| Gehört - CD / MP3 | Lana Del Rey: Born To Die •• | 30.01.12 | ![]() |
| Dicke Lippen und Lolita-Charme reichen einfach nicht |

Dicke Lippen, dünne Stimme: Lana Del Rey hat auf ihrem Debüt nur Variationen ihres Nummer-1-Hits "Video Games" zu bieten und macht als Sängerin eine ganz schlechte Figur.
Kaum eine andere Künstlerin, mal abgesehen von Lady Gaga, polarisiert derzeit so sehr wie Lana Del Rey. Die einen feiern die 25-Jährige seit ihrem Überraschungserfolg mit der melancholischen Retro-Nummer "Video Games" als neues Fräuleinwunder und kultverdächtige Indie-Queen. Die anderen halten die Newcomerin für ein gezielt vermarktetes, wenig authentisches Pop-Sternchen.
Für Letzteres spricht viel: Lana veröffentlichte vor ein paar Jahren noch Musik als Lizzy Grant, jedoch ohne Erfolg. Erst seit sich die Sängerin von einem eher unscheinbaren, blonden Mädchen in einen Lolita-Rotschopf mit Schlauchbootlippen verwandelt hat, schenkt ihr die Welt Aufmerksamkeit. Das begann mit einem unerwarteten Ansturm auf den angeblich selbst zusammengebastelten Clip zu "Video Games" bei YouTube. Also mal wieder die übliche Geschichte moderner Karrieren: Vom Internet-Geheimtipp zum Superstar... oder so ähnlich.
Von wegen Hollywood-Glamour
Doch Lana bedient noch mehr Klischees: In einer heruntergekommenen Wohnwagensiedlung habe sie einmal hausen müssen. Vor dem großen Ruhm war also wie so oft die große Armut angesagt. Tatsächlich? Es ist längst bekannt, dass Lanas Vater der vermögende Internetmogul Rob Grant ist. Hatte der etwa auch seine Finger im Spiel bei den vielen Klicks im Netz? Alles nur böse Gerüchte... natürlich. Doch wie heißt es so schön? Auch schlechte Presse ist gute PR: Die bösen Mutmaßungen heizen den Hype um Del Rey nur noch mehr an.
Das ganze Gerede dürfte auch förderlich für den Absatz des Longplayers "Born To Die" sein. Lanas Debüt unter ihrem neuen Künstlernamen versucht die "Video Games"-Cash-Cow bis aufs Letzte auszuschlachten: Fast alle weiteren Titel auf der CD lehnen sich stark an den Single-Hit an, greifen die gleiche düstere Stimmung auf und manchmal sogar Melodiebruchstücke davon.
Die größte Abwechslung liegt im regelmäßigen Tempowechsel und in der bemühten Sample-Arbeit, die wohl noch einmal den Retro-Charakter unterstreichen will. Was nach altem Hollywood-Glamour der 60er klingen soll, schmeckt wie im Falle des Titelsongs oder der Tracks "Blue Jeans", "Radio" und "This What Makes Us Girls" aber mehr nach antiquiertem Trip-Hop der 90er.
Ziemlich schwach bei Stimme
Als eine Alternativversion von Katy Perrys Stampfnummer "E.T." entpuppt sich das tanzbare "Off To The Races", bei dem sich eines ganz deutlich zeigt: Del Rey bringt ähnlich wie ihre Plastik-Pop-Kollegin nur ein dünnes Stimmchen mit und hat selbst auf CD Probleme beim Töne treffen. Mit einem Live-Auftritt ist sie dann leider völlig überfordert, wie sich erst kürzlich in der US-Show "Saturday Night Live" zeigte. In der nächsten Karaoke-Bar um die Ecke finden sich bestimmt eine Handvoll talentierterer Hobbysängerinnen.
Lanas laszives Schlafzimmer-Säuseln geht wie bei "National Anthem" und "Carmen" auch mal komplett in Sprechgesang über. Die Bezeichnung als Rap hat dieser allerdings nicht verdient, dazu fehlt es einfach am berühmt-berüchtigten Flow. Im Bereich ihrer Fähigkeiten bleibt die New Yorkerin, wenn sie gefällige Refrains wie bei "Dark Paradise" und "Summertime Sadness" schnurren darf – mit viel Hall auf der Stimme und getragen von einem Meer aus kitschigen Synthie-Streichern. Doch das hatten wir ja schon...
Spätestens in ein paar Wochen haben die Formatradios "Video Games" tot gedudelt. Dann braucht Lana Del Rey ganz schnell wieder ein neues Gerücht oder noch ein bisschen mehr Collagen in die Lippen, um im Gespräch zu bleiben. (TEXT-BAUER)
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