| Gehört - CD / MP3 | Joon Wolfsberg: Wonderland •••• | 29.05.12 | ![]() |
| Joon Wolfsberg: Mit 20 schon eine gestandene Rocklady |

Noch gilt Joon Wolfsberg als Geheimtipp: Mit ihrer zweiten Scheibe "Wonderland" dürfte es für die junge Erfurterin allerdings einen großen Schritt in Richtung internationaler Durchbruch gehen.
Musikalischer Nachwuchs aus Deutschland hat selten internationales Potenzial. Warum auch? Durchaus talentierte Casting-Entdeckungen werden hierzulande für den schnellen Euro verheizt und mit peinlichem Plastik-Pop abgespeist. Das hat dann selbst national eine geringe Haltbarkeitsdauer.
Es war daher eine weise Entscheidung von Joon Wolfsberg, auf die Teilnahme an fragwürdigen TV-Shows zu verzichten und lieber wichtige Kontakte nach Amerika zu knüpfen. Mit Erfolg: Gleich ihr Debüt "Made In USA" konnte die Newcomerin im renommierten Tracking Room Studio in Nashville aufnehmen.
Gerade mal eineinhalb Jahre später legt die erst 20-jährige Sängerin aus Erfurt nach. Gemeinsam mit ihrem Vater Joe, US-Produzent Zach Allen, dem ehemaligen Pearl-Jam-Drummer Dave Krusen sowie Bassist Brad Smith und Gitarrist Christopher Thorn von Blind Melon entstand auch das zweite Album "Wonderland" in der amerikanischen Country-Metropole.
Erstaunlich reife Rockröhre
Nicht nur Joons kräftige, vor allem in den tiefen Tonlagen äußerst markante Rockröhre überrascht mit einer Reife und Intensität, die man von so einer jungen Musikerin nicht erwartet hätte. Auch der ausgeprägte Live-Charakter der 12 neuen Songs sorgt für einen zeitlosen, erwachsenen Sound. Wolfsbergs Mix aus Blues, Rock, Country und Folk geht gut ins Ohr, gibt sich dank erdiger Gitarren und der unpolierten Produktion aber nie zu poppig.
Gleich der Opener "Big Fish" schrammelt sympathisch mit einer treffsicheren Mitsing-Hookline, die Joons Timbre bestens zur Geltung bringt. Nicht weniger hitverdächtig groovt "Hang Me Up To Dry" im Stil einer Amy Macdonald. Vor allem der rhythmische Bruch zwischen Strophen und Refrain lässt hier aufhören und bietet einen gewissen Aha-Effekt. Einen Gang runter schaltet Joon bei der Beinahe-Ballade "I Would Die". Die sich wiederholenden Textzeilen wirken fast hypnotisierend, die Melodie wird man so schnell nicht wieder los. Eigentlich ein typischer Melissa-Etheridge-Song!
"Can't Get Me Down" klingt durch die simplen Akkorde ziemlich vertraut, wenn vielleicht auch ein bisschen beliebig. Aufgelockert wird die Mainstream-Nummer durch rotzig-rockige Ska-Breaks, bei denen Joons Stimme mal aggressiver kratzen darf. Gegen lautstarke Gitarrengewalt röhrt Wolfsberg ebenso beim brummelnden "Say Yes" an.
Durchgehend solides Songmaterial
Beim nachdenklichen "Darkness" bekommt sie schließlich Gelegenheit, sich von ihrer ruhigen Seite zu zeigen. Gleiches gilt für den Song "Painter", der zum Träumen einlädt, oder auch für "Cash & Dylan", Joons countryeske Hommage an Johnny Cash und Bob Dylan. Ein bisschen zu brav bleiben die Gute-Laune-Titel "Nothing To Lose" und "Free Your Mind", während sich "Wonderland" und "Love To Laugh" als solide rockende Albumfüller erweisen.
Joon hat alle Songs übrigens gemeinsam mit ihrem Vater Joe geschrieben, wobei sämtliche Texte sowie die Gesangsmelodien aus der Feder der gebürtigen Kölnerin stammen. Statt Teenie-Herzschmerz zu verarbeiten, widmet sich Joon lieber ernsteren Themen: Sie singt von zweifelnden US-Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind, oder appelliert an Drogenabhängige, von ihrer Sucht loszukommen.
Einer anderen 20-Jährigen würde man das vielleicht nicht so einfach abkaufen. Doch Wolfsberg verliert in keinem Moment ihre Glaubwürdigkeit. Mit ihrer neuen CD hinterlässt die Songwriterin einen bleibenden Eindruck und macht Lust auf die anstehenden Live-Termine. Eine Deutschland-Tour ist noch für 2012 geplant. (TEXT-BAUER)
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