Gesehen - DVD / Blu-ray | Roller Girl ••• | 03.02.12 Drucken
Ein graues Teenie-Mäuschen wird zur Powerfrau auf Rollschuhen

Roller GirlSchauspielerin Drew Barrymore versucht sich als Regisseurin. Ein motivierter Cast rettet ihr Spielfimdebüt "Roller Girl", das inhaltlich leider nur an der Oberfläche kratzt.

Inhalt: Bliss Cavender (Ellen Page) ist ein introvertiertes und schüchternes Mädchen, das unter ihrer dominanten Mutter (Marcia Gay Harden) leidet. Diese drängt sie immer wieder dazu, an Schönheitswettbewerben teilzunehmen. Dabei fühlt sich Bliss mehr wie ein graues Entlein. Selbstbewusstsein gehört nicht zu ihren Stärken.

Doch das soll sich schon bald ändern: Als Bliss mit ihrer besten Freundin Pash (Alia Shawcat) heimlich einen "Roller Derby"-Wettkampf besucht, fängt sie Feuer.

Kurzerhand kramt der Teenager seine alten Rollschuhe wieder aus, lügt sich vier Jahre älter und bewirbt sich um einen Platz im Team der erfolglosen "Hurl Scouts". Trainer Razor (Andrew Wilson) gibt grünes Licht, auch wenn Bliss für die rabiate Sportart zunächst zu zerbrechlich erscheint.

Mit der Unterstützung der erfahrenen Roller-Ladys Maggie Mayhem (Kristin Wiig), Smashley Simpson (Drew Barrymore), Bloody Holly (Zoe Bell) und Rosa Sparks (Eve) wird die unscheinbare Bliss allerdings schnell zur taffen "Babe Ruthless" und zur absoluten Senkrechtstarterin der regionalen Roller-Derby-Liga.

Ausgerechnet kurz vor der alles entscheidenden Meisterschaft fliegt Bliss auf: Ihre Eltern kommen ihrem geheimen Hobby auf die Schliche und toben vor Wut. Ist ihre kurze Karriere als "Roller Girl" damit schon wieder beendet?

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Kritik: Für ihr Regiedebüt "Roller Girl" hat sich Schauspielerin Drew Barrymore eine typische Coming-of-Age-Geschichte vorgenommen. Der Film basiert auf dem Roman "Derby Girl"von Shauna Cross, die auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat. Es werden die üblichen Teenager-Themen abgehandelt: Selbstfindung, Liebeskummer, Freundschaft und Emanzipation von den Eltern – das Ganze aus der Sicht eines jungen Mädchens. Soweit nichts Neues.

© Senator Film
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Zum Glück dient das hierzulande eher unpopuläre "Roller Derby" als Aufhänger für die durchschaubare Story. So kann Barrymore die zähe Teenie-Soap im Großformat immer wieder mit rasanten und schön choreografierten Szenen auf der Rollschuhbahn unterbrechen.

Auch die Ausstattung des Independent-Streifens ist wirklich gelungen: Die Outfits der Roller-Girls und die Derby-Kulisse verfügen über einen bezaubernden Retro-Charme. Wer zunächst nur den Trailer sieht, könnte fast vermuten, die Handlung würde in den 60ern spielen. Das passt bestens zum antiquierten Frauenbild, an dem TV-Star Marcia Gay Harden als Filmmutter festhält und gegen das Bliss mehr und mehr rebelliert.

Statt echter Emanzipation nur oberflächliche Klischeebilder

Für Barrymore und Autorin Cross heißt die Alternative dazu: Extreme "Girl Power" in Form von handfesten Prügeleien, kurzen Röckchen und Macho-Sprüchen. Vor allem Juliette Lewis gibt in einer Nebenrolle als Widersacherin der "Hurl Scouts" das perfekte Mannsweib zum Besten. Drew Barrymore steht als Smashley Simpson selbst ihren Mann und lässt nicht nur einmal die Fäuste fliegen. Natürlich ist das alles nicht so ernst gemeint, entlarvt aber noch mehr die Oberflächlichkeit des Skripts. Der zentrale Konflikt zwischen Bliss und ihrer strengen Mutter wird kaum ausgetragen und löst sich zum Finale viel zu schnell und unglaubwürdig in Luft auf.

Hätte Barrymore nicht solch ein motiviertes Ensemble für ihr Projekt gewinnen können, allen voran Ellen Page ("Juno", "Inception") in der Hauptrolle, wäre ihr Erstlingswerk sicher nicht so kurzweilig ausgefallen. Allein die fähigen Darsteller wissen trotz ihrer Klischee-Charaktere zu unterhalten und machen "Roller Girl" zu einem sehenswerten Filmspaß.

Als Extras haben es neben Interviews, Online-Bonusmaterial und einem alternativen Anfang zahlreiche geschnittene Szenen auf die DVD geschafft. Barrymore war gut beraten, auf diese zu verzichten. Weitere unwichtige Nebenhandlungen hätten die Geschichte nur noch unnötig aufgebläht. (TEXT-BAUER)

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Fotos: © Senator Film


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