| Gehört - CD / MP3 | Madonna: MDNA (Deluxe Edition) •• | 23.03.12 | ![]() |
| Lady Madonna bemüht sich Gaga zu sein |

Madonna will wieder ein junges, wildes Ding sein. Stupide stampfende Beats lassen den US-Superstar auf "MDNA" aber ziemlich alt aussehen.
Vier Jahre hat sich Madonna für ihr neues, nunmehr zwölftes Album Zeit gelassen. Vielleicht musste die als Perfektionistin bekannte "Queen Of Pop" so lange den Misserfolg des Vorgängers "Hard Candy" verdauen. Die CD verkaufte sich weltweit gerade noch vier Millionen Mal. Für den Superstar keine wirklich perfekte Zahl!
"MDNA" soll es nun wieder richten. Dafür hat Madonna William Orbit zurück ins Studio geholt. Der Produzent zeichnet sich verantwortlich für die Scheibe "Ray Of Light" (1998), die bei Fans und Kritikern als bislang bestes Album der Sängerin gilt. Außerdem versorgen die italienischen Benassi Brothers und der französische DJ Martin Solveig die inzwischen 53-Jährige mit Beats von der Stange. Das klingt wenig originell?
Und wie: Madonna springt auf das anhaltende Revival des Euro-Dance auf, das Lady Gaga schon Ende 2008 ausgelöst hat. Die erste Hälfte des Albums stampft und kratzt mal mehr, mal weniger erträglich im trashigen 90er-Sound. Der simpel gestrickte Opener "Girl Gone Wild", der als nächste Single herhalten muss, geht immerhin noch ganz gut ins Ohr. Der peinliche Techno-Klopfer "Gang Bang", das dudelig-schräge "I'm Addicted" und der Feueralarm-Ersatz "Some Girls" dürfen dagegen direkt in die Sondermülltonne für nervtötendes Bumm-Bumm wandern.
Madonna sonnt sich in junger Gesellschaft
Wieder melodiöser geht es bei "Turn Up The Radio" zu. Die Daft Punk imitierenden Synthies sind aber eigentlich schon längst wieder Schnee von gestern, zumindest für europäische Ohren. Die erste Single "Give Me All Your Luvin'" bemüht sich um einen gewissen 80er-Charme. Die überdrehten Raps von Nicki Minaj und M.I.A. sollen das Ganze wohl aufpeppen, wirken aber aufgesetzt. Madonna scheint die Gesellschaft der jungen Kolleginnen zu brauchen, um sich selbst wieder als "Girl" zu fühlen. Das Junge-wilde-Ding-Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch die platten Lyrics.
Nun gut, eine Frau großer, tiefgründiger Worte war Madonna noch nie. Zeilen wie "Uh la la - you're my superstar - uh la la - love the way that you are" wie beim naiven "Superstar" könnte sich aber selbst ein Pietro Lombardi zusammenreimen, ganz ohne Unterstützung von Dieter Bohlen. Für "I Don't Give A" wurde noch einmal Nicki Minaj zum Rappen ans Mikro gebeten. Auch Madonna versucht sich in den Strophen an einer Art monotonem Sprechgesang... und scheitert.
"I'm A Sinner" klingt schließlich wie eine Neuauflage des Madonna-Hits "Beautiful Stranger", nur nicht ganz so eingängig. "Love Spent" eifert im Anschluss "Hung Up" nach, ist aber etwas unentschlossen produziert: Zunächst eröffnen countryeske Banjos die Nummer, bevor sie doch wieder zurück in die Dancefloor-Routine fällt und Abba zitiert.
Zur Ruhe kommt Madonna erst beim eher traditionellen Popsong "Masterpiece", der abgesehen von seinem dezenten Beat fast als Ballade durchgeht. Gerade weil die ewige Trendsetterin hier auf Altbewährtes zurückgreift, gelingt ihr der erste überzeugende und glaubwürdige Moment auf "MDNA". Auch kommt der Gesang nun endlich mal ohne große Effekte aus. Die reduzierte Instrumentierung lässt Madonnas dünner, aber markanter Stimme Gelegenheit zu glänzen.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das versöhnliche Finale mit "Falling Free". Hier wird Frau Ciccone lediglich von warmen Synthiesounds und einem Piano begleitet. Fazit: So ein bisschen Kitsch steht ihr auf jeden Fall besser als der kirmestaugliche Clubsound.
Die Zugaben der erweiterten Albumversion
Die reguläre Ausgabe von "MDNA" endet an dieser Stelle. Wer zur "Deluxe Edition" greift, bekommt neben einem Remix von "Give Me All Your Lovin'" mit den US-Partystars LMFAO vier weitere neue Songs von Madonna zu hören. Diese entpuppen sich nicht gerade als große Überraschung, wissen aber durchaus mehr zu gefallen als ein Großteil der Standard-CD:
"Beautiful Killer" ist solider Dance-Pop und hätte tatsächlich auch gut auf "Ray Of Light" gepasst. Bei "I Fucked Up" schaltet Madonna zwei Gänge runter und verarbeitet ihre Trennung von Ex-Mann Guy Chambers. Der "B-Day Song" stimmt wieder fröhlichere Töne an: Gemeinsam mit M.I.A. singt sich das "happy girl in a happy world" selbst ein Geburtstagsständchen – inklusive einer Überdosis "Na na na na na".
Der scheppernde und arg elektronische R'n'B-Track "Best Friend" fällt danach deutlich ab. Aus dem trotzdem recht eingängigen Refrain hätte man mehr machen können. Auf einen weiteren unterdurchschnittlichen Titel mehr oder weniger kommt es an dieser Stelle aber auch nicht mehr an. Unterm Strich bleibt "MDNA" eine große Enttäuschung. (TEXT-BAUER)
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