Gehört - CD / MP3 | Schmidt: Femme Schmidt ••• | 21.05.12 Drucken
Laszive Rollenspiele mit Guy Chambers neuem Fräuleinwunder

Schmidt

Die Sängerin Schmidt weiß die Waffen einer Frau einzusetzen. Etwa um von stimmlichen Defiziten abzulenken?

Lana Del Rey hat es vorgemacht: Mit geheimnisvollem Retro-Sound und verführerischen Schmolllippen ging es direkt an die Spitze der internationalen Charts. Ob dieses Konzept ein weiteres Mal aufgeht?

Für den britische Top-Produzenten Guy Chambers, der auch schon bei Lanas Debüt "Born To Die" mitgemischt hat, ist es einen Versuch wert. Mit der erst 22-jährigen Koblenzerin Elisa Schmidt will er ein neues Fräuleinwunder etablieren.

Diese haucht die 12 Songs ihres ersten Albums "Femme Schmidt" ähnlich lasziv wie Kollegin Del Rey und beweist dabei leider nur eine sehr geringe stimmliche Bandbreite. Der düstere Schunkel-Opener "Shadowman" ist gar so schräg ausgefallen, dass man Schmidt für eine wirklich schlechte Sängerin halten könnte. Vielleicht trifft es am ehesten ein Kompromiss: Große Stimmgewalt zählt sicher nicht zu den Stärken der Newcomerin. Ihr rauchiger Gesang erweist sich aber durchaus als markant.

Schmidt schlüpft in viele Rolle, ohne sich selbst zu finden

Chambers versteht es, ihn clever zu inszenieren: Er kombiniert Elemente aus dem Jazz und Swing der 20er-Jahre mit typischem 60er-Pop und rundet das Ganze mit ein paar melodiösen Balladen ab. Dieser durchaus gelungene Mix gibt Schmidt viel Spielraum zum Schauspielern:

© Warner Music, Esther Haase
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Mal schnurrt sie wie eine Marilyn Monroe, dann gibt sie wieder die sexy Lolita zum Besten und erinnert an Vanessa Paradis. Bei all diesen Rollenspielen stellt sich aber eine entscheidende Frage: Wer ist Schmidt wirklich? Wer steckt hinter der Fassade aus Smokey Eyes und dick geschminkten Lippen?

Die Antwort bleibt uns die Sängerin schuldig. Mit schwungvoll-eingängigen Nummern wie "Boom Boom" und "Do The Dada" sowie den melodiösen Balladen "Stockings & Belt" und "Stay" hat sie dank Chambers aber recht solides Songmaterial im Angebot. Das hymnische "Defenceless" hätte sicher auch Kollegin Del Rey gerne auf ihrem Album gehabt. Das zieht im direkten Vergleich zu Schmidts Erstling tatsächlich den Kürzeren. (TEXT-BAUER)

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