Gesehen - Konzert | Laith Al-Deen in Karlsruhe | 06.02.12 Drucken
Wenn schon Schublade, dann Schmocker

Laith Al-Deen

Langjährige Fans wissen es lässt: Auf der Bühne wird Laith Al-Deen zum Rocker und zeigt seinem Schmuse-Image den Stinkefinger. Am 4. Februar brachte der Sänger die Festhalle in Karlsruhe-Durlach zum Kochen.

Schubladendenken können die Deutschen gut. Wurde ein Musiker hierzulande einmal in eine Schublade gesteckt, bleibt er in der Regel für immer darin gefangen. Auch Laith Al-Deen erwischte es gleich zu Beginn seiner Karriere vor fast 12 Jahren. Nach seinem Debüthit "Bilder von dir" drückte ihm die Boulevardpresse sogleich den Stempel "Schmuse-Papst" auf und hält auch nach nunmehr sieben Alben immer noch daran fest. Es ist eben bequem, Klischees zu bedienen, taugen sie doch allzu gut für Schlagzeilen oder oberflächliche Kritik.

Von wegen Schmusebarde

„Ihr habt ja keine Ahnung!“ - Zu diesem Ausruf lässt man sich nach dem Besuch eines Konzerts von Laith Al-Deen gerne hinreißen – mit einem zufriedenen Besserwisser-Grinsen im Gesicht. Auch dem Publikum in der Festhalle Karlsruhe-Durlach bewies der 39-Jährige am vergangenen Samstagabend eines ohne Zweifel: Er ist meilenweit davon entfernt, ein schmalziger Schlagerfritze zu sein. Für treue Fans des Mannheimers sicher keine neue Offenbarung. Sie wissen die rockende Rampensau Al-Deen schon lange zu schätzen.

Vor allem in der ersten Konzerthälfte ließen es Laith und seine eingespielte Band bei Stücken vom aktuellen Longplayer "Der letzte deiner Art" ordentlich krachen: Die Songs "Gib dich frei", "Lied für die Welt" und "Sterne", die auf CD nur sehr dezent und radiokompatibel rocken, servierten die Jungs im breiten und äußerst schmackhaften Gitarrensound.

Trotz der lautstarken Inszenierung blieb Al-Deens Soulröhre zu jeder Zeit präsent und dominant. Ihr markantes Timbre zeigte sich immer wieder in den ganz tiefen Tonlagen. Doch nicht nur beim Singen machte Laith eine gute Figur: Sein rhythmisches Hecheln und seine Beatbox-Einlagen sorgten immer wieder für erfrischende Intermezzi – genau wie die intensiven Solo-Momente von Gitarrist Ole Rausch und Keyboarder Tobi Reiss.

© Sony Music, 7 Days Music
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Kitschfreies Unplugged-Set

Die Akustik in der in die Jahre gekommenen Festhalle erwies sich auch bei einer relaxten Reggae-Nummer und später beim ruhigen Unplugged-Set mit Liedern wie "Dreh dich nicht um" und "Wieder tun" als äußerst gelungen. Die angenehme Gänsehautstimmung, bei der Pärchen doch noch zum Kuscheln kamen, kommentierte Laith nicht nur einmal mit einem Augenzwinkern. Sein Schmuse-Image scheint er längst mit Humor zu nehmen. Es ist ja auch nicht so, als wäre dieses völlig aus der Luft gegriffen.

Natürlich drehen sich Al-Deens Songs in der Hauptsache um die Liebe und natürlich präsentiert sich der Musiker auch live von seiner gefühlvollen Seite. Die Grenze zum Kitsch überschreitet er dabei aber nie. Statt übertriebener Theatralik, die so viele andere Deutsch-Pop-Acts bedienen,  gibt es bei Laith authentische Emotionen ohne inszenierte Tränendrüsendramatik.

Im letzten Drittel seines über zweistündigen Konzertes waren wieder hauptsächlich Lautstärke und Tempo angesagt: Der Sänger feierte mit der angeheizten und textsicheren Menge seine Ohrwürmer "Alles an dir", "Keine wie du", "Dein Lied", "Jetzt, hier, immer" und "Jedesmal". Wie zu jeder Tour hatte er sich mit seiner Band frische Arrangements und Versionen der Hits ausgedacht. Schließlich will er es den Schubladendenkern trotz all seiner ironischen Gelassenheit dann doch nicht zu einfach machen.

Rein gar nichts zu bereuen

Nein, also Schmuse-Papst mag nach so einem coolen und abwechslungsreichen Gig absolut nicht passen. Wenn man denn partout nicht anders kann, sollte man für Laith einen ganz neuen Titel erfinden. Wie wäre es mit Schmocker? Quasi ein schmusiger Rocker. Das wäre doch ein Kompromiss, wird den vielen Facetten Al-Deens aber immer noch nicht gerecht.

Am Ende eines langen, unvergesslichen Abends, der übrigens sehr gelungen mit Newcomer Mark Forster im Vorprogramm begonnen hatte, ließ Laith wohl kaum einen Zweifler im Saal zurück. Für ein Fazit dürfen die Refrainzeilen aus einem seiner Songs herhalten: "Ich würd es wieder tun, ich bereue nichts davon... trag jeden Augenblick in mir." (TEXT-BAUER)

Fans deutschsprachiger Pop- und Rockmusik überzeugen sich an den noch ausstehenden Tour-Terminen am besten selbst von den Live-Qualitäten Al-Deens:

07.02.2012 | 20:00 | Leipzig, Werk 2  
08.02.2012 | 20:00 | München, Tonhalle
10.02.2012 | 20:00 | Berlin, Columbiahalle
 
Sommer-Tour 2012

11.05.2012 | Freudenstadt, Gewerbepark Sulzhau
31.05.2012  | Wolfhagen, Kulturzelt

Link: www.laith.de

Foto: © Sony Music, 7 Days Music


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