| Gehört - CD / MP3 | Edita Abdieski: One ••• | 18.03.11 | ![]() |
| Edita Abdieski: Ernste Konkurrenz für Leona Lewis |
Eine deutsche Castingshow kann tatsächlich ein großes Talent hervorbringen. "X Factor"-Gewinnerin Edita Abdieski hat sich für ihr Debütalbum viel Zeit gelassen.
Die Schweizerin Edita Abdieski ging im vergangenen November als erste Gewinnerin der VOX-Castingshow "X Factor" hervor. Beim Televoting konnte die 26-Jährige 74,1 Prozent der Zuschaueranrufe für sich verbuchen. Ein eindeutiges Ergebnis. Da lag es nahe, schnell ein Debütalbum auf den Markt zu werfen, um den Hype und das Weihnachtsgeschäft zu nutzen. Eine Vorgehensweise, wie man sie nur zu gut von Formaten wie "Deutschland sucht den Superstar" und "Popstars" kennt.
Glücklicherweise entschied man sich im Falle von Edita aber dafür, sich Zeit für den ersten Longplayer zu lassen. Auch Fließband-Schmachtfetzenschreiber Dieter Bohlen bekam einen Korb als Produzent. Geschieht ihm ganz recht, hatte der Pop-Titan Edita doch noch vor ihrer "X Factor"-Teilnahme bei DSDS frühzeitig aussortiert. Dabei verfügt diese, anders als die vielen anderen Casting-Eintagsfliegen, tatsächlich einmal über internationales Potenzial und eine beeindruckende Stimmgewalt.
Edita bittet auf die Tanzfläche
Diese stellt die Sängerin auf "One" aber nicht übertrieben zur Schau. Marek Pompetzki (Sarah Connor, Stefanie Heinzmann), auf den die Wahl an Stelle von Bohlen schließlich gefallen war, setzt Editas Röhre zu jederzeit mit Bedacht ein – auch bei den Balladen "The Key" und "Another Universe". Überzogene Intonationen wie bei einer Mariah Carey oder einer Celine Dion unterlässt Edita. Eine Wohltat für die Ohren!
Überhaupt lässt sich Edita nicht in die Balladen-Diva-Schublade stecken. Das Album ist insgesamt sehr tanzbar ausgefallen: "When The Music Is Over" heizt ähnlich wie Rihannas "Don't Stop The Music" ordentlich ein. Auch der Opener "Give A Little Love Get A Little Love" und die sehr eingängigen Stücke "Turn Back Time" und "Untouchable" sind mit flotten Beats unterlegt, die aber nie dem Gesang in die Quere kommen.
Dezente Synthie-Motive verleihen den Songs hier und da einen gewissen 80er-Touch. "Someone To Lean On" erinnert im Intro an Alphavilles "Forever Young", erweist sich dann aber leider wie schon die Vorab-Single "I've Come To Life" als freie Abwandlung von bekannten Leona-Lewis-Hits. Auch die Uptempo-Ballade "Fade Away" fällt eher in die Kategorie 08/15-Standardproduktionen für Casting-Gewinnerinnen.
Sommerliches Duett mit Ricky Martin
Viel mehr Charme hat das wohlig-warme "Nothing's Changed". Trotz der sehr elektronischen Instrumentierung schafft es Edita hier, ganz viel Gefühl zu transportieren und für eine angenehme Gänsehaut zu sorgen. Von ihrer souligen Seite zeigt sich die Sängerin beim schön groovenden "Wouldn't Wanna Be Without You". Der Song tanzt genau wie "The Best Thing About Me Is You", ein sommerliches Duett mit Ricky Martin, aus der Reihe und will nicht so recht zum Rest passen.
Ganz klar: Es fehlt der rote Faden auf "One". Während hiterprobte Songwriter wie Jörgen Elofsson (Kelly Clarkson, Celine Dion) und Andy Love (Blue, Fady Maalouf) für Edita diesmal noch ein buntes Pop-Allerlei bereit gestellt haben, will die Newcomerin beim nächsten Album ihre Songs selber schreiben. Vermutlich darf und kann sie erst dann mehr sein als eine weitere Casting-Entdeckung. Ein vielversprechender und solider Start ist ihr auf jeden Fall schon jetzt gelungen. (TEXT-BAUER)
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