Gehört - CD / MP3 | Melissa Etheridge: 4th Street Feeling ••• | 30.08.12 Drucken
Back to the roots... und doch nicht so gut wie in alten Zeiten

Melissa Etheridge

Das ging schon mal kreativer: Rockröhre Melissa Etheridge klingt auf ihrem neuen Album allzu routiniert.

US-Rockerin Melissa Etheridge ist nunmehr 25 Jahre im Musikgeschäft und hat mit Songs wie "The Way I Do", "Bring Me Some Water" und "Come To My Window" vor allem in ihrer frühen Schaffensphase einige echte Klassiker aus dem Songwriter-Ärmel geschüttelt.

Jener rebellische, robuste Charakter dieser Songs ging ihr mit den letzten Alben zunehmend verloren. "Lucky" (2004), "The Awakening" (2007) und "Fearless Love" (2010) boten soliden Mainstream-Rock mit leichtem Country-Einschlag und gefälligen, hymnischen Melodien. Genau diese machten auch so manch kitschige Schunkelnummer in Etheridges Repertoire erträglich. Ihre rauchige Röhre schafft es eben, selbst einer glatt gebügelten Produktion gewisse Ecken und Kanten aufzudrücken.

Auf ihrem neuen, 12. Studioalbum "4th Street Feeling" bemüht sich die 51-Jährige nun jedoch, wieder mehr zu ihren musikalischen Wurzeln zurückzukehren. Gleich mit dem rockigen CD-Einsteiger "Kansas City" begibt sich Etheridge auf einen Road-Trip in ihre alte Heimat. Ein griffiger Refrain und ein souveränes Mundharmonika-Solo machen schon mal Lust auf mehr.

Mit dem Titelsong verweilt sie zu souligen Orgelsounds im kleinen Kaff Leavenworth, in dem sie geboren und aufgewachsen ist. Mal abgesehen von den Lyrics ist das definitiv kein typisches Melissa-Lied. Fast könnte man sogar meinen, hier würde Tina Turner singen. Etheridge kommt ihrer Kollegin stimmlich erstaunlich nahe.

Etheridge rockt nur mit angezogener Handbremse

Auf diese Überraschung folgt dann eher Routine. "Falling Up" setzt auf Schwung und gute Laune. Einzige Innovation: Etheridge spielt bei der Single erstmals eine Banjitar, das ist ein Hybrid-Instrument aus Gitarre und Banjo. Nach heiter wird es heiser: Zu durchschaubaren Rock'n'Roll-Akkorden krächzt sich die zweifache Grammy-Gewinnerin durch "Shout Now". Das bedrohliche "The Shadow Of A Black Crow" rockt da mit der dezenten Referenz an "I Heard It Through The Grapevine" deutlich interessanter.

Melissa Etheridge

Die Spannung fällt jedoch sogleich wieder ab mit dem textlich recht einfallslosen Funk-Rock-Track "Be Real". Etheridge tischt gleich eine ganze Überdosis an abgedroschenen Reimen auf. Das kann sie doch besser – wie im Falle des melancholischen "A Disaster". Danach geht dem Album bereits die Puste aus:

Während "Sympathy" und "A Sacred Heart" immerhin noch solide Gitarrenarbeit bieten, zieht Etheridge bei "Enough Rain" und "I Can Wait" die Handbremse an. Auch der bluesige Rausschmeißer "Rock And Roll Me" will nicht mehr so recht in Fahrt kommen und serviert erneut viele Floskel-Zeilen.

So erweist sich "4th Street Feeling" unterm Strich als eines der schwächeren Alben in Etheridges Diskografie. Einen neuen Klassiker sucht man unter dem neuen Songmaterial vergebens. Schade! (TEXT-BAUER)

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Fotos: © Universal Music


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