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Ein schwacher Fall für Agatha Raisin

Ein schwacher Fall für Agatha Raisin © Bastei Lübbe

Seichte Krimi-Lektüre für einen kurzweiligen Nachmittag: In "Agatha Raisin und der tote Friseur" bringt sich die titelgebende Protagonistin mal wieder selbst in tödliche Gefahr.

In Großbritannien ist die Romanserie um Hobbyschnüfflerin Agatha Raisin bereits seit Anfang der 1990er sehr populär. Sie stammt aus der Feder der schottischen Autorin Marion Chesney, die hier unter dem Pseudonym M.C. Beaton schreibt. Hierzulande erscheint die Krimireihe erst seit 2013.

Kürzlich lief die auf den Büchern basierende TV-Verfilmung "Agatha Raisin" bei ZDFneo. Die britische Produktion umfasst bislang einen Pilotfilm und acht 45-minütige Episoden. Eine Fortsetzung ist bislang ungewiss, auch wenn die Einschaltquoten in Großbritannien für den Pay-TV-Sender Sky zufriedenstellend ausfielen.

Vorwissen nicht erforderlich

Vorlagen für eine zweite Staffel gäbe es genug: Die Reihe umfasst bislang 25 Bücher. Der achte Band "Agatha Raisin und der tote Friseur" wurde in Großbritannien bereits im Jahre 1999 veröffentlicht, aber erst jetzt von Sabine Schilasky für den Bastei Lübbe Verlag aus dem Englischen übersetzt.

Es ist kein Vorwissen nötig, um in die Welt von Agatha Raisin einzutauchen. Allerdings hilft es vielleicht, die schrulligen und sehr oberflächlich gezeichneten Figuren besser einschätzen zu können. Bei der Titelheldin handelt es sich um eine ehemalige PR-Agentin mittleren Alters, die ihren Job in der Großstadt an den Nagel gehängt hat. In einem kleinen englischen Dorf hofft sie nun, glücklicher zu werden und vielleicht endlich auch den Mann fürs Leben zu finden.

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Beides gestaltet sich einmal mehr als schwierig: Agatha, die genug Geld verdient hat, um nicht mehr arbeiten zu müssen, langweilt sich auf dem Land fast zu Tode. Mit dem anderen Geschlecht will es auch nicht klappen: Ihre Liebe zu Nachbar James Lacey scheint endgültig gescheitert. Er ist ohne sie verreist, nachdem er von Agathas Nacht mit dem jüngeren Baronet Charles Fraith erfahren hat.

Hilfe, ein graues Haar!

Agathas Stimmung kippt endgültig, als sie zunehmend graue Stellen in ihren Haaren ausmacht. Die Vikarsfrau empfiehlt ihr Mr. John, einen Friseur im Nebenort. Der bringt nicht nur die Frisur der frustrierten Single-Dame in Ordnung, sondern macht ihr auch schöne Augen. Agatha fühlt sich geschmeichelt, ihr Bauchgefühl sagt ihr aber schnell: An dem Typ ist etwas gehörig faul!

Erpresst er etwa seine Kundinnen, die ihm während des Frisierens intime Geheimnisse verraten? Charles bestärkt Agatha darin, Mr. John genauer unter die Lupe zu nehmen und auf die Probe zu stellen. Ein gefährliches Unterfangen: Der Charmeur wickelt sie doch noch um seine Finger, bis er plötzlich tot in seinem Salon zusammenbricht. Agathas Schock hält sich in Grenzen, denn endlich kann sie in einem neuen Fall ermitteln. Langeweile ade!

Gemeinsam mit Charles stellt sie Nachforschungen an, um herauszufinden, wer den Friseur vergiftet hat. Eine Vielzahl Verdächtiger ist  schnell ausgemacht: Mr. John entpuppt sich posthum als Fiesling, der mit Vorliebe verheiratete Frauen zu folgenschweren Affären verführte. Hat eines seiner Opfer die Tat begangen?

Ohne Mann ist alles doof

Die Auflösung des Falles fällt am Ende wenig überraschend und allzu simpel aus. "Agatha Raisin und der tote Friseur" gehört aber nicht nur deshalb zu den schwächeren Teilen der Reihe. Die Geschichte kommt einfach viel zu spät in Fahrt: Marion Chesney schickt ihre Protagonistin zunächst zu unzähligen Friseurterminen und Abendessen mit Charles oder Mr. John. Situationen, Gespräche und Gedanken wiederholen sich, bevor es endlich die erste Leiche gibt. Doch selbst danach hält sich die Spannung in Grenzen.

Die Befragungen der Verdächtigen erweisen sich ebenfalls als redundant. Agatha geht dabei übrigens genauso naiv und unbedacht wie bei ihren Männerbekanntschaften vor. Chesney zeichnet ein äußerst altbackenes Frauenbild: Raisin macht ihr Wohlbefinden immer wieder von der Männerwelt abhängig. Vor allem vom arroganten Charles, der ihr nur nach Lust und Laune Zuneigung schenkt, lässt sie sich diesmal auf der Nase herumtanzen. Dem abwesenden James weint sie immer wieder hinterher. Auch von Polizist Bill Wong, der in diesem Band nur am Rande auftaucht, fühlt sich Agatha stark vernachlässigt.

Logik und Biss verzweifelt gesucht

Und dieses Häufchen Elend soll in London mal als taffe PR-Agentin gearbeitet haben? Kaum vorstellbar! Immerhin gegenüber den tratschenden Weibern aus dem Dorf tritt Agatha selbstbewusster und sogar richtig forsch auf. Als Hobbyschnüfflerin beweist sie sogar Mut und setzt sich regelmäßig gefährlichen Situationen aus. Oder siegen einfach nur ihre ausgeprägte Neugier und ihre fast schon kindliche Naivität über ihre Angst?

Man weiß es nicht genau: Die 1936 in Glasgow geborne Autorin lässt ihre Figuren einfach agieren, wie es ihr gerade für den Fortlauf der Handlung oder einen schnellen Gag in den Kram passt. Der Fall und Agathas Männergeschichten amüsieren diesmal aber nur bedingt. Die Reihe stand zwar schon immer für sehr einfache und seichte Krimi-Unterhaltung. Doch die anfänglichen Romane konnten mit deutlich mehr Biss und Charme punkten – ähnlich wie zuletzt die TV-Serie.

"Agatha und der tote Friseur" bietet sich daher nicht unbedingt als Einstiegsband an. Kurzweilig ist das Buch allemal und locker an einem langen Nachmittag durchgelesen.

"Agatha Raisin und der tote Friseur" von M.C. Beaton ist am 16. März 2017 im Bastei Lübbe Taschenbuchverlag erschienen.

Mehr Infos zur Autorin: www.mcbeaton.com

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  • Rezension zu:
    M.C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Friseur
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