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Düstere Krimikost in zäher Dialogform

Düstere Krimikost in zäher Dialogform © Santiago Albanell, Bastei Lübbe

Der Krimi „Ein finsterer Ort“ von Autor James Marrison leidet unter langatmigen Dialogen und dem ständigen Wechsel der Erzählperspektiven.

Während seines Studiums an der Universität von Edinburgh beschäftigte sich James Marrison mit der Geschichte des FBI. Seit 1996 lebt der Journalist und Autor in Buenos Aires und gilt als Experte in Sachen Verbrechen. In seiner Romanreihe um den britisch-argentinischen Ermittler Guillermo Downes stecken viele Erfahrungswerte aus Recherchen, die er für Reportagen durchgeführt hat.

„Ein finsterer Ort“ ist nach „Das Mädchen im Fenster“ der zweite Band der Serie, der aber auch unabhängig und ohne Vorwissen funktioniert. Die Geschichte beginnt blutig: In einem Farmhaus in den Cotswolds, einer sehr ländlichen Region im Herzen Englands, werden zwei Männerleichen gefunden. Der Hausbesitzer, ein ehemaliger Sträfling, wurde brutal im Wohnzimmer hingerichtet. Ein Reporter liegt mit aufgeschlitzter Kehle in der Küche.

Grausame Verbrechen an Kindern

Der Fall fällt in die Zuständigkeit von Inspector Downes und seinem neuen Kollegen Graves. Am Tatort finden die beiden alte Polaroids, die erahnen lassen, was hinter den Morden stecken könnte: Auf den Fotos sind vermisste Jungen zu sehen, die in einem düsteren Behandlungszimmer abgelichtet wurden.

Nach und nach kommen Downes und Graves einem perfiden Serienkiller-Duo auf die Spur, welches über Jahrzehnte hinweg Kinder entführt, missbraucht und getötet hat. Doch wie konnten die grausamen Taten so lange im Verborgenen bleiben?  

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Bis zur Auflösung müssen sich die Leser gemeinsam mit den Protagonisten durch zähe Ermittlungsarbeit kämpfen. Diese findet zum Großteil in Form von unendlichen Dialogen statt. Das macht die Story unnötig komplex.

Notizzettel zu empfehlen

Problematisch sind vor allem die vielen verschiedenen Namen, die innerhalb der Gespräche immer wieder geballt fallen. Es erweist sich als äußerst schwierig, den Überblick zu behalten. Tatsächlich wäre es sinnvoll, sich während des Lesens kleine Notizen zu jeder der erwähnten Figuren zu machen.

Zusätzlich verwirrt Marrison mit dem regelmäßigen Wechsel der Erzählperspektive. Inspector Downes lässt er in Ich-Form berichten. In den Kapiteln, in denen Graves weitgehend im Alleingang in London nach Erklärungen sucht, kommt ein allwissender Erzähler zum Einsatz. Dieses Hin und Her wirkt unstimmig und macht gerade den Romaneinstieg sehr mühsam.

Als Hauptcharakter bleibt Downes zudem zu wenig im Mittelpunkt. Seine durchaus interessante Vergangenheit in Argentinien wird nur nebenbei angerissen und dient wohl als roter Faden innerhalb der einzelnen Bände. Doch diese Hintergrundgeschichte kommt diesmal kaum voran.

Definitiv kein Pageturner

Marrison füllt einen Großteil des Romans lieber mit redundanten Beschreibungen der Unwetterlagen. Selbst während eines gefährlichen Einsatzes bei strömendem Regen führen Downes und Graves langatmige Dialoge mit einer Flut an Überlegungen, Spekulationen und weiteren Namen. Ganz schön anstrengend!

So bleibt „Ein finsterer Ort“ leider weit davon entfernt, ein Pageturner zu sein. Wer düstere Krimikost mag, darf den Fällen um Downes aber durchaus eine Chance geben. Die kantige Figur bringt durchaus Potenzial mit, sich in weiteren Romanen der Reihe zum Selbstläufer zu entwickeln. Dazu muss Marrison fortan aber mehr über die Vergangenheit seines Protagonisten preisgeben.

„Ein finsterer Ort“ von James Marrison ist am 16. Februar 2017 im Bastei Lübbe Taschenbuchverlag erschienen.

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  • Rezension zu:
    James Marrison: Ein finsterer Ort
  • Redaktionswertung:
    Redaktionswertung
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