Gehört - CD / MP3 | Nelly Furtado: The Spirit Indestructible • | 20.09.12 Drucken
Froschgesang mit Beats: So anstrengend ist das neue Furtado-Album

Nelly Furtado

Ohne Timbaland geht Nelly Furtado unter: Auf ihrem neuen Album quäkt sich der Popstar durch scheppernde Demo-Versionen.

Man könnte Nelly Furtados Stimme als markant bezeichnen, allerdings auch als extrem nervig. Der anstrengende Quäkfaktor der Kanadierin mit den portugiesischen Wurzeln hielt sich zuletzt in Grenzen: Die spanischsprachigen Songs auf dem 2009er-Album "Mi Plan" kitzelten das angenehm Sanfte aus Nellys Organ heraus – wie schon ein paar Jahre zuvor beim Hit "Try".

Der neue Longplayer der 33-Jährigen hat leider keinen gefühlvollen Gänsehaut-Moment mehr zu bieten. "The Spirit Indestructible" setzt wie schon ihr gnadenlos ausgeschlachtetes Erfolgsalbum "Loose" (2006) erneut auf elektronische Beats und Sounds mit dezenten Weltmusik- und Ethno-Einflüssen. Die Produzenten Rodney Jerkins (Kanye West, Britney Spears) und Salaam Remi (Amy Winehouse, Leona Lewis) verstehen es aber längst nicht so gut wie damals Timbaland, ihrer Klientin passende Nummern auf den Leib zu schneidern.

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Weniger wäre mehr gewesen

Das neue Songmaterial ist bei Weitem nicht so eingängig und hitverdächtig ausgefallen, dafür sehr unruhig und unentschlossen. Viele der Tracks wirken wie unfertige Demo-Versionen ("Enemy"), in denen die Instrumentierung wenig harmoniert und einen sehr provisorischen Eindruck macht. Sie sind überladen mit schrägen Klängen aus dem Rechner, scheppernden Rhythmen und Samples.

Weniger wäre hier wie so oft mehr gewesen, zumal Nelly mit ihrem Stimmchen all dem kunterbunten Computer-Allerlei ziemlich hilflos gegenübersteht. Manchmal geht sie komplett unter ("Bucket List") oder sie quäkt so dermaßen nasal, dass es vor allem in den höheren Tonlagen richtig unerträglich wird ("Circles").

Wenn sich wie beim Titel "High Life" (feat. Ace Primo) dann auch noch ein plärrender Kinderchor dazugesellt und zusammen mit der Sängerin ein penetrantes "La la la la la" anstimmt, bleibt einem nur der Griff zur Aspirin. Immerhin darf Furtado hier noch etwas wie eine Melodie trällern, woran es monoton stampfenden Stücken wie "Big Hoops (Bigger The Better)" und "Parking Lot" zweifelsohne mangelt ("Something" [feat. Nas], "The Most Beautiful Thing" [feat. Sara Tavares]).

Nelly Furtado

Rock-Ausrutscher schmeichelt Nellys Stimme

Das clubtaugliche "Waiting For The Night" erweist sich zwar als eher simpel gestrickte Dance-Nummer mit folkloristischen Elementen, geht aber ganz gut ins Ohr. Hit-Potenzial haben durchaus auch das hymnische "Miracles" und der Titeltrack "Spirit Indestructible", die irgendwie sehr nach Restmaterial aus der "Loose"-Session schmecken.

Mit "Believers (Arab Spring)" will Nelly am Ende partout noch eine politische Meinung loswerden, was nach all der inhaltsarmen Partymusik nicht so recht passen mag. Auch musikalisch fällt der von Bob Rock (Metallica, Aerosmith) produzierte Song ziemlich aus der Reihe und überrascht mit rockigen Popklängen. Diese stehen Nellys Stimme aber deutlich besser als der ganze elektronische Quatsch zuvor.

Vielleicht wäre das ein guter Ansatzpunkt fürs nächste Album. Doch egal, in welchem Genre sich der experimentierfreudige Star versuchen wird: Es kann nach diesem enttäuschenden Werk nur bergauf gehen. (TEXT-BAUER)

WertungslegendeRedaktionswertung:

1 Punkt

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( 13 Bewertungen )

Foto: © Universal Music / Mary Rozzi

Geschrieben am 22.09.2012 um 10:14 Uhr von belinda Weiter lesen
Das hört sich ja wirklich grauenvoll an. Aber das mit der Stimme kann ich nachvollziehen. Gerade bei den synthetischen Songs fand ich das bei der schon immer grenzwertig. Die hat mit den Jahren stark nachgelassen...

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