht: Damals ließ Cornell seine Grunge- und Rockwurzeln links liegen und verursachte mit chartsorientiertem Elektro-Einweg-Pop aus der Produktionsschmiede von Timbaland fragende Blicke und Naserümpfen. Der Stil- und Imagewechsel ging in die Hose und kostete dem Songwriter viel Glaubwürdigkeit.

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Mit der Reunion seiner Band Soundgarden im Jahre 2010 versuchte er den Flop schnell vergessen zu machen. 2011 folgte ein Akustik-Best-of ("Songbook") mit reduzierten Neuinterpretationen seiner bekanntesten Songs aus Soundgarden-, Audioslave- und Solozeiten sowie einigen Coverversionen. Genau hier knüpft Cornell nun mit seinem neuen Longplayer "Higher Truth" an, für den er Produzent Brendan O'Brien (Bruce Springsteen, Neil Young) gewinnen konnte.

Wer ist hier der Boss?

Die sehr dynamischen Songs sind zu opulent inszeniert, um tatsächlich als reduzierte Unplugged-Nummern durchzugehen. Streckenweise steigern sich die Titel sogar zu einem richtig rockigen Finale ("Murder Of Blue Skies", Higher Truth"). Doch der reichliche Einsatz von Piano, Akustikgitarre, Mandoline, Mundharmonika und einer Menge Streichern sorgt für eine angenehm organische Soundbasis. Das erinnert mitunter sicher nicht zufällig an den großen The Boss ("Worried Moon"), was wohl O'Briens Einfluss zu verdanken ist.

Cornell pfeift mit seinem mächtig-markanten Organ lautstark auf Vergleiche und klärt die Cheffrage eindeutig: Mit viel gepresster Stimmgewalt und Pathos dominiert er jeden Titel fast schon penetrant. Es gibt kaum Momente auf dem Album mit instrumentalen Passagen, mal abgesehen von den Intros. Der Gesang wirkt fast durchgehend ein bisschen übersteuert und zu laut abgemischt, selbst bei ruhigen Stücken wie dem folkigen "Dead Wishes" und der etwas arg beliebigen Ballade "Before We Disappear".

Was bleibt wirklich hängen?

Ähnlich anstrengend sind die für den 51-Jährigen typischen, aber immer wieder dissonant-schrägen Harmoniesprünge: Diese stören wie beim Opener "Nearly Forget My Broken Heart" oder dem unruhigen, orientalisch angehauchten "Our Time In The Universe" den Melodieverlauf. Vielleicht will sicher daher keiner der neuen Songs so recht im Ohr festsetzen.

Auch nach mehreren Durchgängen bietet "Higher Truth" keine nachhaltigen Ankerpunkte. Im Gedächtnis bleibt lediglich, wie oft Cornell Metaphern bemüht, um über die Vergänglichkeit des Lebens zu singen. Das schmeckt alles so ein wenig nach Midlife-Crisis. Da wünscht man sich ein baldiges Wegrocken der Krise mit einem weiteren Soundgarden-Album.

Link: www.chriscornell.com

Veröffentlichung am 18.09.2015 (Universal Music)

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    Chris Cornell: Higher Truth
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