Gehört - CD / MP3 | Ed Sheeran: + ••• | 08.02.12
Debüt von Ed Sheeran: Darf es eine Folk-Ballade mehr sein?

Ed SheeranDer britische Songwriter Ed Sheeran klingt auf seinem Erstling ziemlich erwachsen für sein Alter... wenn er nicht gerade auf dicke Hose macht.

Ed Sheeran könnte zum absoluten Abräumer der Brit Awards 2012 werden, die am 21. Februar in London verliehen werden. In gleich vier Kategorien ist der Newcomer nominiert.

Sein Longplayer "+" ist das meistverkaufte Debüt in der britischen Musikgeschichte der letzten zehn Jahre und erscheint nun auch bei uns. Die Vorab-Single "The A Team" läuft hierzulande bereits seit Monaten in Dauerrotation bei den Radiostationen. Kandidaten sämtlicher Castingshows müssen sich mindestens einmal an der eingängigen Akustiknummer versucht haben. Für reichlich Promo ist also gesorgt.

Dabei passt Sheeran die so kommerzielle Vermarktung seiner Musik nur bedingt in den Kram. Vom aktuellen Musik-Biz, das die Künstler verbiegen will, um möglichst viel Profit zu schlagen, hält er nicht viel. Im rhythmischen Beatbox-Track "You Need Me, I Don't Need You" rechnet er mit fiesen Musik-Managern ab und stellt klar: Für seinen aktuellen Erfolg ist nur er selbst verantwortlich. Der 20-Jährige veröffentlichte schon als junger Teenager EPs in Eigenregie und erspielte sich schließlich einen Namen in kleinen Bars und Clubs in London.

Viele Balladen, aber ohne Blunt'schen Nervfaktor

Trotz seiner ausgeprägten, rebellischen Indie-Attitüde unterzeichnete der selbstbewusste  Songwriter aus Suffolk schließlich doch einen Plattenvertrag bei Atlantic Records. Der große Durchbruch schien da wohl doch etwas zu verlockend. Kompromissbereit hat sich Sheeran zu  vielen gefälligen Folk-Balladen ("U.N.I.", "This", "Wake Me Up", "Give Me Love") breitschlagen lassen, die nahtlos an das bewährte "The A Team" anknüpfen.

© Warner Music
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Einem James Blunt macht er dennoch keine Jammerlappen-Konkurrenz. Sheerans leicht heisere Stimme bleibt stattdessen angenehm und unaufdringlich, setzt aber gleichzeitig auch keine markanten Akzente. Selbst wenn der Sänger bei Stücken mit dezenten Beats ("Drunk", "Grade 8", "Small Bump", "This City") immer wieder zum Sprechgesang übergeht, klingt das recht brav und eintönig.

Textlich ist Sheeran die meiste Zeit um Ernsthaftigkeit und Tiefgang bemüht: Teenager-Schicksale haben es ihm am meisten angetan. So erzählt er von einer jugendlichen Prostituierten oder einem jungen Mädchen, das eine Fehlgeburt erleidet. Wenn er von persönlichen Erfahrungen singt oder einfach nur angibt ("I know that all my shit's cool") und auf kiffenden Rapper macht, kratzt er aber nur an der Oberfläche.

Für sein junges Alter ist Ed Sheeran dennoch ein verhältnismäßig reifes Album gelungen. Für den Nachfolger wäre mehr Abwechslung und auch mal Mut zu lauten Tönen wünschenswert. Für ein neues Werk will sich der Senkrechtstarter aber Zeit lassen. Nach dem Promo-Stress für "+" plant der Rotschopf, ein Jahr Auszeit zu nehmen und sich um Privates zu kümmern. (TEXT-BAUER)

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