| Gehört - CD / MP3 | Fun.: Some Nights •• | 23.05.12 | ![]() |
| Bei zu viel Spaß hört die Freude auf |

Auf ihrem zweiten Longplayer "Some Nights" hat die US-Band Fun. viel Spaß an Extremen. Für Pop-Fans mit sensiblen Gehörgängen wird das zu einer ernsten Angelegenheit.
Das New Yorker Trio Fun. (nur echt mit Punkt!) wird aktuell als die neue Indie-Popsensation aus den USA gehandelt. Den Stempel "Indie" haben Sänger Nate Ruess, Gitarrist Jack Antonoff und Pianist Andrew Dost aber nicht mehr so wirklich verdient. Die Seele der Musiker ist längst verkauft, brachte allerdings auch den gewünschten Durchbruch: Seit ihre Single "We Are Young" für einen bekannten Automobilhersteller in den Werbepausen des amerikanischen Super Bowl eingesetzt wurde, rollt der Rubel.
Geübte Karaoke-Freunde, die sich schon mal an dem Ohrwurm versucht haben, werden vielleicht ein interessantes Detail festgestellt haben: Auf das Playback des Titels kann man fast eins zu eins die Melodie des Nummer-1-Hits "Bleeding Love" von Leona Lewis singen. Dieter Bohlen hätte nicht besser klauen können! Immerhin hat sich Produzent Jeff Bhasker (Alicia Keys, Kanye West, Beyoncé) die Mühe gemacht, die altbekannten Akkorde ein bisschen rockiger zu verpacken.
Achtung: Kristallgläser unbedingt in Sicherheit bringen
Auf gefällige Melodien setzen auch die weiteren Songs des zweiten Fun.-Albums "Some Night", die zumeist mit aufdringlichem Harmoniegesang im Stil von Queen daherkommen. Doch gleich zu Beginn beim Titelstück wird schnell klar: Ruess ist leider kein Freddie Mercury, mehr so ein Zwischending aus Mika und Green-Day-Sänger Billie Joe Armstrong.
Im Klartext: Mit Singen haben seine Bemühungen am Mikro in vielen Momenten wenig zu tun. Es ist mehr ein Plärren und Quäken, wenn der Frontmann immer wieder in hohe Tonlagen abdriftet. Teure Kristallgläser sollten beim Abspielen der CD vorab in Sicherheit gebracht werden!

Bashker muss der Teufel geritten haben: Hätte er sonst auf Nates extremes Organ auch noch Autotune angewandt? Bei "It Gets Better", "Some Nights" und "Stars" scheint er völlig die Kontrolle über den Effekteregler verloren zu haben. Das klingt wie Owl City auf Speed – einfach unerträglich! Vielleicht ist es aber ein beabsichtigtes Stilmittel von Fun., zu übertreiben und Grenzen auszutesten. Das würde auch den kitschigen Kinderchor erklären, der mehrfach zum Einsatz kommt.
Nicht nur dieser sorgt für anstrengenden und völlig überproduzierten Pop-Bombast: Da duellieren sich Marschrhythmen mit Streichern und nervöse Hip-Hop-Beats mit punkigen Gitarrenriffs. Mal gesellt sich ein sehnsüchtiges Akkordeon hinzu, mal schließen sich penetrante Samples dem Soundbrei-Terror an. Da vibriert das Trommelfell unangenehm und man will eigentlich nur noch einen dicken Punkt hinter diesen vermeintlichen Spaß setzen. Eindeutiges Fazit: Autsch! (TEXT-BAUER)
Foto: © Warner Music, Daniel Silbert
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