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Familiendramen und Psychosen im malerischen Cornwall

Familiendramen und Psychosen im malerischen Cornwall © Philippe Matsas / Droemer Knaur

Eine junge Frau verliert die Kontrolle über ihr Leben, als ihr kleiner Stiefsohn eine beängstigende Prophezeiung macht.

Hinter S. K. Tremayne steckt der britische Reisejournalist und Autor Sean Thomas, der auch schon unter seinem bürgerlichen Namen und unter dem Pseudonym Tom Knox Bücher veröffentlicht hat. "Stiefkind" ist nach "Eisige Schwestern" der zweite Psychothriller des Mittfünfzigers unter dem Tremayne-Label. Gerade zu Beginn wird der knapp 400 Seiten dicke Roman dieser Genre-Einordnung allerdings keineswegs gerecht.

Er liest sich vielmehr wie eine kitschige Liebesgeschichte im Rosamunde-Pilcher-Stil: Rachel, eine junge Frau aus ärmlichen Verhältnissen, scheint mit dem älteren und wohlhabenden Anwalt David Kerthen ihren absoluten Traumprinzen gefunden zu haben. Das Paar heiratet bereits nach wenigen Monaten und Rachel zieht zu ihrem Mann und ihrem 9-jährigen Stiefsohn Jamie in ein altes Herrenhhaus im malerischen Cornwall.

Trautes Heim, Unglück allein

Die Idylle trügt, erst vor eineinhalb Jahren spielte sich dort ein Drama ab: Davids erste Frau Nina kam an Weihnachten bei einem schrecklichen Unfall ums Leben. Sie ist in den Schacht einer der alten, zum Familienerbe gehörenden Zinnminen gestürzt und wohl ertrunken. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Der kleine Jamie hat den Verlust seiner Mutter noch immer nicht überwunden. Er scheint Rachel zwar zu mögen, begegnet ihr aber verschlossen und nachdenklich.

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David kann sich unterdessen kaum um seinen Sohn kümmern. Er arbeitet weiterhin in London und verbringt nur die Wochenenden daheim. Kleine Unterhaltungen mit der Haushälterin und Davids Mutter retten Rachel über den Tag. Ansonsten muss sie sich mit viel Stille und Einsamkeit arrangieren. Von David hat sie die Aufgabe bekommen, Ninas Renovierungs- und Einrichtungspläne für das Haus weiterzuspinnen.

Die Unterlagen und Notizen ihrer Vorgängerin offenbaren Rachel mehr und mehr Details und Geheimnisse über die Kerthen-Familie. Als sich Jamie zunehmend merkwürdig verhält und behauptet, seine Mutter gesehen zu haben, gerät die Protagonistin ins Grübeln: Wurde Nina etwa ermordet? Oder ist sie gar noch am Leben?

Der Tod kommt zum Fest

„Weihnachten bist du tot", mit dieser beängstigenden Prophezeiung bringt Jamie Rachel endgültig aus der Fassung. Angst und Wahnsinn kriechen in ihr hoch und wecken dunkle Erinnerungen an ihr eigenes Kindheitstrauma. Mit David kommt es zum großen Krach. Er scheint ihr so vieles verheimlicht zu haben. Hinter seiner charmanten Fassade brodelt etwas Unberechenbares.

Nach dem seichten Start packt Sean Thomas quasi den Holzhammer aus, um die heile Welt auf Wolke sieben abrupt zu zertrümmern. Eine unverhoffte Sexszene mit gewissem "Shades Of Grey"-Faktor bringt erste Anzeichen von Gewalt ins Spiel. Schnell ist abzusehen, dass diese schließlich eskalieren wird.

Doch zuvor versucht der Autor, mit Mystery-Elementen Spannung und Atmosphäre heraufzubeschwören. Dabei lässt er seine Leser völlig in der Luft hängen. Geht es jetzt tatsächlich in eine übernatürliche Richtung oder gibt es für all die seltsamen Vorkommnisse doch eine vernünftige Erklärung?

Dämonen der Vergangenheit

Diese Ungewissheit verleitet zwar zum Weiterlesen. Sie stört aber gleichzeitig auch, weil man nicht genau weiß, auf was man sich da einlässt. Im Grunde betreibt Thomas hier nur ein ausgiebiges Ablenkungsmanöver. Zudem verliert er sich mit seinen blumigen Landschaftsbeschreibungen sowie den Erzählungen um die Kerthen-Minen immer wieder in irrelevanten Details.

Die eigentliche Geschichte kommt erst in der zweiten Romanhälfte in Fahrt. Wenn Rachels angeschlagene Psyche in den Vordergrund rückt, findet Thomas endlich einen flüssigen Erzählrhythmus und einen roten Faden. Die niederschmetternde Vergangenheit der Figur verheimlicht er bewusst so lange. Denn kaum liefert er mehr Informationen dazu, ist die Auflösung des ganzen Spuks in etwa zu erahnen.

Ein unentschlossener Roman

Das konfuse Story-Konstrukt funktioniert schließlich nur dank haarsträubender Zufälle und viel Mut zu Logiklücken. Solche Notlösungen trüben das Lesevergnügen. Da es selbst zum großen Finale des Romans nur bedingt spannend wird, überwiegt am Ende die Enttäuschung.

"Stiefkind" wirkt insgesamt sehr unausgegoren und unentschlossen: Lovestory, Gruselmär, Psychodrama, Thriller und Cornwall-Saga – Sean Thomas alias S. K. Tremayne versucht einfach zu viel unter einen Hut zu bringen. Jeder kleine Genre-Ausflug bleibt dabei halbherzig. Die unterschiedlichen Elemente und Stimmungen wollen einfach nicht zueinanderpassen. Aber warum ist das dem Lektor nicht aufgefallen?

"Stiefkind" von S. K. Tremayne ist im Januar 2018 im Knaur Taschenbuchverlag erschienen.

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  • Rezension zu:
    S. K. Tremayne: Stiefkind
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